2,6 Millionen
Menschen in NRW gelten als arm
Düsseldorf (hüw) Erschreckende Zahlen im neuen
NRW-Sozialbericht: 2,6 Millionen Menschen an Rhein und Ruhr
gelten als arm
- unter ihnen allein 815000 Kinder und
Jugendliche.
Wie NRW-Sozialminister Laumann (CDU) betonte,
steigt das
Risiko, arm zu werden oder zu sein bei
Arbeitslosigkeit, bei vielen Kindern, bei mangelnder
Qualifikation
sowie bei Scheidungen, bei Zugewanderten und bei
fehlenden Schul-
und Berufsabschlüssen.
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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.108
Datum: Donnerstag, den 10. Mai 2007
Seite: Nr.1
Wer ist arm?
VON DETLEV HÜWEL
Armut ist
relativ. In Afrika werden viele Menschen nicht satt,
unterernährte
Kinder sterben in den Armen ihrer verzweifelten
Mütter.
Dagegen werden bei uns die Bedürftigen, so sie sich
helfen lassen
wollen, von einem engen Hilfsnetz aufgefangen. Das
gehört zu den
vorbildlichen Leistungen unseres allerdings recht
kostspieligen
Sozialstaats.
Wenn allein in
NRW 2,6 Millionen Kinder, Jugendliche und
Erwachsene als
arm gelten, dann muss man wissen, dass sich die
Armut
hierzulande am Durchschnittseinkommen bemisst: Wer 50
Prozent
darunter bleibt, zählt zu den Armen. Das bedeutet: Egal,
welche Höhe
das Durchschnittseinkommen erklimmt - es wird nach
dieser
Definition immer "Armut" geben, allerdings auf hohem
Niveau.
Natürlich kann
kein Zweifel daran bestehen, dass in vielen
Familien jeder
Cent umgedreht werden muss. Gerade
Alleinerziehende stehen mitunter vor immensen finanziellen
Problemen.
Deswegen ist es richtig, dass endlich das
Betreuungsangebot für Kleinkinder massiv ausgebaut werden soll.
Der Finanzierungsstreit
zwischen Bund und Ländern ist allerdings
unwürdig. NRW
sollte, wenn Berlin kneift, den Ehrgeiz haben,
sich auch hier
bundesweit als Nummer eins hervorzutun.
- /DETLEV
HÜWEL
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.108
Datum: Donnerstag, den 10. Mai 2007
Seite: Nr.2
Reiche Haushalte
An Rhein und
Ruhr gibt es 3192 Einkommens-Millionäre (Stand
2001). Wie
Minister Laumann gestern weiter darlegte, hat sich
das Vermögen
der reichen Haushalte in NRW weiter erhöht, während
es bei den
anderen gesunken sei. Von einer Vermögensteuer will
der
CDU-Politiker aber nichts wissen: "Die Messe ist gesungen."
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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.108
Datum: Donnerstag, den 10. Mai 2007
Seite: Nr.4
Die Armut in NRW
nimmt zu
Bei der Vorlage
des neuen Sozialberichts spricht Minister Karl-Josef
Laumann (CDU) von
einer "Teufelsspirale". Überaus besorgniserregend
ist die Situation
unter den Türkischstämmigen: 25 Prozent
derjenigen, die
arbeiten könnten, sind erwerbslos.
VON DETLEV HÜWEL
Düsseldorf
Immer mehr Menschen wachsen die Schulden über den
Kopf. Wie aus
dem neuen NRW-Sozialbericht hervorgeht, gelten
landesweit
720000 Personen als überschuldet (Stand 2005) - das
sind 6,5
Prozent mehr als im Jahr zuvor. Diese Entwicklung führt
Sozialminister
Karl-Josef Laumann (CDU) auch auf die verkürzte
Zahlung des
Arbeitslosengeldes zurück: "Da wird der Betroffene
jetzt rascher
nach Hartz IV durchgereicht."
Nicht tatenlos
hinnehmen will der Minister die Tatsache, dass
Kinder noch
immer ein Armutsrisiko sind. Das Einkommen von
Personen in
Familien liege 18 Prozent unter dem
durchschnittlichen Einkommen; bei Alleinerziehenden betrage der
Abstand sogar
36 Prozent. Deshalb setze die Landesregierung
alles daran,
die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei
bis 2010 auf
20 Prozent aufzustocken, sagte Laumann bei der
Vorstellung
des Sozialberichts.
Als
einkommensarm gelten in NRW fast 2,6 Millionen Menschen -
815000 Kinder
und Jugendliche sowie 1,75 Millionen Erwachsene.
Das entspricht
14,3 Prozent der Bevölkerung. 2000 waren es 13,7
Prozent. Der
Berechnung liegt das Durchschnittseinkommen in NRW
zugrunde, das
2005 bei 1229 Euro lag. Einkommensarm ist demnach,
wer weniger
als die Hälfte (615 Euro) bekommt. Besonders prekär
ist die Lage
bei den Zugewanderten. Etwa ein Drittel (1,3
Millionen) der
über vier Millionen Menschen lebt in
einkommensschwachen Haushalten; bei den Türkischstämmigen sind
es sogar 44
Prozent. Mehr als 25 Prozent der Türken, die
arbeiten
könnten, sind erwerbslos.
Sprache und
Bildung sind laut Laumann der Schlüssel für einen
Stopp der
"Teufelsspirale" in die Armut. Der Minister kündigte
an, in Kürze
Vorschläge für Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand
vorzulegen.
Außerdem plädiert er für weitere branchenbezogene
Tarifvereinbarungen für den unteren Lohnbereich nach dem Vorbild
des
Gaststättengewerbes in NRW.
Die Verbände
der Freien Wohlfahrtspflege wiesen gestern darauf
hin, dass
viele Kinder aus einkommensschwachen Familien nur
deshalb nicht
die Ganztagsschule besuchen, weil die Eltern die
Kosten von
2,50 Euro für das tägliche Mittagessen nicht
aufbringen
könnten. Für deren Kinder solle das Essen nach
Möglichkeit
kostenfrei sein. Die NRW-Regierung wird zudem
aufgefordert,
Lernmittelfreiheit zu schaffen. Frank Johannes
Hensel, Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Armut und
Sozialberichterstattung" der Freien Wohlfahrtspflege NRW,
betonte, der
Regelsatz des Staates habe sich weit von der
Lebenswirklichkeit in Deutschland entfernt. Schulkindern werde
für
Schreibwaren und Zeichenmaterial nur 1,33 Euro im Monat
zugewiesen.
Als vorbildlich werten die Verbände das Angebot
einiger
Kommunen, einkommensschwachen Familien Nachlässe für
Schwimmbad,
Museum, Zoo oder ÖPNV zu geben. Dazu gehören
Düsseldorf,
Kleve Leichlingen, Moers, Wermelskirchen und Wesel.
Auch die
anderen Kommunen sollten mitmachen, um benachteiligten
Gruppen
Teilhabe zu ermöglichen.
- /DETLEV
HÜWEL
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Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
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Datum: Donnerstag, den 10. Mai 2007
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