WZ 21.6.03
Kein Pardon für Dreckspatzen und Hundehalter
Ein Obdachloser verklagt den Ordnungs- und Servicedienst der Stadt.

Die OSD-Mitarbeiter fürchten noch mehr Ärger ab August. Dann gilt die neue Straßenordnung.Düsseldorf. Die Mitarbeiter des städtischen Ordnungs- und Servicedienstes wachen über die Einhaltung von Satzungen und Gesetzen. Jetzt sollen die städtischen "Hilfspolizisten" selbst auf die Anklagebank. Gegen einen OSD-Mitarbeiter hat der Rechtsanwalt Rainer Felkl Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. Der Mandant des Anwaltes, ein obdachloser Alkoholiker, soll von einem OSD-Mitarbeiter grundlos mit Handschellen gefesselt und zur Altstadtwache der Polizei gebracht worden sein. Dabei soll der Obdachlose an den Handgelenken verletzt worden sein. Es gibt ein ärztliches Attest. "Die saßen zu Viert auf der Steinbank am Rathaus. Angeblich hat jemand beim OSD angerufen und gemeldet, dass dort Frauen angepöbelt und Flaschen zerschlagen würden", berichtet Marion Gather von der Altstadt-Armenküche. Beim OSD äußert man sich zu diesem Vorfall nicht, "ein schwebendes Verfahren", begründet OSD-Leiter Holger Körber. Nach WZ-Informationen soll der Obdachlose allerdings einem Platzverweis nicht nachgekommen sein. "Die Gangart wird härter, die Obdachlosen werden hier alle 30 Minuten vertrieben", beklagt Gather.Das ist allerdings auch eine Aufgabe des OSD, er kontrolliert die Einhaltung der Düsseldorfer Straßenordnung. Immer wieder kommt es dabei zu Konflikten mit Gruppen von Drogensüchtigen oder Alkoholabhängigen. "Unsere Mitarbeiter sind darauf vorbereitet und geschult", sagt Holger Körber.In Zukunft dürfte der Sensibilität der Mitarbeiter noch mehr Bedeutung zukommen. Ab Mitte August werden die OSD-Kontrolleure Bußund Verwarnungsgelder für das Wegwerfen von Zigarettenkippen, Kaugummis und Abfall aussprechen. Doch was tun, wenn sich jemand weigert, die fälligen zehn Euro für eine weggeworfene Zigarette zu bezahlen? Im schlimmsten Fall wird die Polizei dazugerufen, um die Personalien festzustellen. Dann würden noch einmal 125 Euro Bußgeld wegen der Verweigerung fällig. Ein Insider: "Da hat sich die Politik nicht genügend Gedanken gemacht. Wir dürfen es ausbaden." "Es kommt darauf an, wie man die Leute anspricht", glaubt Holger Körber nicht an gehäufte Konflikte. Seine Mitarbeiter kennen die nötigen Tricks: "Man sollte zum Beispiel nie einen Mann in Gegenwart seiner Frau runterputzen." Echte Nachsicht ist vom OSD aber nicht zu erwarten. "Wir fragen dann die Leute, wie toll sie es fänden, wenn jemand Müll in ihren Gärten werden würde", erklärt Körber. Auch Hundehalter werden sich nicht herausreden können, wenn ihr Vierbeiner seine Notdurft auf der Straße verrichtet. "Da kennen wir kein Pardon", kündigt Körber an. Von Marc Herriger