VON GÖKÇEN STENZEL
Es ist noch nicht lange her, da gab es Kinderarmut in Düsseldorf offiziell gar
nicht. 2006 war das. Es gab Kinder aus finanziell schwachen Familien - aber
arme? Inzwischen haben sich Wahrnehmung und Wortwahl in der reichen
Landeshauptstadt bei allen Parteien und Verbänden geändert; es gilt als
anerkannt, dass nahezu jedes fünftes Düsseldorfer Kind an der Armutsgrenze
lebt.
Inzwischen scheuen sich auch Restaurants, Hotels und Firmen nicht mehr, ihre
Spende ausdrücklich für arme Kinder zu geben, die eigens gegründete Kindertafel
im Düsseldorfer Süden hat sich etabliert. Hervorgegangen ist sie aus einer
Kinderbetreuung in Wersten: Dort sollten eigentlich Hausaufgaben erledigt
werden. Stattdessen musste erst einmal Essen auf den Tisch: Die Kinder kamen
hungrig, konnten sich nicht konzentrieren.
15600 Kinder in Hartz-IV-Familien
15600 Kindern unter 15 Jahren muss erklärt werden, warum sie beispielsweise
nicht mit ins Kino und auf Klassenfahrt gehen können: So viele leben nach
Angaben von Sozial- und Arbeitsamt in Hartz-IV-Haushalten,
hinzu kommen aber weitere bedürftige sowie Flüchtlings-Kinder,
die noch immer in keiner Statistik auftauchen. Nach Angaben der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft, die mit Projekten auf das Thema aufmerksam gemacht
hat, ist die Zahl der armen Kinder seit Oktober 2006 um mindestens weitere 1100
gestiegen. „Wir merken, dass sich die Lage dramatisch verschärft hat“, sagte
Stefan Fischer-Fels vom Jungen Schauspielhaus bei einer Aktion im vorigen Jahr.
„Immer mehr Klassen sagen ihre Besuche bei uns ab, weil sich etliche Schüler
den Eintritt nicht leisten können.“ Er fordert freien Zugang zu mehr
kulturellen Einrichtungen.
Das Problem: Viele tausend Familien haben ein Einkommen, das knapp über der
Grenze liegt, die etwa für den Düsselpass angelegt
wird - und fallen damit sowohl aus der Förderung als auch aus der
entsprechenden Statistik. Die Lösung ist oft eine Einzelfall-Hilfe.
- /GÖKÇEN STENZEL
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.183
Datum: Montag, den 10. August 2009
Seite: Nr.26