Pressemitteilung & Presseeinladung

 

 

Düsseldorf, den 6.2.2007

 

 

Vertreibungen armer Menschen aus der Düsseldorfer Innen- und Altstadt durch den OSD nehmen zu.

Protestaktion von Wohnungslosen und fiftyfifty-Verkäufern

 

 

 

„Wir werden verjagt, weil wir arm sind.“ Unter diesem Motto protestieren am Donnerstag, den 8.2.2007 um 15.30 Uhr am Rathausvorplatz (Marktplatz) fiftyfifty-Verkäufer, andere Wohnungslose, Hartz-IV Empfänger, Bruder Matthäus Werner, Pater Wolfgang Sieffert zusammen mit Unterstützern in einem öffentlichen Lagern gegen die Vertreibung durch den Ordnungs- und Service-Dienste (OSD).

 

In den letzten Wochen haben die Zahlen, der durch den OSD verhängten Platzverweise gegen Menschen, die in materieller Armut leben, einen neuen Höhepunkt erreicht. Obdachlose, die alleine unter dem Dach einer Haltestelle stehen und ein Bier trinken, werden mit 35€ Bußgeld belegt. Arme Menschen, die bei schlechtem Wetter Schutz unter dem Vordach am Rathausplatz suchen, bekommen Platzverweise und Bußgeldbescheide wegen Lagerns. Wohnungslose werden bei Regen von Vordach zu Vordach gescheucht. 

 

Die Betroffenen der Platzverweise und Bußgeldbescheide haben über einen Anwalt Akteneinsicht beantragt.

 

 

 

fiftyfifty und Altstadt-Armenküche setzen sich seit Jahren für die Streichung des § 6 der Düsseldorfer Straßenordnung ein, der die Grundlage für derartige Maßnahmen des OSD bildet. Die Basis unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und unsere Überzeugung ist, dass die Straße allen gehört.

 

 

 

 

    

            Altstadt-Armenküche,

                                   Straßenmagazin fiftyfifty &               

Betroffene

 

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

 

Oliver Ongaro, fiftyfifty-streetwork, Tel.: 0171/5358494

Hubert Ostendorf, fiftyfifty, Tel.: 2294060

Marion Gather, Altstadt Armenküche, Tel.: 3237662

Anwaltskanzlei, RA Felkl, Rottmann, Wollenberg, Tel.: 1768910

 

 

 

 

 

Wildes Lagern aus Protest

 

SOZIALES. Obdachlosenhelfer werfen dem Ordnungsdienst rigides Durchgreifen vor. Aktion vor dem Rathaus geplant.

Marion Gather von der Armenküche hört die Klagen jeden Tag: "Immer mehr Menschen, die ohnehin kaum Geld haben, bekommen ein Ordnungsgeld von 35 Euro, weil sie in einem Haltestellen-Häuschen der Innenstadt mit einer Bierdose sitzen." Auch Hubert Ostendorf von der Straßenzeitung "fiftyfifty" sagt: "Die Kontrollen durch den Ordnungsdienst sind sehr heftig geworden." Menschen, die auf der Straße leben, würden immer häufiger von öffentlichen Plätzen durch den Ordnungs- und Servicedienst (OSD) vertrieben. Heute, um 15.30 Uhr, wollen daher Bruder Matthäus von der Obdachlosenhilfe, Pater Wolfgang Sieffert von der Armenküche sowie "fiftyfifty"-Verkäufer vor dem Rathaus "lagern" und damit gegen die "Vertreibung armer Menschen aus der Innenstadt" demonstrieren.

Gather und Ostendorf schildern übereinstimmend eine Szene: Vier Männer, die unter den Arkaden neben dem Rathaus saßen, wurden vom OSD aufgefordert, zur Grünfläche hinter dem Karnevalsmuseum zu verschwinden. Dort kam die nächste Kontrolle - und alle bekamen ein Ordnungsgeld von 35 Euro aufgebrummt, wegen unerlaubten Lagerns.

