durchschnittliches Nettovermögen von 316 500 Euro

 

Vermögen auf Rekordhöhe
Bundesbank-Studie: Daten von 2021 zeigen noch immer ein hohes Maß an Ungleichheit
VON NINA LUTTMER

Haushalte mit eigener Immobilie sind in der Regel vermögender. dpa

Die Ungleichverteilung der Vermögen ist in Deutschland – auch verglichen mit anderen europäischen Ländern – weiterhin sehr hoch. Das hat eine Erhebung der Bundesbank ergeben, die auf einer Befragung von Haushalten in Deutschland basiert. Demnach hatten hiesige Haushalte 2021 – dem Jahr der Befragung – ein durchschnittliches Nettovermögen von 316 500 Euro, was ein Rekordwert war.

Die Erhebung fand mit 2021 allerdings in einem Jahr statt, in dem die wirtschaftlichen Gegebenheiten noch andere waren als jetzt. Die Inflation war gering, die Zinsen sehr niedrig, die Immobilienpreise seit Jahren angestiegen und die Aktienmärkte über lange Zeit hinweg gut gelaufen.

Der Median der Nettovermögen betrug 2021 rund 106 600 Euro. Der Median gibt die Mitte der Vermögensverteilung an, die Hälfte der Haushalte besitzt mehr, die andere Hälfte weniger. Durch die Betrachtung des Medianvermögens fallen „Ausreißer“, also etwa einzelne außerordentlich hohe Vermögen, die den Durchschnittswert verzerren, nicht mehr so ins Gewicht.

Das Verhältnis von Mittelwert und Median ist ein Indikator für die Ungleichverteilung von Vermögen und lag damit bei 3,0. Im Jahr 2017 hatte er noch bei 3,3 gelegen – die Ungleichheit ist also etwas geschrumpft. Jedoch zum Vergleich: In Italien, Spanien und Portugal lagen die Werte im Jahr 2020 nur jeweils bei gut 2 – in den USA mit ihrem hohen Maß an Ungleichheit dagegen bei 6.

Der sogenannte Gini-Koeffizient, der ebenfalls ein Maß für Ungleichheit ist, lag in Deutschland bei 73 Prozent – nach 74 Prozent vier Jahre zuvor und 76 Prozent im Erhebungsjahr 2010/2011. In Italien lag dieser Wert zuletzt bei 68 Prozent, in Portugal bei 66 Prozent. Je näher der Wert an 100 Prozent liegt, umso ungleicher sind Vermögen verteilt.

Das Nettovermögen ergibt sich aus der Addition des Wertes aller Besitzstände wie etwa Immobilien, Autos, Schmuck, Sparguthaben, Aktienvermögen und privater Altersvorsorge – minus der Schulden. In Deutschland besitzen laut der Erhebung die zehn Prozent der vermögendsten Haushalte 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Im Jahr 2010/11 lag dieser Wert aber noch höher bei 59 Prozent. Um zu den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte zu gehören, war 2021 ein Nettovermögen von rund 725 900 Euro nötig. Im Jahr 2017 lag diese Grenze noch bei 555 700 Euro.

Insgesamt sind die Vermögen hierzulande stark gestiegen. Zwischen 2017 und 2021 erhöhten sich die durchschnittlichen Vermögen um rund 83 600 Euro auf besagte 316 500 Euro, der Median kletterte von 70 800 auf 106 600 Euro. Im Jahr 2010/11 hatte er bei nur 51 400 Euro gelegen.

Deutlich überproportional begütert sind Haushalte, die in einer eigenen Immobilie leben – sie hatten 2021 im Median 364 800 Euro Nettovermögen. Mieterhaushalte dagegen besaßen im Median nur 16 200 Euro. Zudem sind Unternehmensbesitzer:innen, die laut Bundesbank verstärkt in Süddeutschland wohnen, häufig besonders vermögend, im Median hatten sie 503 600 Euro.

Ein Ergebnis der Umfrage war auch, dass sich die Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland zwar weiter angleichen – es aber noch erhebliche Unterschiede gibt. Der Medianhaushalt im Osten verfügte 2021 über ein Nettovermögen von 43 400 Euro, der im Westen dagegen über 127 900 Euro.

Eine gute Nachricht der Umfrage war, dass immer weniger Haushalte angaben, dass sie nichts sparen können. Im Erhebungsjahr 2014 waren das noch 20 Prozent der Haushalte, 2017 noch 15 Prozent, 2021 nur noch elf Prozent. Besonders bei den ärmsten 20 Prozent der Haushalte ging der Anteil zurück: Von 48 Prozent im Jahr 2014 auf nun – allerdings immer noch stattliche – 33 Prozent.

Die nächste Erhebung – die Bundesbank führt diese etwa alle drei Jahre aus – dürfte allerdings schon anders ausfallen als die Werte von 2021.

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