UN-Menschenrechtsrat
Zahl der Hungernden steigt
Allen Kampfansagen gegen die Armut zum Trotz ist die Zahl
hungernder
Menschen 2005 weltweit um elf Millionen auf 852 Millionen
gestiegen. In
einer Sonder- konferenz will die
FAO am Montag die bisherigen
Anstrengungen bilanzieren.
Frankfurt a.M. Alle fünf Sekunden
stirbt ein Kind an Unterernährung und
Krankheiten, heißt es in dem jüngsten Bericht des
Sonderbeauftragten des
UN-Menschenrechtsrates, Jean Ziegler. Diese Entwicklung sei
"eine
Schande für die Menschheit", denn an Lebensmitteln
mangele es nicht.
Nach Hochrechnungen der zuständigen UN-Organisation FAO
könnte die Erde
auch das Doppelte der derzeitigen Weltbevölkerung von gut
sechs
Milliarden Menschen versorgen. Dass dennoch fast jeder
Sechste hungert,
liege an der Verteilung. Laut Ziegler lebt jeder zweite
unterernährte
Mensch in einer Region mit abgewirtschaftetem und zunehmend
wüstenartigem Boden.
Da 80 Prozent aller Hungernden in ländlichen Gebieten
wohnten, müsse die
Welt dort massiv in Bewässerungssysteme und Agrarhilfe
investieren, sagt
Ziegler. Ohne diese individuelle Unterstützung gebe es wenig Chancen,
das Problem Hunger je in den Griff zu bekommen. Ebenso
bräuchten jene
Menschen dringend Hilfe, die ihr Land infolge ökologischer
Zerstörung
nicht mehr nutzen könnten. Am schlimmsten seien die Menschen
in der
sudanesischen Provinz Darfur
betroffen, wo Krieg und Dürre für eine
Ausbreitung der Sahara sorgten.
Als weiteren Grund für den wachsenden Hunger nennt Ziegler
den Export
von subventionierten Lebensmitteln aus den reichen in die
armen Länder,
wodurch dort einheimischen Händlern geschadet werde.
Mehr Geld für ländliche Entwicklung
Die internationale Gemeinschaft, private Investoren und
Entwicklungsländer müssten wesentlich mehr in die ländliche
Entwicklung
investieren, um das Menschenrecht auf Nahrung für alle
dauerhaft zu
sichern. Dies erklärt die Bundesentwicklungsministerin
Heidemarie
Wieczorek-Zeul. Das Ministerium sei in gut 30 Ländern in
Programmen der
ländlichen Entwicklung engagiert.
Im vergangen Jahr wurden dafür rund
350 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - knapp ein
Zehntel des Etats.
Roland Bunzenthal
Kommentar: Viele haben weniger
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FR online 2006
Dokument erstellt am 27.10.2006 um 17:16:20 Uhr
Letzte Änderung am 27.10.2006 um 17:49:44 Uhr
Erscheinungsdatum 28.10.2006
Kommentar
Viele haben weniger
VON ROLAND BUNZENTHAL
Wer kennt schon den UN-Menschenrechtsrat? Immerhin sind die
47
Mitglieder dieses Genfer Gremiums so etwas wie die globalen
Anwälte der
Milliarde Menschen in der Dritten Welt, die unterdrückt,
verfolgt und
drangsaliert werden, denen aber auch das ethische Recht auf
ausreichende
Ernährung verwehrt wird. Der Rat ist eine ganz neue
Einrichtung der
Vereinten Nationen. Vorläufer war die
UN-Menschenrechtskommission, die
sich durch ihre eigenen Spielregeln fast selbst lahm gelegt
hatte. Das
etwas kleinere Nachfolgegremium soll
nun die wahren Ursachen des Hungers
beim Namen nennen, auch wenn es dabei um die eigenen
Interessen geht.
Dazu Gelegenheit hat der Rat bereits am kommenden Montag.
Dann beginnt
nämlich die Sonderkonferenz der
UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO),
die eine Zwischenbilanz im Kampf gegen Unterernährung ziehen
will. Auf
einer Gipfelkonferenz hatten die
Regierungschefs vor zehn Jahren
zugesagt, dafür zu sorgen, dass die Zahl der Hungernden bis
2015
halbiert wird. Sowohl die FAO als auch der
Sonderberichterstatter des
Menschenrechtsrates, Jean Ziegler, weisen daraufhin, dass es
stattdessen
heute eher noch mehr Betroffene gibt als damals.
Jenseits der statistischen Gemeinsamkeiten gehen die
Ursachenanalysen
von Ziegler und der FAO grundsätzlich auseinander. Daraus
folgen
zwangsweise unterschiedliche Strategien. Während die Behörde
in Rom vor
allem exportsteigernde
Investitionen in den armen Ländern selbst
propagiert, warnt Ziegler vor all zu großer
Weltmarkt-Euphorie. Neben
regionalen Kriegen hätten besonders
die zu rasche Öffnung der Grenzen
sowie Dumping-Ausfuhr-Beihilfen der EU und anderer dazu
geführt, dass
wenige mehr, aber viele weniger als bislang auf dem Tisch
haben. Die
Stärkung der inländischen Agrarproduktion muss daher Vorrang
vor dem
zwanghaften Schielen auf den Export haben.
UN-Menschenrechtsrat: Zahl der Hungernden steigt
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Erscheinungsdatum 28.10.2006