SPIEGEL ONLINE - 09. Juli 2003, 17:29
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Ausgesetzter Betrunkener erfror
 
Polizisten müssen hinter Gitter

Zwei Polizisten aus Stralsund müssen für drei Jahre und drei Monate in Haft, weil sie mitten im Winter einen völlig betrunkenen Mann auf
freiem Feld ausgesetzt hatten. Der 35-Jährige überlebte die "Lektion", wie es die Beamten nannten, nicht.

Stralsund - Das Landgericht Stralsund befand am Mittwoch, die beiden Polizisten hätten angesichts des Zustands des Mannes die Gefahr des
Erfrierens erkennen müssen, hieß es in der Urteilsbegründung. Zudem hätten sie sich nicht an die für derartige Fälle geltenden Dienstvorschriften
gehalten. Eine Ausnüchterungszelle, Platzverweis oder Unterbringung in ein Obdachlosenquartier wären richtige Wege gewesen, erklärte das Gericht.

Die 46 und 26 Jahre alten Beamten räumten den Tatbestand ein. Sie betonten dabei übereinstimmend, dass Aussetzen von Betrunkenen übliche
Praxis der Polizei sei.

Dem Mann, der am 6. Dezember 2002 in einem Einkaufsmarkt randaliert hatte, hätten sie eine "Lektion" erteilen wollen. Sie fuhren ihn vor die
Stadtgrenze Stralsunds und setzten ihn auf freiem Feld aus. Zuvor hatte ein Sanitätsteam angeblich keine akuten gesundheitlichen Gefährdungen
gesehen und eine medizinische Behandlung für unnötig erachtet.

Die Leiche des Mannes war am nächsten Tag von Spaziergängern gefunden worden. Als Todesursache ermittelte die Rechtsmedizin Unterkühlung im
Zusammenwirken mit einem Alkoholisierungsgrad von 3,5 Promille. Die Umstände, die zum Tod des Obdachlosen führten, waren erst einen Monat nach
der Tat in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei öffentlich gemacht worden. Die Beamten waren vom Dienst
suspendiert worden.
 

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