Viele Beschäftigte verdienen real weniger

Tarifzuschläge liegen teils unter der Preissteigerung / Geringes Plus im Großhandel

Viele Arbeitnehmer in Deutschland

mussten im ersten Halbjahr faktisch Gehaltseinbußen hinnehmen.

Wiesbaden · Die Tarifabschlüsse in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bewegten sich zwischen 0,5 und 3,4 Prozent. Die Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum um rund zwei Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mit. Der durchschnittliche Anstieg der Tarifgehälter im ersten Halbjahr wird Ende Oktober veröffentlicht.

Bei den abgeschlossenen Tarifverträgen in den ersten sechs Monaten gab es je nach Region und Branche große Unterschiede. Einen faktischen Rückgang verzeichneten die Tariflöhne am Bau im gesamten Bundesgebiet. Die Arbeitszeit wurde in der Branche zu Beginn des Jahres verlängert. Dadurch sanken die Stundenlöhne um 2,5 Prozent. Einige Wochen später wurden die Tariflöhne um lediglich ein Prozent erhöht.

Den geringsten Anstieg gab es im Großhandel Rheinland-Rheinhessen mit 0,5 Prozent, den höchsten mit 3,4 Prozent bei der Energieversorgung in Baden-Württemberg.

Im vergangenen Jahr hatten die Statistiker erstmals seit 1997 ein Sinken der Reallöhne registriert: Der durchschnittliche Zuwachs bei den tariflichen Monatseinkommen von Arbeitern (1,2 Prozent) und Angestellten (1,3 Prozent) lag unterhalb der Inflationsrate von zwei Prozent.

In diesem Frühjahr war der Zuwachs der Angestelltengehälter so gering wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr: Die Tarifeinkünfte waren im April nur 0,7 Prozent höher als ein Jahr davor. Die Verbraucherpreise kletterten im gleichen Zeitraum um zwei Prozent. Das heißt: Real verdienten Tarifangestellte im Durchschnitt 1,3 Prozent weniger Geld. Die Stundenlöhne der Arbeiter waren im April mit 1,1 Prozent etwas stärker gestiegen. dpa/fr

 

MSCHWAB



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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 200)
Datum: Dienstag, den 29. August 2006
Seite: 9