Bier an der Haltestelle:

35 Euro Bußgeld

Streetworker Oliver Ongaro ergänzt: Ein Mann habe mit einer Bierdose an einer Haltestelle gesessen und sollte 35 Euro zahlen, obwohl er eine Fahrkarte hatte. Neun Anhörungsbögen vom Ordnungsamt wegen solcher Bußgelder lägen ihm vor. In denen sei sogar die Biermarke vermerkt. "Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Denn was ist mit Fußball-Fans, die mit ihrem Bier auf die Bahn warten?" "Die Leute sind völlig verunsichert, sie gehen schon weg, wenn sie den OSD nur sehen", berichtet Gather.

Die geschilderten Fälle seien ihm nicht bekannt, und verstärkte Einsätze rund ums Rathaus gebe es nicht, sagt dagegen Michael Zimmermann, kommissarischer Chef im Ordnungsamt. "Einer oder Zwei, die friedlich ihr Bier trinken, sind kein Grund für einen Einsatz, das ist auch nicht Praxis des OSD."

Grundlage der Kontrollen ist die umstrittene Straßensatzung, nach deren Paragraph 6 "Lagern" und "Störungen in Verbindung mit Alkoholgenuss" verboten sind. Kirchliche und soziale Gruppen halten diesen Paragraphen für rechtswidrig. "In den etwa acht Fällen, in denen Widersprüche gegen diese Ordnungsgelder vor Gericht landen sollten, zog die Stadt ihre Knöllchen zurück," sagt Ostendorf - dann würde wohl auch die Straßensatzung juristisch in Zweifel gezogen, mutmaßt er.

 

07.02.2007        JO ACHIM GESCHKE nrz

 

 

Obdachlose fühlen sich vom OSD „gejagt“

 

(gök) „Wir werden verjagt, weil wir arm sind“: Das behaupten

Wohnungslose, fifty-fifty-Verkäufer und „ihre“ Sozialarbeiter. Gestern

demonstrierten sie gegen den Ordnungsdienst (OSD) und Teile der

Düsseldorfer Straßensatzung vor dem Rathaus.

 

„Seit einiger Zeit häufen sich die Knöllchen gegen die Szene“, sagt

Thomas Wagner von der Altstadt-Einrichtung „axept“. „Es gibt immer mehr

Platzverweise und Bußgeldbescheide wegen Lagerns.“ Wohnungslose würden

bei Regen von Vordach zu Vordach gescheucht; Wagner spricht von

„Junkie-Jogging“. Pater Wolfgang von der Armenküche und Oliver Ongaro

von fifty-fifty sehen eine Ungleichbehandlung: „Wenn Fußballfans nach

dem Spiel auf den Zug warten und dabei ein Bier trinken, ist das eben

Party“, sagt Ongaro. „Ein Obdachloser, der allein an einem Halt auf den

Bus gewartet hat und dabei Bier trank, bekam ein Bußgeld über 35 Euro.“

Acht solcher Bescheide lägen den Altstadt-Streetworkern allein aus den

vergangenen Wochen vor.

 

Das sei durchaus in Ordnung, so Klaus Zimmermann vom Ordnungsamt. „Der

Einsatz des OSD zeigt Wirkung.“ Es könne sein, dass sich die Knöllchen

häuften, weil der OSD mehr Personal habe und „weil die Bürger den Dienst

immer öfter anfordern“. Alkohol an Haltestellen zu trinken sei laut

Straßensatzung eine Ordnungswidrigkeit und werde auch so geahndet -

besonders bei größeren Gruppen. „Dass wir bei Tausenden von Fußballfans

nicht alle verwarnen können, liegt auf der Hand“, so Zimmermann. Eine

Diskriminierung bestimmter Gruppen gebe es aber nicht.

 

Demonstration vorm Rathaus gegen OSD und Straßensatzung

 

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Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.34

Datum: Freitag, den 09. Februar 2007

Seite: Nr.18