Versicherer meldet weniger Pleiten
Die Zahl der Firmenpleiten in
Deutschland geht als Folge des Aufschwungs deutlich zurück. Die
Kreditversicherung Euler Hermes rechnet in den Jahren 2007 und 2008 mit jeweils
28 500 Firmenpleiten.
Die Phase rückläufiger Insolvenzen von
2005 bis 2007 gehe bereits wieder zu Ende, weil sich die Wirtschaftsdynamik
abschwächen werde. Besonders Klein- und Mittelbetriebe seien gefährdet.
Fr 4.12.07
Pleite im Aufschwung
Rekord bei Privatinsolvenzen /
Unternehmen fürchten schlechtere Kreditkonditionen
Von Bernd Salzmann
In Deutschland haben erstmals mehr als
100 000 Privatleute Insolvenz angemeldet. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform registrierte im laufenden Jahr 109 330 Bürger,
die bei Gericht den Offenbarungseid geleistet haben und von ihren Schulden
befreit werden wollen. Das entspricht einem Zuwachs von 18,3 Prozent.
Hierzulande gelten 7,3 Millionen Menschen als überschuldet, was aus Sicht von Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl
für einen weiteren Anstieg der Verbraucherinsolvenzen im nächsten Jahr spricht.
„Aufschwung schützt vor Pleite nicht“,
resümierte Rödl am Dienstag in Frankfurt mit Hinweis
auf die gesunkenen Arbeitslosenzahlen. Erwerbslosigkeit gilt neben einer
Trennung oder unsachgemäßer Haushaltsführung als zentrale Ursache für eine
Überschuldung. Allerdings komme ein früherer Erwerbsloser, der heute einen oder
mehrere Minijobs ausübe „aus der Überschuldung nicht raus“.
Die Zahl der Firmenpleiten ging im
Unterschied zu den Privatinsolvenzen erneut deutlich zurück, und zwar um 10,4
Prozent auf 27 490 Fälle. Ob dieser Trend auch im nächsten Jahr andauert, ist
allerdings fraglich. Rödl zumindest will einen
Anstieg auf 30 000 Unternehmensinsolvenzen nicht ausschließen und begründet das
an erster Stelle mit der US-Hypothekenkrise und den damit verbundenen
Milliarden-Abschreibungen in den Banken. Zwar befürchtet der Creditreform-Vorstand in Deutschland keine Kreditklemme, er
rechnet aber mit ungünstigeren Konditionen insbesondere für Bankkunden mit
schwacher Bonität.
Das allein könne bereits genügen, um im
nächsten Jahr mehr Unternehmen als 2007 in den Ruin zu treiben. Firmen mit
guter Bonität hingegen seien gesuchte Kreditkunden. „Es gibt jetzt schon eine
merkliche Konditionenspreizung“, behauptet Rödl.
Höhere Risikomargen
Eine Studie der staatlichen Förderbank
KfW stützt diese Position. Die KfW-Volkswirte berichten darin von einem um vier
Prozent gestiegenen Kreditneugeschäft im dritten Quartal, beobachten zugleich
aber auch eine „moderate Straffung der Kreditstandards und Anhebung der
Risikomargen“.
Daran dürfte sich auch so sobald nichts
ändern, denn die Banken refinanzieren sich derzeit vergleichsweise teuer. Sie
leihen sich Geld untereinander nur, wenn hohe Risikoprämien gezahlt werden. Die
US-Regierung und führende Vertreter der Europäische Zentralbank betonten
gestern erneut, dass ein Ende der Krise nicht absehbar sei. „Der Markt hat
weiter Zweifel angesichts der Auswirkungen auf die Gewinne von Banken und
Bilanzen“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den griechischen
Notenbankchef Nicholas Garganas.
MSCHWAB
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 283)
Datum: Mittwoch, den 05. Dezember 2007
Seite: 16