RP 23.05.02
Amtsgericht: Grundlos und massiv hat ein Ex-Rheinbahner einen 40-jährigen
fiftyfifty-Verkäufer am U-Bahnhof Heine-Allee zusammengeschlagen und
das Jochbein zertrümmert.
Rheinbahn-Sheriff als Schläger angeklagt
Düsseldorf (). "Das sieht ja jetzt so aus, als ob ich ein brutaler
Schläger bin!" Kopfschüttelnd kommentierte ein 26-jähriger
Ex-Mitarbeiter des Rheinbahn-Sicherheitsdienstes den Prozess vor einer
Amtsrichterin, bei dem er auf der Anklagebank saß. Denn grundlos
und massiv soll er laut Anklage vor anderthalb Jahren einen 40-jährigen
fiftyfifty-Verkäufer am U-Bahnhof Heine-Allee zusammengeschlagen,
dem Mann dabei das Jochbein zertrümmert haben.
Vier Zeugen, darunter das Opfer, bestätigten am Mttwoch diese
Anklageversion. Nur der Angeklagte und seine damaligen Security-Kollegen
hatten gar keine oder ganz andere Details in Erinnerung. Einer behauptete
gar, beim Opfer überhaupt kein Blut gesehen zu haben. Ein unbefangener
Rheinbahn-Fahrgast hielt dagegen: "Der ganze Bahnsteig war voll Blut!"
Der Angeklagte versicherte, der angeblich "betrunkene und randalierende
Mann hat mich angegriffen. Ich habe ihn bloß gegen eine Fahrplantafel
gedrückt und festgehalten." An Faustschläge in das Gesicht des
angeblich mit "Hausverbot" belegten Obdachlosen war in der Aussage des
Angeklagten keine Rede.
Andere Fahrgäste, die damals am selben Bahnsteig auf ihre Züge
warteten, konnten da weiterhelfen. Ein 61-jähriger Rentner: "Nach
einem kurzen Gespräch schlug der Security-Mitarbeiter plötzlich
mit der Faust auf den Mann ein. Mir war das unerklärlich. Der Mann
hat stark geblutet." Der Schwiegersohn dieses Zeugen hatte den Angeklagten
von weiteren Faustschlägen gegen das Opfer abgehalten: "Ohne erkennbaren
Anlass hat der Angeklagte immer wieder auf den Mann eingeschlagen."
Mit Blick auf ein damaliges Foto des Opfers bemerkte auch die Richterin:
"Offenbar hat der Mann schon mächtig Prügel bekommen!" Doch ein
Urteil über den Angeklagten fällte sie am Mittwoch nicht. Vorher
soll noch dessen damaliger Streifenkollege vom Sicherheitsdienst als Zeuge
vernommen werden: Er befindet sich zurzeit in einer Suchtklinik zur Drogendauerentgiftung.
Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
Von WULF KANNEGIESSER