Top im Job -- dank Pillen

 

 

    Doping am Arbeitsplatz -- das gibt es in Deutschland immer öfter.

    Zwei Millionen gesunde Arbeitnehmer haben es schon getan. Die

    Leistung soll durch Medikamente gesteigert, das Gedächtnis

    zuverlässiger und die Stimmung besser werden.

 

 

        Von Michael Bergius

 

 

        Berlin. Psychische Leiden wie Depressionen oder Angststörungen

        haben in den vergangenen zehn Jahren erheblich zugenommen.

        Parallel zu dieser Entwicklung sinkt aber auch bei gesunden

        Menschen die Hemmschwelle, Arzneimittel zur Bewältigung von

        Alltagsproblemen zu missbrauchen.

 

 

        Dies belegt eine Studie, die die Deutsche

        Angestellten-Krankenkasse DAK am Donnerstag vorlegte. Die

        Menschen würden im Berufsleben geradezu gezwungen, "besser

        drauf, konzentriert, immer perfekt" zu sein, sagte DAK-Chef

        Herbert Rebscher. Dieses Ziel lasse sich jedoch "auch durch

        Medikamente nicht erfüllen"; vielmehr drohten oft erhebliche

        Nebenwirkungen oder Suchtgefahr.

 

 

        Befragt wurden im Rahmen der Untersuchung etwa 3000 Arbeitnehmer

        im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Vier von zehn Personen

        wissen, dass Medikamente gegen Gedächtnisstörungen oder

        Depressionen auch bei Gesunden wirken können; jeder Fünfte

        meint, dass die Risiken einer solchen Verwendung im Vergleich zu

        ihrem Nutzen "vertretbar" seien. Immerhin fünf Prozent

        (insgesamt zwei Millionen) hätten diese Form des Dopings

        eingeräumt, knapp die Hälfte von ihnen sogar täglich oder

        mehrfach pro Woche.

 

 

        Der Großteil der Medikamente wird (den Gesunden) von Ärzten

        verschrieben; rund 20 Prozent der Befragten gaben als

        Bezugsquelle Kollegen, Freunde, Familienmitglieder oder den

        Versandhandel an. Gedopt wird mit Anti-Depressiva, mit

        Präparaten gegen Aufmerksamkeitsstörungen, Demenz, Bluthochdruck

        oder Migräne. Ein Datenabgleich habe ergeben, dass Beschäftigte

        bestimmte Mittel vielfach "auf eigenen Wunsch", für andere

        Diagnosen als die eigentliche oder sogar ganz ohne Diagnose

        verordnet bekämen.

 

 

        "Medikamente sind leicht zu besorgen, vor allem durch Weitergabe

        durch jene, für die sie bestimmt sind", sagte der

        SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach der FR. Auch Ärzte

        seien bisweilen "zu leichtfertig", rügte er. "Oft müssen

        Patienten nur sagen: Das habe ich schon mal verschrieben

        bekommen. Auch mit ein wenig Googeln kann man leicht

        herausfinden, was man dem Arzt erzählen muss, um bestimmte

        Mittel verschrieben zu bekommen." Lauterbach forderte, Mediziner

        müssten gerade bei jüngeren Patienten sorgsamer sein. "Bevor

        bestimmte Modesubstanzen wie Anti-Dementiva verschrieben werden,

        sollte ein Psychotherapeut eingeschaltet werden. Der durchschaut

        schnell, wenn eine Krankheit nur vorgetäuscht wird." Seite 13

 

 

          RBERGIUS

 

 

 

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 37)

Datum: Freitag, den 13. Februar 2009

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