DÜSSELDORF
Günstiger Wohnraum wird immer seltener
Der Bestand an Sozialwohnungen ist auf gut 33 000 gesunken. In den nächsten
zehn Jahren fallen weitere 40 Prozent weg dabei steigt die Nachfrage.
Düsseldorf. Wie wirkt sich Hartz IV, die Zusammenführung von Arbeitslosenund
Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II, auf den Wohnungsmarkt in Düsseldorf
aus? Hintergrund dieser Frage von CDUund FDP-Fraktion im Wohnungsausschuss
ist die Tatsache, dass Alg II-Bezieher von der Stadt aufgefordert werden
können, ihre jetztige Unterkunft zu verlassen, wenn die Mietzahlungen
"unangemessen" sind. Laut Sozialdezernent Burkhard Hintzsche sind keine
Auswirkungen erkennbar. Noch, muss man wohl sagen. Denn immerhin gibt es
laut Hinztsche rund 700 Ex-Arbeitslosenhilfe-Bezieher, deren Wohnungskosten
zu hoch sind.
Von diesen sind zehn Prozent also 70 Haushalte aufgefordert worden, sich
preisgünstigeren Wohnraum zu besorgen. Dafür haben sie ein halbes Jahr Zeit.
Und dann? Diese Frage wurde im Fachausschuss gar nicht erst gestellt.
Dabei reicht ein Blick in den gestern veröffentlichten Tätigkeitsbericht des
Wohnungsamtes, um zu erkennen, dass günstige (also öffentlich geförderte)
Wohnungen in der Landeshauptstadt zum raren Gut werden. Es gibt nur noch 33
400 Sozialwohnungen (1995 waren es noch 42 100), und von denen werden in den
nächsten zehn Jahren fast 40 Prozent aus der Sozialbindung fallen das heißt,
sie können frei vermietet werden. Und dieser Verlust kann durch den Neubau
geförderter Wohnungen nicht kompensiert werden. Hinztsche: "Dieser Bereich
ist insgesamt stark rückläufig." Es wird zu wenig gebaut: Im Jahr 2004 waren
es gerade mal 176 Mietwohnungen.
Demgegenüber stehen knapp 4900 registrierte Haushalte, die auf Wohnungssuche
sind. Und die haben ein Problem, weil 90 Prozent von ihnen deutlich unter
den Einkommensgrenzen des sozialen Wohnungsbaus liegen und "dringend auf
preiswerten Wohnraum angewiesen sind", wie es im Tätigkeitsbericht heißt.
Man rechne wegen der Lage auf dem Arbeitsmarkt mit einem weiteren Anstieg
und so werde das Ziel, "einseitige Belegungsstrukturen" (im Klartext:
Gettos) zu verhindern, immer schwieriger zu erreichen sein.
Zumal schon jetzt bei der Verteilung von Sozialwohnungen ein klares
Nord-Süd-Gefälle auszumachen ist: Im Norden gibt es kaum welche, während sie
in Stadtteilen wie Garath und Hellerhof bis zur Hälfte des gesamten
Wohnungsbestandes stellen.
05.04.05
Von Peter Littek
Düsseldorf
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