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DÜSSELDORF
Von Mietern, Maklern und Moneten Früher war der Mieter ein Bittsteller. Heute bezahlt der
Vermieter oft schon die Makler-Courtage und erlässt dem Mieter die Kaution:
eine Trendwende.
Da wechselt auch schon mal das eine oder andere Scheinchen den Besitzer.
Hauptsache, man kriegt die Bude. Jagdszenen im Wohnzimmer. Vor zehn, 15
Jahren noch war so etwas an der Tagesordnung und heute? Heute ist der Mieter
am Drücker, offenbar hat es einen grundlegenden Wandel gegeben. Thomas Bremke, der seit über zehn Jahren
besonders Altbauten im City-Bereich vermittelt, sagt es so: "Wenn ich
schon 20 Interessenten durch eine Wohnung geführt habe ohne Erfolg, sage ich
dem Vermieter, so geht`s nicht weiter. Dann muss er
eben die Courtage zahlen." Und das tun die Eigentümer in letzter Zeit zunehmend. Seit September
versucht Bremke, eine gut geschnittene
Vier-Zimmer-Wohnung, 114 Quadratmeter groß und mit Balkon, in der Nähe des
Fürstenplatzes an den Mann respektive die Frau zu bringen. Bisher ohne Erfolg
obwohl der Vermieter bereit ist, die Makler-Courtage zu übernehmen. Vielleicht liegt`s am Preis, 915 Euro kalt sind
kein Pappenstiel. "Die Wohnung ist ihren Preis wert", sagt Bremke. Er sagt aber auch: "Vor zwei, drei Jahren
hätte ich die sofort losgekriegt, vor zehn Jahren hätte es eine
Massenbesichtigung gegeben. Aber der Markt hat sich entspannt." Er sagt für Düsseldorf Tendenzen wie in Leipzig voraus. Dort unterhielt er
früher eine Zweigstelle: "In Leipzig bezahlt generell der Vermieter die
Maklerprovision, das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage." In
Düsseldorf stehe die Entwicklung bevor: "Es steht auf der Kippe." So sieht das auch Bernhard Hoffmann, Sprecher des Immobilienverbandes
Deutschland (IVD) West. "Der Trend ist da. Immer mehr Vermieter
übernehmen die Courtage, das liegt am relativ entspannten Markt." Jörg Schnorrenberger, Vorsitzender der Düsseldorfer
Immobilienbörse (ein Zusammenschluss von über zehn Büros mit 150
Beschäftigten): "Ich habe in Unterbach gerade zig Leute durch eine
Wohnung geschickt. Das Interesse an einer Anmietung ist spürbar größer
geworden, nachdem wir sie courtagefrei anbieten konnten." Courtagefrei - das heißt, der Vermieter bezahlt den Makler. "Das ist
ja auch besser, als wenn eine Wohnung zwei Monate lang leer steht", sagt
Schnorrenberger. Zumal es bei der Vermietung von
Hochhaus-Wohnungen in Randlagen gang und gäbe sei, dass er sein Honorar vom
Eigentümer bekomme: "Oft zieht da eine Klientel ein, die überhaupt keine
Courtage zahlen könnte." Vielfach schlage er auch vor, die Kosten für den Makler aufzuteilen: So
machen Mieter und Vermieter fifty-fifty, das sei nur gerecht. Schnorrenberger: "Einige Wohnungs-Interessenten
sagen aber auch ganz klar, dass sie nicht gewillt seien, Provision zu
zahlen." Der Markt für Makler war auch mal einfacher. . . Daran stört sich Eckehard G. Breuch,
Geschäftsführer des Mietervereins, verständlicherweise gar nicht.
"Ich kenne einige wenige Fälle, in denen der Vermieter bezahlt. Uns wär`s recht, wenn das die Regel wäre." Denn sonst,
macht Breuch die Rechnung auf, "sind bei einer
Wohnung für 500 Euro Miete 2500 Euro für drei Monatsmieten Kaution und zwei
Monatsmieten Provision fällig, ehe der Mieter überhaupt den Schlüssel in der
Hand hat". Auch Ingo Apel vom Verband der Haus-, Wohnungsund
Grundeigentümer (Haus und Grund) bestätigt, dass manche Vermieter die
Courtage selbst übernehmen, um "gute Mieter statt fauler
Früchtchen" in die Wohnung zu bekommen. Vor einem anderen Trend aber
warnt Apel: "Es gibt immer mehr Eigentümer, die sogar auf die Kaution
verzichten, um ihre Wohnung zu vermieten. Das sollte man nicht tun, die Kaution soll ja mögliche Schäden
abdecken." Lieber, schlägt Ingo Apel vor, könne man dem Mieter eine
Monatsmiete erlassen. Klingt ja fast wie Mieters Schlaraffenland. Apel:
"Die goldenen Zeiten für Vermieter sind vorbei. Irgendwelche Hucken
kriegt man kaum noch los." Die Eigentümer müssten in ihren Bestand investieren.
Und daran hapert es noch oft genug. Makler Thomas Bremke
weiß, dass "08/15-Wohnungen aus den 50er Jahren mit Teppichboden,
niedrigen Decken und Raufaser-Tapeten nicht zu vermieten sind, egal zu
welchem Preis." 19.12.05 |
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