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Trotz Frost: Heiko schläft immer draußen
Interview mit Hubert Ostendorf von fiftyfifty:
Die Streetworker gehen Schlafplätze der Obdachlosen ab.
Düsseldorf. Jede Nacht setzen 200 bis 300 Obdachlose ihr Leben aufs
Spiel. Sie schlafen trotz Temperaturen im Minusbereich auf der Straße und
meiden die Notunterkünfte. Hubert Ostendorf vom Wohnungslosenmagazin fiftyfifty und seine Streetworker sind daher zurzeit besonders
wachsam, wenn sie durch die Stadt gehen.
Westdeutsche Zeitung: Herr Ostendorf, warum gehen die Obdachlosen
selbst bei extremer Kälte nicht in die Notunterkünfte?
Hubert Ostendorf: Wer lange auf der Straße lebt, bleibt lieber allein.
Die Konkurrenz ist groß, jeder kämpft um sein Revier. Die Armut verbindet die
Obdachlosen, hat aber keine Solidargemeinschaft aus ihnen gemacht. Außerdem
glauben viele noch immer, dass die Unterkünfte schmutzig sind und man dort
bestohlen wird. Dabei hat sich vieles geändert. Die Zimmer sind kleiner und
freundlicher, die Betreuung ist besser. Aber wer ein so hartes Leben führt
wie die Obdachlosen, der wird mit der Zeit eigen.
WZ: Die nächsten Tage bleiben frostig. Was tun Sie, um Schlimmstes zu
verhindern?
Ostendorf: Wir gehen die Stellen ab, von denen wir wissen, dass dort
Obdachlose die Nacht verbringen. Wir fragen sie, ob sie einen Schlafsack
brauchen oder zusätzliche Decken. Ein paar unserer fiftyfifty-Verkäufer
besitzen ein Handy, so dass wir sie abtelefonieren können. Leider haben wir
einen unserer Leute, Heiko, bislang noch nicht erreichen können und machen
uns große Sorgen. Er schläft immer draußen. Wenn er sich nicht meldet, fahre
ich nachher bei ihm vorbei.
WZ: Woher wissen Sie, wen Sie wo suchen müssen?
Ostendorf: Wir haben ja durch unsere Streetworker das ganze Jahr über
Kontakt zu den Obdachlosen. Allerdings ist es durch die Vertreibungsaktionen
von Polizei und Ordnungsamt schwieriger geworden, die Leute zu finden. Unser
ganz großes Problem sind jedoch die absoluten Einzelgänger. Die kaum jemand
kennt. Da wird es dann richtig gefährlich, wenn sie stark alkoholisiert sind
und die Kälte nicht mehr spüren.
WZ: In Paris dürfen sich die Obdachlosen im Winter in den
Metro-Bahnhöfen aufhalten. Wie ist das in Düsseldorf geregelt?
Ostendorf: Im Winter werden sie im Hauptbahnhof geduldet. Aber nur,
wenn es richtig kalt ist, wie im Moment. In diesem Zusammenhang empfinde ich
es als makaber, dass man extra die warmen Lüftungsschächte mit
Fahrradständern zugebaut hat, damit sich dort kein Obdachloser wärmen kann.
Oder dass man in Rath das Dach eines Fahrradhäuschens wieder abnehmen will,
damit sich dort niemand ein Nachtlager einrichten kann. Das ist unmenschlich.
24.01.06
Von Sema Kouschkerian
Düsseldorf
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