„Zehn Euro? Das überleg’ ich mir“
Die Mitarbeiter des kommunalen Ordnungs- und Servicedienstes
OSD machen
Schwerpunktkontrollen für mehr Sauberkeit in der Stadt. Nach
den
Hundehaltern und Mülldeponierern
haben sie jetzt verstärkt die
Kippenschnipper im Visier.
VON DENISA RICHTERS
„Wie bitte? Taschen-Aschenbecher? Die sind ja klasse!“ Ingo Lefering und
Robert Heite sind begeistert von
den faltbaren Alu-Pappe-Behältern, die
ihnen Daniela W. vom kommunalen Ordnungs- und Servicedienst
(OSD) gerade
überreicht hat. Die 25-Jährigen aus dem Münsterland sind zum
Shoppen in
Düsseldorf. Daniela W. schiebt ihnen noch zwei Rote Karten
zu. Auf denen
steht, was es in der Landeshauptstadt kostet, wenn jemand
seinen Dreck im
Straßenraum entsorgt. So was kennen die beiden Raucher aus
Ahaus nicht.
„Zehn Euro für eine weggeworfene Kippe - das würde ich mir
schon
überlegen“, meint Lefering und
schiebt Karte und Taschen-Aschenbecher in
seine Jacke. Sein Freund kennt aus einem Singapur-Urlaub
noch härtere
Mittel: „Da darf man in der Öffentlichkeit überhaupt nicht
rauchen, die
Strafen sind viel höher.“ In dem Stadtstaat werde sofort
abkassiert, sogar
Kreditkarten würden akzeptiert. „Verglichen damit ist das
hier okay.“
Daniela W. und ihr Kollege Uwe L. sind im Rahmen einer
Schwerpunktaktion
des Ordnungsamts unterwegs. Ziel ist, bei den Bürgern das
Bewusstsein für
mehr Sauberkeit zu wecken. Zuerst waren die Hundehalter
dran, dann die
wilden Müllentsorger und jetzt die Kippenschnipper.
„Man muss die
Verhältnismäßigkeit wahren und mit den Leuten sprechen“,
sagt L. „Dann
sehen sie ihre Fehler meist ein.“ Sicher bekämen sie
manchmal Schimpfwörter
zu hören. „Gegenüber mir als Frau oft weiter unter der
Gürtellinie als bei
männlichen Kollegen“, sagt W. Das passiere ihr häufiger mit
Frauen. Aber
das dürfe man nicht persönlich nehmen.
Ihre Blicke heften sich auf eine junge, elegant gekleidete
Frau, die an der
Haltestelle an der Hunsrückenstraße
raucht, die direkt neben einem
Abfallbehälter steht. „Sie wird ihre Zigarette gleich auf
den Boden
werfen“, ist sich W. sicher. Weshalb? „Nicht aus Absicht,
sondern, weil sie
so gedankenverloren wirkt.“ Die 39-Jährige hat in den fünf
Jahren beim OSD
einige Erfahrungen gesammelt. Doch diesmal liegt sie falsch.
Die junge Frau
drückt ihre Kippe ordnungsgemäß aus. Dafür gibt’s lobende
Worte - und einen
Taschen-Aschenbecher.
Verkäuferin Sevasti Unterstein
beobachtet die Szene aus dem Schuhladen „New
Look“. Sehr gut finde sie die Aktion, „denn jeden Morgen ist
vor dem Laden
alles voller Kippen“. Ihre Kunden bitte sie stets, die
Zigaretten im
städtischen Abfallbehälter vor der Tür zu entsorgen. Wenn
der Feuer fängt,
was regelmäßig vorkomme, löscht sie.
An der Straßenbahnhaltestelle vor dem Wilhelm-Marx-Haus
maulen ein paar
ältere Herren, als das OSD-Paar
vorbeiläuft: „Da will die Stadt wieder Geld
verdienen.“ Erika Girgensohn, die
im Wartehäuschen sitzt, widerspricht:
„Ich finde das wirklich eine wichtige Sache. Es ist doch
keine Abzocke, auf
Sauberkeit zu achten.“ Auch die zwei, drei Raucher, die auf
ihre Bahn
warten, zeigen Verständnis. Rote Karten und freundliche
Worte werden
gewechselt. Hier und heute wird niemand auf frischer Tat
ertappt.
„Die meisten Leute sehen ihre Fehler ein“
- /VON DENISA RICHTERS
Quelle:
Verlag: Rheinisch-Bergische Druckerei- und
Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.99
Datum: Freitag, den 28. April 2006
Seite: Nr.10
Doppelstreife OSD und Polizei - FDP skeptisch
(dr) Wenn am Dienstag der neue
Polizeipräsident Herbert Schenkelberg seinen
Dienst antritt, könnte auch OB Erwins Idee einer
Doppelstreife aus OSD und
Polizei näher rücken. Denn an seinem vorherigen Dienstsitz
Essen hat
Schenkelberg ein ähnliches Konzept verwirklicht. „Wir als
FDP sehen das
äußert skeptisch“, sagt Fraktions-Chefin Marie-Agnes
Strack-Zimmermann. Der
OSD dürfe keinesfalls zu einer Art Stadtpolizei werden. In
Essen seien die
Kriterien für den kommunalen Streifengänger andere, deshalb
könne das
Konzept nicht einfach übertragen werden.
In der Ruhrgebietsstadt gehen an der Seite der Polizei
städtische
Mitarbeiter auf Streife, die für den mittleren
Verwaltungsdienst
ausgebildet worden sind. Sie werden theoretisch (u.a. Polizeirecht) und
praktisch (z.B. Deeskalationstraining) weitergebildet, so
Streifendienstleister Norbert
Geldermann. Das Wissen werde jährlich
aufgefrischt.
Im Personalausschuss wollte die FDP nun wissen, nach welchen
Kriterien
OSD-Kräfte ausgewählt und
ausgebildet werden. Das Anforderungsprofil sei
sehr offen, so Personaldezernentin Ulrike Löhr. Kriterien seien etwa
abgeschlossene Berufsausbildung, Fitness und kommunikative
Kompetenz. Die
Ausbildung umfasse 383 Stunden Theorie und 54 Stunden Hospitanz bei Polizei
oder Feuerwehr. Der Ausschuss war sich schließlich einig,
dass es für eine
solche Diskussion jedoch zu früh sei.
-
Quelle:
Verlag: Rheinisch-Bergische Druckerei- und
Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.99
Datum: Freitag, den 28. April 2006
Seite: Nr.10