Konzerne scheffeln Profit und streichen Jobs

Umfrage bei Dax-Unternehmen zeigt Stellenabbau im Inland/ Gewinne legen zweistellig zu

Die deutschen Konzerne verdienen wie noch nie und schaffen auch Arbeitsplätze - allerdings nur im Ausland. In Deutschland geht der Stellenabbau dagegen unvermindert weiter.

VON ROLAND BUNZENTHAL

Erwerbstätige I (FR-Infografik)

+Erwerbstätige I (FR-Infografik)

Frankfurt a.M. · 2. März · In der Bilanzsaison ist Halbzeit - die Hälfte der 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen hat mittlerweile ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2004 vorgelegt. Die Tendenz ist eindeutig: Die Gewinne steigen meist zweistellig. Dennoch sehen die strategischen Pläne der Konzernzentralen einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen im Inland vor. Bestes Beispiel sind die Geldinstitute, die durch die Bank Einschnitte beim Personal ankündigen.

Die FR hat die Bilanzen von 15 Dax-Unternehmen untersucht. Zusammen beschäftigen diese Konzerne weltweit drei Millionen Männer und Frauen - knapp die Hälfte davon in Deutschland. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer ist 2004 unter dem Strich nahezu konstant geblieben. Acht Konzerne stockten auf, am stärksten Daimler um 22 000 Leute, sieben bauten ab.

Erwerbstätige II (FR-Infografik)

+Erwerbstätige II (FR-Infografik)

In der Bundesrepublik zählten dagegen nur drei der 15 Unternehmen am Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres mehr Beschäftigte als am Anfang: Daimler, BMW und Metro. Allerdings stehen die 300 zusätzlichen Kräfte der Handelskette in keinem Verhältnis zu den fast 10 000 neuen Jobs vor allem in Osteuropa und Asien. Per Saldo reduzierten die 15 Konzerne ihre hiesigen Belegschaften um rund 25 000 Männer und Frauen.

Zusammengerechnet verbuchten die 15 Unternehmen einen Nettogewinn von rund 20 Milliarden Euro, das ist ein Drittel mehr als noch 2003. Damals wiesen allerdings Commerzbank und Bayer noch dicke Verluste auf. Beide haben sich inzwischen in die Gewinnzone katapultiert. Vorne liegt Siemens mit 3,4 Milliarden Überschuss im vergangenen Geschäftsjahr (30. September). Offenbar keine Eintagsfliege: Im abgelaufenen ersten Quartal 2004/2005 kletterte der Siemens-Gewinn nach Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf 726 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz stehen im Inland 6000 Leute weniger auf den Entgeltlisten.

Die größten Arbeitgeber

1. Siemens 430.000
2. Daimler 384.000
3. Deutsche Post 380.000
4. VW 342.000
5. Metro 251.000
6. Telekom 248.000
7. BMW 206.000
8. Thyssen 184.000
9. BASF*
10. Bayer 113.000

*aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor (Beschäftigte weltweit)

Hohe Profitsteigerungen weisen unter anderem die Deutsche Bank (plus 87 Prozent), Daimler (Gewinn verfünffacht) und MAN (plus 68 Prozent) auf. Als Ausnahme vom Trend sank der Ertrag bei VW. Als einziges untersuchtes Dax-Unternehmen schrieb die Hypo-Vereinsbank rote Zahlen. Die Münchner wollen deshalb weitere 2400 Stellen abbauen.

Die Elektronikmarktketten Media-Saturn haben 2004 die meisten Jobs in Deutschland geschaffen. Die Wirtschaftswoche berichtete unter Berufung auf eine Job-Umfrage bei den 2500 größten Unternehmen in Deutschland, mit 2585 neuen Stellen belege die Tochter des Handelskonzerns Metro erstmals Platz eins. Darauf folge Bosch mit 2000 neuen Jobs und dann der langjährige Spitzenreiter BMW mit 1436. Hinter dem Spitzentrio folgten im vergangenen Jahr auf Rang 4 Ikea mit einem Plus von 1198 Stellen und die Lufthansa mit 1152 neuen Jobs. Auch die Zeitarbeitsfirmen haben der Umfrage zufolge kräftig zugelegt. Mit Manpower (Rang sechs mit 1050 neuen Stellen), Randstad (plus 1000), DIS (plus 884) und der Job AG (plus 673) sind vier Arbeitskräfteverleiher unter den Top zwölf.


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Dokument erstellt am 02.03.2005 um 17:22:02 Uhr
Erscheinungsdatum 03.03.2005