Sozialverbände warnen vor Altersarmut
VON EVA QUADBECK
Berlin Die Bedeutung der gesetzlichen Rente als Alterssicherung schrumpft
dramatisch. „Wir steuern auf eine Altersarmut von zehn Prozent zu“, sagte der
Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider,
gegenüber unserer Zeitung.
Aktuell trägt die gesetzliche Rente zu 65Prozent zum Einkommen der Ruheständler
bei, wie aus dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung hervorgeht. Dazu
kommen Einnahmen aus privater Vorsorge. Ein Senioren-Ehepaar in Deutschland
verfügt über ein durchschnittliches Haushalts-Nettoeinkommen von rund 2271Euro.
Der Anteil der Rentner, die mit rund 800Euro Grundsicherung monatlich leben
müssen, liegt nach Angaben des Sozialverbands bei nur 2,5 Prozent. Zum
Vergleich: Die Kinderarmut liegt in Deutschland bei zwölf Prozent.
Die Bedeutung der Rente sinkt, weil die Rentenerhöhungen inzwischen so niedrig
ausfallen, dass sie die Teuerungsrate und steigende Sozialbeiträge nicht mehr
ausgleichen. Das wiederum hängt mit der Bevölkerungsentwicklung zusammen: Immer
weniger junge Menschen müssen für die Bezüge von immer mehr Senioren aufkommen.
Um die Jungen nicht zu überfordern, hat die Regierung mit dem
Nachhaltigkeitsfaktor dafür gesorgt, dass die Renten langsamer steigen, als es
die Lohnentwicklung vorsieht. In Zahlen: Das Rentenniveau werde von heute 50,5
Prozent des Bruttogehalts auf 46,2 Prozent im Jahr 2022 sinken, sagte
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD).
Der Bedeutungsverlust der gesetzlichen Rente gewinnt nochmals an Fahrt, weil
auch die Ansprüche der derzeit Erwerbstätigen sinken: Geringverdiener und
Erwerbstätige, die wegen Zeitverträgen, Arbeitslosigkeit oder Familienphasen
nicht kontinuierlich in die Rentenkasse einzahlen, erwerben auch weniger Rentenpunkte.
„Wir müssen angesichts dieser drohenden Probleme Vorsorge betreiben“, sagte
Gerald Weiß, Chef der Unions-Arbeitnehmergruppe im Bundestag: „Wer ein Leben
lang gearbeitet hat, kann wegen eines niedrigen Verdienstes im Alter dennoch
auf Grundsicherung angewiesen sein.“ Für diese Fälle fordert der CDU-Politiker
eine „Rente nach Mindesteinkommen“, die „als Anerkennung der Lebensleistung“
über dem Niveau der Grundsicherung liegen soll.
Die Mehrheit der Bevölkerung ist offenbar darauf vorbereitet, dass sie sich
nicht auf die gesetzliche Rente verlassen kann. Wie aus dem „Datenreport 2008“
hervorgeht, sind nur 26Prozent der Bevölkerung der Ansicht, dass die eigene
Rente sicher ist.
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/EVA QUADBECK
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.272
Datum: Donnerstag, den 20. November 2008
Seite: Nr.1