Zahl der Arbeitslosen ist so hoch wie nie
Berlin ·
Weltweit sind so viele Menschen arbeitslos wie nie. Zu diesem Ergebnis kommt
die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer Untersuchung, die sie am
heutigen Donnerstag in Genf vorstellt. Demnach stieg 2006 die Arbeitslosenzahl
trotz kräftigen Wirtschaftswachstums auf 195,2 Millionen. Weil die
Weltbevölkerung zunahm, sank die Arbeitslosenrate leicht auf 6,3 Prozent.
Fortschritte verzeichnen laut ILO „am ehesten“ die wohlhabenden Regionen,
darunter Europa. Am schlimmsten sei die Lage im Nahen Osten und in Nordafrika.
Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) warnte vor den Gefahren der Globalisierung. Viele Länder
seien vom Aufschwung abgeschnitten, mahnte sie am Mittwoch bei der Eröffnung
des Weltwirtschaftsforums in Davos. msv/ap
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 21)
Datum: Donnerstag, den 25. Januar 2007
Seite: 1
Fast 200 Millionen sind auf Jobsuche
ILO
registriert bislang höchste Arbeitslosigkeit / Dienstleistungsbranche erstmals
größter Beschäftigungsmarkt
Trotz
eines hohen Wirtschaftswachstums wird die weltweite Arbeitslosenzahl in diesem
Jahr auf Rekordniveau verharren. Dies sagt die Internationale
Arbeitsorganisation (ILO) voraus.
Berlin ·
Die Weltwirtschaft wächst seit Jahren. Für 2007 sagt der Internationale
Währungsfonds zwar eine leichte Abkühlung voraus, er rechnet aber immer noch
mit einer Steigerungsrate von 4,9 Prozent. An den Arbeitsmärkten sind solche
Erfolge nicht zu erkennen, beklagt die ILO in einer Studie. „Das kräftige
weltweite Wirtschaftswachstum hat die weltweite Arbeitslosigkeit nicht zu
reduzieren vermocht“, betont ILO-Generaldirektor Juan Somavia.
Ungeachtet der guten wirtschaftlichen Aussichten für dieses Jahr sieht er
weiterhin „Grund, besorgt über die Beschäftigungsentwicklung zu sein“. Dies
gilt insbesondere für die absoluten Arbeitslosenzahlen, die weiter steigen.
2006 verzeichnete die ILO eine leichte Zunahme auf 195,2 Millionen – das ist
der höchste Wert in der Menschheitsgeschichte. Für dieses Jahr erwartet die
Genfer Behörde ein konstant hohes Niveau.
Fortschritte
in Industrieländern
Immerhin
ist die Arbeitslosenrate leicht gesunken – von 6,4 auf 6,3 Prozent. Diese Kennziffer
berücksichtigt, dass wegen des Bevölkerungswachstums mehr Menschen dem
Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Und so ist es trotz der höheren
Erwerbslosenzahl auch zu einem Beschäftigungsaufbau gekommen. Weltweit hatten
Ende 2006 rund 2,9 Milliarden Menschen eine Stelle. Das waren 1,6 Prozent mehr
als zwölf Monate zuvor und 16,6 Prozent mehr als 1996.
Fortschritte
beobachtet die Arbeitsorganisation vor allem in den Industrieländern. Dort sank
die Arbeitslosenquote im vorigen Jahr um 0,6 Punkte auf 6,2 Prozent. Mehr als
fünf Millionen Stellen kamen hinzu. Besonders steil sei es in den neuen EU-Ländern – mit der Ausnahme Ungarn – aufwärts
gegangen. Aber auch in diesem Teil der Gemeinschaft stehen einige Länder mit
Arbeitslosenraten von mehr als 7,5 Prozent deutlich schlechter da als der
Schnitt. Dies gilt für die baltischen Staaten, Tschechien, die Slowakei und
Polen. Ebenfalls in dieser Kategorie befinden sich Deutschland, Frankreich,
Italien, Spanien, Griechenland und Finnland. Klarer Spitzenreiter ist Ostasien
mit einer Arbeitslosenrate von 3,6 Prozent. Allerdings steht dem Bericht
zufolge gerade diese Region beispielhaft für das Phänomen, dass trotz eines
hohen Wachstums die absolute Zahl der Arbeitslosen zunimmt.
Am
schlimmsten ist der ILO zufolge die Situation im Nahen Osten und in Nordafrika
mit einer mittleren Erwerbslosenrate von 12,2 Prozent. Kaum weniger düster
sieht es in Afrika südlich der Sahara mit einer Quote von 9,8 Prozent aus. Dort
leben auch die meisten der arbeitenden Armen. Acht von zehn Afrikanern, die
arbeiten gehen, müssen laut ILO mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen.
Der
Bericht dokumentiert auch den fortschreitenden Strukturwandel: 2006 seien
erstmals mehr Menschen im Dienstleistungssektor tätig gewesen als in der
Landwirtschaft (40 Prozent im Vergleich zu 38,7 Prozent). Die Industrie stellt
noch 21,3 Prozent der Beschäftigung.
Die ILO
fordert die Regierungen auf, den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und
Beschäftigung zu stärken. Dafür sei es erforderlich, menschenwürdige und
produktive Arbeitsplätze – „und nicht bloß irgendwelche Jobs“ – zu schaffen.
Konkret empfiehlt die Organisation den Aufbau sozialer Netze, mehr
Bildungsausgaben und spezielle Hilfen für Frauen und andere benachteiligte
Gruppen. Markus Sievers
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