Eisenstraße bleibt Standort für Drogenhilfezentrum

 

Eisenstraße bleibt Standort für Drogenhilfezentrum
Nach Anwohner-Protesten bröckelte in der Politik der Rückhalt für das Projekt. Der Rat stimmte trotzdem mehrheitlich dafür.
Von Verena Kensbock

Düsseldorf Trotz Zweifeln mehrerer Fraktionen hat sich die Politik in Düsseldorf mehrheitlich für ein neues Drogenhilfezentrum an der Eisenstraße in Oberbilk ausgesprochen. Der Stadtrat lehnte am Mittwoch mehrere Anträge, die einen alternativen Standort forderten, ab.

So hatten die Ratsfraktionen SPD/Volt und FDP unabhängig voneinander beantragt, den Standort nochmals zu prüfen und ein alternatives Gebäude zu suchen, das nicht in der Nähe von Kitas und Schulen liegt. Die AfD stellte den Antrag, die Pläne gänzlich zu stoppen – die Fraktion war aber von Beginn an gegen den Standort in Bahnhofsnähe. Keiner der Anträge hatte jedoch Erfolg. Es bleibt also dabei: Die Stadt wird in dem Gebäude an der Eisenstraße 49 ein Drogenhilfezentrum für Crack-Abhängige einrichten.

Doch es zeigt sich, dass der Rückhalt für das Projekt bröckelt. Immer lauter werdende Sorgen von Anwohnern und Eltern des benachbarten Lessing-Gymnasiums dürften der Grund dafür sein. Bei einer Infoveranstaltung mit rund 400 Besuchern äußerten die Nachbarn zum Teil lautstark ihren Protest. Kurz vor der Ratssitzung hatten schließlich die Fraktionen von FDP und SPD die Anträge auf Überprüfung des Standorts gestellt. Insbesondere bei den Sozialdemokraten bedeutete das eine Kehrtwende weg von ihren früheren Positionen.

„Es ist immer eine Kita oder Schule in der Nähe. Das müssen wir aushalten in der Großstadt“, hatte Franca Bavaj (SPD) unserer Redaktion kürzlich noch zu der Entscheidung gesagt. Nun hingegen forderte die Fraktion, einen alternativen Standort in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs zu prüfen, der nicht in direkter Nachbarschaft zu einer Kita oder Schule liegt. „Es braucht eine sachliche Abwägung zwischen funktionierender Suchthilfe, öffentlicher Sicherheit, Akzeptanz im Quartier und dem besonderen Schutzbedürfnis von Kindern und Jugendlichen“, hieß es.

Zudem bemängelten die Sozialdemokraten ein fehlendes Konzept. „Drogenhilfe funktioniert nur mit einem klaren Gesamtkonzept, offener Kommunikation und fachlicher Begleitung“, so Franca Bavaj. „Genau das fehlt bislang.“ Bevor über den Standort Eisenstraße entschieden werden solle, müsse das Gesamtkonzept der Einrichtung vorgestellt werden, insbesondere im Zusammenhang mit der geplanten Einführung des Züricher Modells in Düsseldorf.

Die Mehrheit des Stadtrats aber stellte sich hinter die Pläne der Verwaltung, die auch von sozialen Organisationen mitgetragen werden. „Wir haben das erste Mal in Düsseldorf die Situation, dass wir uns über alle Verbände hinweg – Sie wissen, wie schwierig das immer war – gemeinsam hinter einem Ziel versammeln und dieses gemeinsam stemmen wollen“, sagte die zuständige Dezernentin Miriam Koch.
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