Von DODO SIMON und NATHALIE DIRIM
Volle Terrassen im Sommer wie hier auf der Bolkerstraße: Um Mitternacht ist Schluss mit gemütlich.
Foto: Zik
Düsseldorf – Viele Wirte der Altstadt schäumen derzeit stärker als ihr Obergäriges in den Gläsern. Schuld daran ist das
(über)korrekte Vorgehen des Ordnungsamtes.
Dessen Mitarbeiter stehen nämlich bei schönem Wetter um Mitternacht vor den Terrassen der Gastronomen und verfügen die
sofortige Schließung. Die Wirte sind sich einig: „Uns reicht’s jetzt!“
Es ist jeden Abend dasselbe schöne Bild: Bei angenehmen Temperaturen vergnügen sich Tausende von Altstadtbesuchern auf den
Terrassen der Kneipen und Restaurants.
Aber nur bis spätestens 24 Uhr. Dann nämlich geht das große Gezeter los. „Die Gäste reagieren meistens mit völligem
Unverständnis, wenn die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Terrassen räumen“, sagt Großgastronom Primo Lopez, der rund zehn
Objekte an der längsten Theke der Welt betreibt.
Lopez: „Wenn die Kanäle stinken oder permanent wilde Rosenverkäufer unsere Gäste belästigen, dann kümmert sich niemand
darum. Aber wehe, um 0.01 Uhr sitzen noch Menschen auf der Terrasse. Dabei ist das schöne Wetter für uns ein Gottesgeschenk
und lebensnotwendig, um die Einbußen, die wir seit Jahren haben, wieder ansatzweise hereinzuholen.“ Lopez ist kein
Einzelfall. Immer mehr Gastro-Kollegen reißt die Hutschnur.
Zum Beispiel Lutz Lohmann vom Weiß-Blauen-Haus am Burgplatz: „Das ist einfach furchtbar! Das Schlimme ist, dass die
Terrasse so viel Geld kostet, dass man sie kaum noch bezahlen kann. Und weil es so oft geregnet hat, konnten wir sie bisher
kaum nutzen“, klagt er und fordert, dass den Wirten wenigstens die wenigen schönen Nächte vom Ordnungsamt gelassen werden
sollten.
„Unseren überstudierten Stadtvätern geht’s zu gut. Die denken nicht an uns Wirte und die vielen Gäste, die die Stadt mit
Leben füllen. Eine Schande ist das!“
Vor allem im Interesse der Düsseldorfer Bürger kann „Dä Spiegel“-Wirt Peter Klinkhammer das Vorgehen des Ordnungsamtes
nicht verstehen. „Sonst war es so, dass wir bis Mitternacht bewirten und die Gäste in Ruhe austrinken durften. Aber diese
Woche haben die Beamten einen irren Wirbel gemacht und kleinlich Anzeigen geschrieben“, sagt er.
„Das ist eine Schikane für die Gäste aus dem In- und Ausland. Zusätzlich wird noch uns Wirten auf die Füße getreten. Wenn
es Beschwerden gibt, weil es zum Beispiel zu laut ist, kann ich das verstehen. Aber nicht, wenn die Bürger friedlich da
sitzen. Das ist ja keine Straftat.“
Beschwerden soll es aber gegeben haben, sagt Wolfgang Tolkmit, Leiter des Ordnungsamtes: „Die waren Auslöser für das
verstärkte Auftreten unserer Mitarbeiter.“
So sollen sich zum Beispiel Anwohner des Alten Hafens über zu lautes Treiben auf der Rheinuferpromenade beklagt haben.
„Zudem“, so Tolkmit, „ist auch irgendwo mal eine Grenze. Gesetzlich ist Außengastronomie im Land bis 22 Uhr erlaubt. Im
gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet – durch einen Sonderbeschluss – bis 23 Uhr. Durch Ausnahmegenehmigung in der Altstadt bis
24 Uhr, wenn es keine Beschwerden gibt.“
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