Stadt schlägt Alarm: Altersarmut nimmt stark zu

 

SENIOREN III. Über 6000 Düsseldorfer leben von der Grundsicherung. Fast 80 Prozent davon sind über 65 Jahre alt.

Die Kanzlerin sieht "Gesprächsbedarf". Macht ihr das doch auch die Statistik unmissverständlich deutlich. Denn die Zahl der Menschen, die von der sogenannten Grundsicherung leben, hat sich in drei Jahren im Bund verdoppelt. Das spiegelt getreu auch die Düsseldorfer Bilanz wieder - und signalisiert Alarm!

Düsseldorf zahlt über 40 Millionen dazu

Als die Grundsicherung - zuvor als Sozialhilfe verschrien - 2003 neu benannt wurde, betraf das im Dezember dieses ersten Jahres 3729 Düsseldorfer. Im vergangenen Dezember waren es schon 6247 und damit 40,8 Millionen Euro, die aus der Stadtkasse bezahlt werden müssen. Deshalb fordert auch Roland Buschhausen, Leiter des Amtes für Soziale Sicherung: "Das muss zugunsten der Kommunen überprüft werden!" Damit zieht er mit dem Städtetag und dem Deutschen Landkreistag gleich.

Gedacht war die Einführung der Grundsicherung, um die verdeckte Altersarmut zu entschleiern. Jetzt zeigt sich deutlich, wie hoch diese Armut ist. Buschhausen: "Wir rechnen mit steigenden Zahlen, weil die Menschen immer älter werden, mehr über immer geringeres Einkommen verfügen und immer mehr von Hartz IV leben. das alles wirkt sich Renten schädlich aus." Speziell in der Landeshauptstadt kommt hinzu, was eine EU-Wertung ergab: Düsseldorfer fühlen sich schneller arm, als Bewohner anderer Städte. Weil es hier am Rhein sehr viele Reiche gibt, ist die gefühlte Armut größer.

Altersrente von 86 Euro

Fakt aber ist: Altersarmut ist immer noch weiblich. 78 Prozent oder 4248 derer, die von Grundsicherung leben müssen, sind älter als 65 Jahre. 2832 sind Frauen. Die müssen sich, zumal mit geringen Arbeitsjahren, oft mit der geringsten Grundsicherung abfinden. Ein Durchschnittsbeispiel: So bekommt eine Alleinstehende etwa eine Altersrente von 86 Euro sowie monatlich eine Witwenrente von 310 Euro. Ihre Miete beträgt 275 Euro plus 46 Euro Heizkosten. Rechnet man nun den Regelsatz für den sogenannten Haushaltsvorstand dazu, der mit 345 Euro dem Hartz-IV-Geld entspricht, hat sie einen monatlichen Bedarf von 666 Euro. An Grundsicherung stehen ihr allerdings nur 270 Euro zu. Für die Differenz muss das Sozialamt aufkommen.

Berechnet wird die Grundsicherung in den beiden städtischen Servicezentren: Benrodestraße 46 in Benrath, Tel: 89 97 344, und in der Innenstadt, Kasernenstraße 6, Tel: 89 24 488. Im Frühjahr ziehen die Zentren um: Eins wird in Eller eröffnet, das andere an der Münsterstraße.


05.02.2007    ANNA LEWY