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Über die Verhältnisse gelebt |
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GELD. Jeder siebte Düsseldorfer ist mittlerweile
überschuldet. Laut Studie auch wegen Konsumrauschs.
Dass der Düsseldorfer gern über seine Verhältnisse lebt, ist ein besonders
in Köln gern gepflegtes Klischee. Es ist allerdings mehr dran, als man in der
Landeshauptstadt wahrhaben möchte, wie der aktuelle Schuldneratlas der Creditreform und der Tüffers
Auskunftei belegen: Jeder siebte erwachsene Düsseldorfer ist mittlerweile
überschuldet, nicht mehr in der Lage, mit seinen Einkünften seine Ausgaben zu
beherrschen, seine Kredite abzubezahlen. 71 000 Menschen sind das, 3000 mehr
als im Jahr 2005.
33 000 fallen in die Kategorie der "harten Negativmerkmale" - dazu
zählen Haftanordnungen zur Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung. Die Zahl
derer, die eine private Verbaucherinsolvenz anmelden,
steigt in diesem Jahr von 579 auf 824. Den Gläubigern in der Wirtschaft werden
dadurch bis zu 45 Millionen Euro entgehen.
"Die Düsseldorfer sind über-überdurchschnittlich verschuldet",
fasst Rainer Bovelet, Projektleiter der Studie,
zusammen. In nur 33 von 439 deutschen Städten und Gemeinden sieht es schlechter
aus.
Da Arbeitslosigkeit immer noch der Hauptfaktor ist, der in die Schuldenfalle
führt, lässt der miserable Rang in der Statistik verknüpft mit einer eher
durchschnittlichen Erwerbslosenquote laut Bovelet
"aus Plausibilitätsgründen" vor allem den Schluss zu: "Die
Neigung, dem Konsumdrang zu stark nachzugeben, ist hier besonders
ausgeprägt." Jedes Jahr würden Angebote im Wert von mehreren hundert
Millionen über Kredite finanziert. Eine "mangelnde finanzielle
Allgemeinbildung" verschärfe die Lage zudem.
Handlungsfaden für Politiker
Bovelet sieht in der Studie
"einen sozialpolitischen Seismographen", der auch als Handlungsfaden
für Kommunalpolitiker taugt, weil er Problemzonen noch deutlicher sichtbar
macht.
Mit Blick auf eine präzise Untersuchung der 49 Stadtteile warnt Bovelet vor regelrechten "Schulden-Ghettos mit einer
sich selbst verstärkenden Wirkungskette". Während in Kalkum
nur 5,89, in Himmelgeist 6,17, in Lörick 6,85 und in
Niederkassel 7,1 Prozent der Bevölkerung überschuldet ist, ist es in Lierenfeld und Oberbilk schon
jeder Vierte, in Flingern-Süd bald gar jeder Dritte.
"Die sozialen Unterschiede treten immer deutlicher hervor",
bilanziert Bovelet. Der sogenannte
"Spreizungswert" zwischen der niedrigsten und der höchsten Zahl sei
gewachsen.
"Man muss die Menschen stärker an die Hand nehmen, sei es mit dem
Ausbau der Schuldnerberatung oder auch gezielter Existenzgründerberatung",
mahnt Creditreform-Geschäftsführer Detlef Frormann. Das Thema Geld gehöre unbedingt in den
Unterricht.
Immerhin: Die Verbraucherzentrale schickt seit knapp einem Jahr im Auftrag
der Stadt eine Mitarbeiterin durch die Schulen.
Bovelet hofft indes, "dass der
Schuldneratlas, den wir zum dritten Mal erstellt haben, irgendwann die gleiche
Aufmerksamkeit erhält wie der Arbeitsmarktbericht, der ja ausführlich
diskutiert wird."
15.11.2006 FRANK PREUSS
nrz
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.266
Datum: Donnerstag, den 16. November 2006
Seite: Nr.15