Studie:
Mittelschicht schrumpft
Millionen Menschen steigen einer Studie zufolge bis
zum Jahr 2020 aus der Mittelschicht ab, wenn die Wirtschaft nicht stärker
wächst. Weniger als die Hälfte der Deutschen bezögen dann ein mittleres
Einkommen, meldete die Welt am Sonntag unter Berufung auf die
Unternehmensberatung McKinsey. Zur Einkommensmittelschicht gehöre, wer 70 bis
150 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient. Es betrug 2006 25000 Euro im
Jahr. fr
Zehn
Millionen steigen aus der Mittelschichtab
VON SILKE FREDRICH UND REINHOLD
MICHELS
Düsseldorf Ohne aufwändige wirtschaftliche und soziale Anstrengungen droht Deutschlands
Mittelschicht ein massiver Wohlstandsverlust. Nach einer Studie der
Unternehmensberatung McKinsey würde bis zum Jahr 2020 jeder zweite Deutsche
weniger als ein Durchschnittsgehalt verdienen. Das ist momentan bei 25000 Euro
pro Jahr angesetzt. „Das Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre hat nicht
gereicht, um bei den Bürgern anzukommen“, sagte Frank Mattern, Deutschlandchef
von McKinsey.
Vor einigen Wochen hatte auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung
(DIW) Alarm geschlagen. Demnach verliert die Mitte, und die Extreme entfernen
sich noch weiter voneinander. Die Bundesregierung gab sich daraufhin noch
gelassen. Mit einem Wachstum von 1,7 Prozent in 2008 sei man zufrieden.
Um das Horrorszenario des wegbrechenden Mittelstandes
zu verhindern, ist laut McKinsey-Berechnungen aber ein Wirtschaftswachstum von
jährlich drei Prozent erforderlich. In diesem Fall könnten sich mittlere
Einkommen sogar langfristig von 25000 auf 36000 Euro jährlich erhöhen.
Derartige Wachstumsraten erlebte Deutschland zuletzt Mitte der achtziger Jahre.
Bliebe es hingegen bei durchschnittlich 1,7 Prozent Wachstum, droht die
Mittelstandskatastrophe.
Der stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU-Sozialausschüsse und
Bundestagsabgeordnete Ralf Brauksiepe und der
künftige CDU-Chef in Niedersachsen, David McAllister,
fordern deshalb Steuersenkungen zur Stärkung der Mittelschicht. Brauksiepe und McAllister
bezeichneten gestern in Gesprächen mit unserer Zeitung die Mittelschicht als
konstitutiv für unsere Gesellschaft; ein Schrumpfen der Mittelschicht bereite
ihm politisch mit die größte Sorge, meinte Braukspiepe.
In der neuen Bundestags-Legislaturperiode müssten nicht nur Steuern für
Arbeitnehmer gesenkt, sondern auch weitere Beschlüsse für mehr Kapitalbeteiligung
von Arbeitnehmern gefasst werden. McAllister sagte:
„Wir müssen die, die jeden Morgen pflichtbewusst aufstehen, oft lange Wege zur
Arbeit fahren, ihre Kinder erziehen und die Polizei nur vom Tatort-Krimi
kennen, mehr entlasten.“ Auch die Unternehmensberater von McKinsey fordern zur
Stärkung des Wirtschaftswachstums in Deutschland einen „Paradigmenwechsel“.
Unternehmern müsste der Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert werden,
Strukturreformen an Universitäten müssten dringend umgesetzt und Qualifikationslücken
am Arbeitsmarkt geschlossen werden. „Die Wirtschaft muss den Wandel aber mit
anstoßen, sie darf nicht immer nur auf die Politik zeigen“, erklärte
McKinsey-Chef Mattern.
Der künftige CDU-Chef in Niedersachsen, McAllister,
hat zudem Verständnis für CSU-Chef Erwin Huber, wenn dieser für die
Wiedereinführung der Pendlerpauschale werbe. Die Fahrt zum Arbeitsplatz sei
schließlich keine solche zum Golfplatz.
LEITARTIKEL SEITE A2
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/SILKE FREDRICH UND REINHOLD MICHELS
Was
ist Mittelschicht?
Zu dieser Einkommensschicht gehören in Deutschland all jene, die 70 bis 150
Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. Dies entspricht derzeit 25000
Euro.
Der Begriff der Mittelschicht entstand in Abgrenzung zur Theorie der
Zwei-Klassen-Gesellschaft.
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Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.104
Datum: Montag, den 05. Mai 2008
Seite: Nr.1