"Schuldengettos"
Creditreform schlägt Alarm
Düsseldorf - Die Schere zwischen Arm und reich öffnet sich
in
Deutschland weiter und trägt einer Creditreform-Studie
zufolge
mittlerweile zur Entstehung von "Schuldengettos"
bei, in denen besonders
viele überschuldete Menschen leben.
"Der Trend ist Besorgnis erregend", sagte Helmut Rödl, Vorstand der
Wirtschaftsauskunftei Creditreform,
bei der Vorstellung eines
Schuldner-Atlas. Die Zahl der überschuldeten Menschen sei in
Deutschland
zum Stichtag 1. Oktober von 7,0 Millionen im vorigen auf 7,2
Millionen
in diesem Jahr gestiegen, was einer Schuldnerquote von 10,68
Prozent
entspreche. Die Zahl der überschuldeten Haushalte habe von
3,1 Millionen
vor zwei Jahren auf 3,4 Millionen zugenommen. Zwar nehme die
Überschuldung langsamer zu, sie balle sich aber zusehends in
krisengeschüttelten Städten und führe quasi zur Entstehung
von
"Schuldenghettos", sagte Rödl.
Immer häufiger führe Verschuldung zu
Überschuldung und anschließend zur Verarmung. Die Schuldnerquote
wird
nach Rödls Erwartung künftig eher
noch weiter steigen.
Als überschuldet gelten Erwachsene, deren monatliche
Gesamtausgaben die
Einnahmen übersteigen, wobei mögliche Kredite bereits
ausgeschöpft sind.
Die Schuldnerquote in Ostdeutschland lag mit 11,35 Prozent
leicht über
der Quote von 10,55 Prozent in Westdeutschland. Allerdings
hatte im
Westen mehr als die Hälfte der Betroffenen einen
Schuldenberg von 10 000
bis 50 000 Euro angehäuft, während die Mehrheit im Osten mit
2500 bis 10
000 Euro in der Kreide stand.
Die höchsten Schuldnerquoten weisen der Studie zufolge die
Bundesländer
Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt auf, die niedrigsten
Quoten wurden in
Bayern und Baden-Württemberg registriert. Auf Ebene der
Kommunen sind
die Bewohner von Bremerhaven mit einer Quote von 20,68
Prozent am
häufigsten von ihren Schulden überfordert, gefolgt von
Offenbach am Main
mit 17,21 Prozent und Flensburg mit 16,94 Prozent.
Vergleichsweise
glücklich können sich dagegen die bayerischen Landkreise
Eichstätt mit
4,16 Prozent, Straubing-Bogen mit 5,07 und Regensburg mit
5,3 Prozent
überschuldeter Bürger schätzen.
Ursache von Verschuldung seien vor allem Arbeitslosigkeit
oder sehr
niedrige Einkommen, oft auch eine geschiedene Ehe oder eine
gescheiterte
Selbständigkeit, sagte Rödl. Daher
sei nicht mit einer schnellen
Verbesserung der Lage zu rechnen. rtr
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FR online 2006
Dokument erstellt am 02.11.2006 um 17:04:07 Uhr
Letzte Änderung am 02.11.2006 um 23:09:23 Uhr
Erscheinungsdatum 03.11.2006