Nachrichten,
21.04.2008, DerWesten
Berlin. In jedem vierten Betrieb in Deutschland ersetzen
Zeitarbeiter bereits Stammbeschäftigte. In der großen Mehrheit der Firmen liegt
ihr Lohn aber unter dem der Stammbeschäftigten.
Das ergab eine am Montag veröffentlichte repräsentative
Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts
(WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Danach haben rund
37 Prozent der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten in den vergangenen beiden
Jahren Zeitarbeiter beschäftigt. Ihre Zahl und Beschäftigungsdauer ist den
Betriebsräten zufolge in vielen Unternehmen in diesem Zeitraum gestiegen. Für
die Firmen sei dies häufig finanziell attraktiv. In den meisten Betrieben liege
der Lohn der Zeitarbeiter unter dem der Stammbeschäftigten, und zwar
durchschnittlich um 29 Prozent.
Das WSI befragte mehr als 2000 Betriebsräte. Von Anfang 2005 bis Herbst 2007
setzen demnach 54 Prozent der mittleren und größeren Firmen mehr Leiharbeiter
ein - nur knapp 14 Prozent der Firmen verringerten den Einsatz. Parallel dazu
beschäftigten gut 40 Prozent der Betriebe die Zeitarbeiter auch länger, nur in
14 Prozent der Betriebe nahm die Einsatzdauer der Leiharbeiter ab. In jedem
vierten Betrieb werden Zeitarbeiter der Befragung zufolge für gleiche
Tätigkeiten auch gleich bezahlt. In der großen Mehrheit der Firmen liegt ihr
Lohn aber unter dem der Stammbeschäftigten.
Auftragsspitzen seien zwar nach wie vor der wichtigste Grund für den Einsatz
von Zeitarbeitern, erklärte WSI-Leiter Hartmut Seifert. Es sei aber
«unübersehbar, dass sich die Funktion von Leiharbeit wandelt». Teilweise
ersetze sie feste Beschäftigung, und mancher
Unternehmen setzten Leiharbeiter als flexible Quasi-Stammbelegschaft ein. (AFP)