Express 23.5.02
Rheinbahn-Sheriff vor Gericht - Statt Fahrgast zu beschützen verprügelte er ihn
Düsseldorf – Mehr Sicherheitsgefühl in den U-Bahn-Schächten, dafür sollten die Uniformierten der Rheinbahn sorgen. Doch statt dessen wirken die Streifen des Sicherheitsdienstes oft eher bedrohlich. Und sind es offenbar manchmal auch. So warfen sich couragierte Fahrgäste dazwischen, als ein Wachmann ohne erkennbaren Grund den fiftyfifty-Verkäufer Michael K. (40) verprügelte. Rentner Peter R. (61), am Mittwoch als Zeuge im Gericht: „Das war mir unbegreiflich. Der ganze Bahnsteig war voller Blut.“ Die Erklärung vom Angeklagten Amir V. (26): „Der hatte Hausverbot, weil er ständig Gäste belästigte. Als ich ihn an der Heinrich-Heine-Allee an sein Hausverbot erinnerte, fing er an zu schimpfen. Ich wollte ihn nur am Arm aus dem Bahnhof ziehen.“ Dabei allerdings brach sich Michael K. das Jochbein, zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

RP 23.05.02
Amtsgericht: Grundlos und massiv hat ein Ex-Rheinbahner einen 40-jährigen fiftyfifty-Verkäufer am U-Bahnhof Heine-Allee zusammengeschlagen und das Jochbein zertrümmert.
Rheinbahn-Sheriff als Schläger angeklagt
Düsseldorf (). "Das sieht ja jetzt so aus, als ob ich ein brutaler Schläger bin!" Kopfschüttelnd kommentierte ein 26-jähriger Ex-Mitarbeiter des Rheinbahn-Sicherheitsdienstes den Prozess vor einer Amtsrichterin, bei dem er auf der Anklagebank saß. Denn grundlos und massiv soll er laut Anklage vor anderthalb Jahren einen 40-jährigen fiftyfifty-Verkäufer am U-Bahnhof Heine-Allee zusammengeschlagen, dem Mann dabei das Jochbein zertrümmert haben.
Vier Zeugen, darunter das Opfer, bestätigten am Mttwoch diese Anklageversion. Nur der Angeklagte und seine damaligen Security-Kollegen hatten gar keine oder ganz andere Details in Erinnerung. Einer behauptete gar, beim Opfer überhaupt kein Blut gesehen zu haben. Ein unbefangener Rheinbahn-Fahrgast hielt dagegen: "Der ganze Bahnsteig war voll Blut!"
Der Angeklagte versicherte, der angeblich "betrunkene und randalierende Mann hat mich angegriffen. Ich habe ihn bloß gegen eine Fahrplantafel gedrückt und festgehalten." An Faustschläge in das Gesicht des angeblich mit "Hausverbot" belegten Obdachlosen war in der Aussage des Angeklagten keine Rede.
Andere Fahrgäste, die damals am selben Bahnsteig auf ihre Züge warteten, konnten da weiterhelfen. Ein 61-jähriger Rentner: "Nach einem kurzen Gespräch schlug der Security-Mitarbeiter plötzlich mit der Faust auf den Mann ein. Mir war das unerklärlich. Der Mann hat stark geblutet." Der Schwiegersohn dieses Zeugen hatte den Angeklagten von weiteren Faustschlägen gegen das Opfer abgehalten: "Ohne erkennbaren Anlass hat der Angeklagte immer wieder auf den Mann eingeschlagen."
Mit Blick auf ein damaliges Foto des Opfers bemerkte auch die Richterin: "Offenbar hat der Mann schon mächtig Prügel bekommen!" Doch ein Urteil über den Angeklagten fällte sie am Mittwoch nicht. Vorher soll noch dessen damaliger Streifenkollege vom Sicherheitsdienst als Zeuge vernommen werden: Er befindet sich zurzeit in einer Suchtklinik zur Drogendauerentgiftung.
Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
Von WULF KANNEGIESSER