Wie viel Ausbildung braucht der OSD?Die FDP verlangt höhere Standards. Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sprechen von "Diffamierung".Düsseldorf. Der Streit um die öffentliche Sicherheit weitet sich aus und spitzt sich gleichzeitig zu. Nachdem Oberbürgermeister Joachim Erwin scharf die Arbeit der Polizei kritisiert hatte, geht es jetzt um den Ordnungsund Sicherheitsdienst (OSD). Auslöser ist eine Aussage von FDP-Fraktionschef Martin Zeitz. Auch der OB habe die Sicherheit nicht verbessern können "trotz Aufblähung seiner schlecht ausgebildeten und unterbezahlten Sheriff-Truppe". Deshalb suche er die Schuld nun bei der Polizei. Das aber will der OSD nicht auf sich sitzen lassen. In einem offenen Brief an die FDP-Fraktion, der von 50 Mitarbeitern unterschrieben wurde, ist von einer "unsäglichen Diffamierung" die Rede. Die Liberalen verletzten ihre "besondere Fürsorgeverpflichtung", die sie als Vertreter der Ratsmehrheit gegenüber dem OSD hätten. Tatsächlich gebe es einen "guten und sich stets fortentwickelten Ausbildungsstand". Das sieht auch Werner Leonhardt so. Der Dezernent war gestern nicht in Düsseldorf, ließ aber durch seinen Referenten ausrichten, er sein von dem Brief informiert gewesen und heiße ihn gut. Das wiederum missfällt FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus: "So ein Brief gehört sich nicht. Dass städtische Mitarbeiter eigene Politik machen, erstaunt uns sehr." Inhaltlich hält Martin Zeitz dagegen: "Die Ausbildungsstandards müssen erhöht werden. Es sollte eine einjährige Ausbildung wie bei der Polizei geben, sowie einen psychologischen Einstellungstest." Doch wie sieht die Ausbildung beim OSD überhaupt aus? Derzeit bekommen neue Mitarbeiter eine "theoretische Unterweisung", die 350 Unterrichtsstunden in einem Zeitraum von knapp drei Monaten umfasst. Bei der praktischen Ausbildung wird ein neuer Mitarbeiter mit zwei erfahrenen Kollegen auf Streife geschickt ohne dabei eigenverantwortlich agieren zu müssen. Ähnlich ist das beim Sicherheitsund Ordnungsdienst in Frankfurt. Die Stadt am Main hatte bei der Einführung ihres kommunalen Ordnungsdienstes eine bundesweite Vorreiterrolle. Dort dauert die theoretische Ausbildung länger bis zu sechs Monate, darunter sechs Wochen in der hessischen Polizeischule und acht Wochen beim Verwaltungsschulverband. Im Gegensatz zu Düsseldorf tragen die Ordnungskräfte in Frankfurt eine Pistole. Überhaupt regelt jede Kommune die Ausbildung anders weil die Länder bislang keine verbindlichen Richtlinien erlassen haben. Die gibt es auch in der Privatwirtschaft nicht. Das aber könnte sich ändern: Die Düsseldorfer Industrieund Handelskammer (IHK) hat ein Pilotmodell zur Qualifizierung von privaten Sicherheitsleuten entwickelt. Ziel ist, dass es bundesweit die gleichen Standards bei der Weiterbildung gibt. Bemerkenswert ist, dass die Zulassungsvoraussetzungen bei der IHK strenger sind als beim OSD, der zusätzlich hoheitliche Aufgaben erfüllt. Wer etwa die IHK-Prüfung zur "Sicherheitsdienstleistungskraft" ablegen will, muss mindestens 24 Jahre alt sein und eine zweijährige Berufspraxis in der Überwachungsbranche vorweisen können. Beim OSD ist beides nicht notwendig. Dienstag - 18.05.2004 Von René Schleucher
Düsseldorf