12.11.2007

Im Schuldner-Atlas auf Platz drei

Viele Düsseldorfer sind pleite

Düsseldorf (RPO) Düsseldorf ist seit kurzem schuldenfrei. Für seine Bewohner gilt dies aber nicht. In einem Ranking der Städte mit über 400.000 Einwohnern liegt die Landeshauptstadt mit einer Schuldnerquote von 14,8 Prozent überraschenderweise auf Platz drei. Das geht aus dem neuen Schuldner-Atlas hervor.

Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland hat demnach auch 2007 weiter zugenommen. Zum Stichtag 1. Oktober 2007 wurde eine Schuldnerquote von 10,9 Prozent (Vorjahr: 10,7 Prozent) ermittelt. Das heißt, rund 7,3 Millionen Deutsche oder mehr als jeder zehnte erwachsene Einwohner gelten als überschuldet. Die Schuldnerquote liegt in den neuen Bundesländern (11,5 Prozent, ohne Berlin) höher als im Westen Deutschlands (10,7 Prozent).

Bei einem Ranking der Städte in Deutschland mit mehr als 400.000 Einwohnern hält Duisburg mit einer Schuldnerquote von 16,8 Prozent (Vorjahr: 16,3 Prozent) den negativen Spitzenplatz. Es folgt Berlin (15,3 Prozent; Vorjahr: 15,2 Prozent) und erstaunlicherweise Düsseldorf auf Platz 3 (14,8 Prozent; Vorjahr: 14,6 Prozent) mit einer deutlich verschlechterten Schuldnerquote.

Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Bundesländer: Bayern am besten

Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen die Bundesländer Bayern (7,8 Prozent; Vorjahr: 7,7 Prozent) und Baden- Württemberg (8,1 Prozent; Vorjahr: 8,1 Prozent) auf. Sachsen landet mit einer Schuldnerquote von 10 Prozent (Vorjahr: 9,8 Prozent) erneut auf dem dritten Platz. Thüringen verbessert sich erstmals auf den vierten Rang. Nordrhein-Westfalen landet mit einer Quote von 12,22 Prozent auf Rang elf. Schlusslichter sind – wie auch schon 2006 – die Länder Bremen (15,5 Prozent; Vorjahr: 15,3 Prozent), Berlin (15,3 Prozent; 15,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt mit einer Überschuldung von 13,7 Prozent (Vorjahr: 13,4 Prozent).

Mehr als jeder zweite Überschuldungsfall lässt sich auf die Ursachen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Scheidung zurückführen. Ein unangemessenes Konsumverhalten sowie eine unwirtschaftliche Haushaltsführung seien bei rund 16 Prozent der Fälle Ursache für eine Überschuldung, hieß es.

Schuldnerhauptstadt Wuppertal

VON DIETER DORMANN


Neuss Die meisten Schuldner in unserer Region leben prozentual in Wuppertal. Dort sind 18,82 Prozent der Menschen verschuldet. Auf Rang2 folgt Duisburg, wo 16,79Prozent in den „Miesen“ stecken. Dies ist eines der Ergebnisse des Schuldner-Atlas Deutschland 2007, den die Neusser Auskunftei „Creditreform“ in diesen Tagen vorgelegt hat. Die Karten des Schuldner-Atlas lassen ein grundsätzliches Ergebnis erkennen: In Großstädten und Ballungsräumen leben relativ mehr verschuldete Menschen als in Kleinstädten und in ländlichen Regionen. Während in Mönchengladbach 16,43 und in Krefeld 16,15 Prozent im Minus stehen, sind es im Kreis Borken nur 10,01 und in den Kreisen Wesel und Kleve lediglich etwas mehr als elf Prozent.


Die Schuldnerberater in der Region, die ebenfalls einen zum Teil dramatischen Anstieg der Verschuldung von Privatpersonen registrieren, sehen für dieses Stadt-Land-Gefälle unterschiedliche Ursachen. Peter Arnold, Leiter der Schulderberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Düsseldorf, nennt drei Aspekte. Erstens gebe es in den Ballungsräumen weit mehr Angebote im Konsumbereich, die zum Geldausgeben verführten. Zweitens seien Scheidungs- und Trennungsraten - eine wesentliche Ursachen für Verschuldung -in den Großstädten höher als in ländlichen Regionen. Drittens funktionierten die sozialen Netze (Hilfe im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis) auf dem Land möglicherweise noch besser als in der Anonymität der Großstädte.


Johannes Hocks von der Schuldnerberatung der Caritas in der ländlichen Kreisstadt Kleve schätzt die Bedeutung der sozialen Netze in dieser Hinsicht weit weniger hoch ein. Für ihn ist das Mietkosten-Gefälle, das zwischen Stadt und Land herrscht, „nicht alleiniger, aber wesentlicher Grund“ für den unterschiedlichen Verschuldungsgrad.


„Hohe Arbeitslosigkeit“ hält Dirk Franke von der Awo-Schuldnerberatung Duisburg für die Hauptursache der Verschuldung von Privatpersonen. Studien hätten dies eindeutig ergeben. Auch der Blick auf die Karten des Schuldner-Atlas zeige klar: In Stadtteilen, wo jeder Zweite ohne Job ist, stecken auch die meisten in der Schuldenfalle.


Dass in den Städten prozentual mehr Menschen Schulden haben, ist für Anne Sahm von der Creditreform keine neue Erkenntnis. „Wir stellen den Unterschied seit den Erhebungen zum ersten Schuldner-Atlas im Jahr 2004 fest.“ Die Differenz werde sogar zunehmend größer. Laut der Creditreform-Untersuchung kann man von einer „Ghettoisierung der Verschuldung“ sprechen. Das bedeutet: Dort, wo viele Schuldner leben, steigt ihre Zahl schneller als anderswo. Zudem sei erwiesen, dass Verschuldung „vererbbar“ sei. „Kinder übernehmen Fehlverhalten wie das Nichtbezahlen von Rechnungen von ihren Eltern“, sagt Anne Sahm.

 

- /DIETER DORMANN


Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.263
Datum: Dienstag, den 13. November 2007
Seite: Nr.3