Das Ringen um die Häuser
WOHNEN / Vor drei Jahren sollten vier Jugendstil-Gebäude an der Binterimstraße abgerissen werden. Sie stehen immer noch.
BILK. Vor drei Jahren wurde der Abriss der vier Häuser an der Binterimstraße 26 bis 32 geplant. Doch noch immer stehen die Jugendstilhäuser mit den billigen Genossenschafts-Wohnungen, von denen etliche jetzt leer sind. Noch klagen vier Mieter gegen die Räumung der billigen Wohnungen - und waren im Sommer 2004 mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Kündigungen vor dem Landgericht bereits erfolgreich (die NRZberichtete). Ohnehin wurde die Abrissgenehmigung inzwischen von der Stadt zurückgezogen. Allerdings, so der Vizechef des Bauaufsichtsamts, Wolfgang Bormann, rechnet das Amt noch in diesem Frühjahr mit einem neuen Abriss-Antrag, "den wir dann wohl auch genehmigen werden," meint Bormann.
Ein Fall für die Statiker
Zurzeit, so Bormann, prüfen Sachverständige und Statiker die Pläne. Denn Nachbarn hatten gegen den Abriss geklagt, weil sie um die Standfestigkeit ihrer Häuser bei einem Abriss fürchteten.
Stefan Sacks ist Mieter und einer der Kläger. Er wohnt seit fünf Jahren in der Nummer 32 und zahlt für seine Wohnung, die mit Bad und Gasheizung ausgestattet ist, fünf Euro pro Quadratmeter. Seine Klage liegt beim Landgericht. Das hatte im im Juni 2004 Räumungsklagen der Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft zurückgewiesen. Für Sacks "gibt es eigentlich keinen Kündigungsgrund." Die Genossenschaft, so Sacks, argumentierte mit mangelnder Wirtschaftlichkeit. Aber eine so genannte "Wirtschaftlichkeitsberechnung" liege noch nicht vor. Die Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft wollte sich gegenüber der NRZzur Binterimstraße nicht äußern.
Gegen den Abriss der alten Häuser hatte seit 2003 heftigen Protest der Mieter gegeben. Auch die Bezirksvertretung 3 (BV 3) hatte nur mit Bauchschmerzen dem Abriss zugestimmt - nachdem die Verwaltung gedroht hatte, dass die BV 3 für Schadenersatzforderungen haftbar sei.
Wolfgang Sawalies, Bezirksvertrteter in Bilk (Linke Liste PDS), startete jetzt eine Anfrage zu den Wohnungen. Für die statt dessen geplanten Altenwohnungen gebe es ohnehin keine Verträge. "Ich fürchte, der Abriss wäre ein schlechtes Beispiel für andere alte Bauten mit billigen Wohnungen im Stadtteil," so Sawalies. Die BV 3, meint er, müsste erneut über den Abriss abstimmen.
Mieter Sacks ist zuversichtlich, dass die Klage gegen die Räumung noch im nächsten Monat am Landgericht verhandelt wird.