Stadt will Sat­zung ge­gen Lu­xus­sa­nie­run­gen
Zu­nächst soll ein Pi­lot­pro­jekt im Stadt­be­zirk 3 star­ten, um Ver­drän­gung im Vier­tel vor­zu­beu­gen.
Von Alex­an­der Esch

Die Stadt re­agiert auf die zu­letzt im­mer häu­fi­ger er­ho­be­ne For­de­rung aus Po­li­tik und
Be­völ­ke­rung, die Be­woh­ner ei­nes Vier­tels vor Ver­drän­gung durch
stei­gen­de Mie­ten zu schüt­zen. Was meist „Mi­lieu­schutz­sat­zung“
ge­nannt wird, ist aus Sicht der Stadt laut Bau­ge­setz­buch nur als
„So­zia­le Er­hal­tungs­sat­zung“ um­setz­bar, die nun er­ar­bei­tet
wer­den soll, wenn die Po­li­tik zu­stimmt. Zu­erst wird der Vor­schlag
der Ver­wal­tung im Woh­nungs­aus­schuss am Mon­tag be­ra­ten, der
Stadt­rat ent­schei­det am 18. Ju­ni. Vor­aus­ge­gan­gen war et­wa das
Bür­ger­be­geh­ren „Woh­nen blei­ben im Vier­tel“, in den
Be­zirks­ver­tre­tun­gen 3 und 9 wa­ren An­fra­gen so­wie An­trä­ge zum
The­ma ge­stellt wor­den.

Die Stadt stellt nun dar, was kon­kret mit ei­ner „So­zia­len Er­hal­tungs­sat­zung“
er­reicht wer­den kann – und was nicht. So kön­ne die Um­wand­lung von
Miet- in Ei­gen­tums­woh­nun­gen von der Stadt nicht wie zum Teil
ge­for­dert ge­neh­mi­gungs­pflich­tig ge­macht wer­den, da das
Län­der­sa­che sei. Und ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung sei auf
die­ser Ebe­ne En­de März aus­ge­lau­fen. Die Stadt wie­der­um kön­ne
mit ei­ner Er­hal­tungs­sat­zung steu­ernd auf oft Mie­ten trei­ben­de
(auch en­er­ge­ti­sche) Mo­der­ni­sie­run­gen und Ab­ris­se Ein­fluss
neh­men, um ei­ne „de­fi­nier­te Be­völ­ke­rungs­struk­tur in ei­nem
ab­ge­grenz­ten Ge­biet“ vor Ver­drän­gung zu schüt­zen.

Mo­der­ni­sie­run­gen und Um­bau­ten wür­den ge­neh­mi­gungs­pflich­tig und auf ein Mi­ni­mum
be­schränkt, zu­sätz­li­che Bal­ko­ne, der Ein­bau von ei­ner
Fuß­bo­den­hei­zung oder ei­nem Auf­zug wä­ren als Lu­xus­sa­nie­rung
aus­ge­schlos­sen. Die Stadt stellt al­ler­dings klar, dass
Miet­erhö­hun­gen nicht per se un­ter­bun­den wer­den könn­ten. Da­für
be­stün­de durch die Sat­zung al­ler­dings ein Vor­kaufs­recht für die
Stadt, was Grund­stücks­spe­ku­la­tio­nen Vor­schub leis­ten soll.

Gel­ten kann die Sat­zung nur für ein Wohn­ge­biet, das be­stimm­te
Kri­te­ri­en er­füllt, wie schlech­te Bau­sub­stanz in ei­nem
In-Vier­tel mit star­kem Zu­zug und ei­ner eher ein­kom­mens­schwa­chen
Be­völ­ke­rung.

Die Stadt will sich nun an­schau­en, wel­che Er­fah­run­gen an­de­re Städ­te wie Köln und
Mün­chen mit ver­gleich­ba­ren In­stru­men­ten ge­macht ha­ben. Zu­dem
müss­ten – even­tu­ell mit ex­ter­nen Gut­ach­tern – um­fas­send Da­ten
er­ho­ben wer­den, um die Schutz­wür­dig­keit be­stimm­ter
Wohn­ge­bie­te ein­schät­zen zu kön­nen. Ein Pi­lot­pro­jekt wird für
ein Vier­tel im Stadt­be­zirk 3 vor­ge­schla­gen. rp 23.5.2020