Armut in Deutschland wächst
Einkommensverteilung weist zunehmende Schieflage auf
Die Kluft zwischen Arm und Reich ist seit der Amtsübernahme der rot-grünen Bundesregierung größer geworden. Als Grund nennt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor allem die gestiegene Arbeitslosigkeit.
VON ROLAND BUNZENTHAL
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Frankfurt a.M. · 27. Januar · Nach den Erhebungen des DIW hatte im Jahr 2003 das ärmste Fünftel der Bevölkerung ein Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf von im Schnitt 7584 Euro. Das sind preisbereinigt gut drei Prozent mehr als noch 1998. Im gleichen Zeitraum stieg die Kaufkraft jedoch beim Fünftel mit dem höchsten Einkommen um 12,3 Prozent auf 32 812 Euro.
Seit dem Jahr 2000 sei ein neuerlicher Anstieg der relativen Armut in Deutschland zu beobachten. Davon betroffen sind rund 15,3 Prozent der Bevölkerung - 1998 waren es erst 13 Prozent. Als arm gilt innerhalb der Europäischen Union, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens von vergleichbaren Haushalten zur Verfügung hat. Für eine Familie mit vier Mitgliedern sind dies etwa 1550 Euro pro Monat.
Das DIW verweist darauf, dass die Entwicklung der Armut stark von der Konjunktur abhänge. Dies habe sich vor allem auch in den vergangenen Jahren gezeigt. Trotzdem kann nach Ansicht des Instituts "von einem tief greifenden Abbau des Sozialstaats nicht die Rede sein". Der Sozialstaat mit seinem Transfer- und Umverteilungssystem funktioniere auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit.
Insbesondere in den neuen Ländern sei der Einfluss der öffentlichen Hand auf die Einkommensverteilung durch Transferzahlungen erheblich, so das DIW. Im internationalen Vergleich sei dies "nahezu ohne Beispiel". Die Konsequenz aus der größer gewordenen Kluft könne deshalb nicht der Ruf nach weiterer Umverteilung sein. Vorrangig müssten sich die politischen Strategien auf den Abbau von Arbeitslosigkeit als "Wurzel des Übels" richten. Langfristig müsse auf eine bessere Bildung und Ausbildung vor allem der am wenigsten Qualifizierten geachtet werden.
Trotz der enormen staatlichen Transfers habe sich die Relation zwischen alten und neuen Ländern seit 1995 kaum verändert. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen verharrt im Osten seither bei etwa 83 Prozent des Westniveaus. Während sich das unterste Segment der Bevölkerung mittlerweile angeglichen habe, sei der Abstand bei den oberen Schichten immer noch deutlich ausgeprägt. Mit einem Anteil von 17,4 Prozent sind in den neuen Ländern mehr Menschen von Armut betroffen als in den alten.
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Dokument erstellt am 27.01.2005 um 17:12:54 Uhr
Erscheinungsdatum 28.01.2005