Risiko
Altersarmut
Forscher
sind sicher: So wohlhabend wie die Rentner von heute werden die von morgen
nicht sein
Von Katharina Sperber
Von den rund 20 Millionen Rentnern
beziehen derzeit nur 2,4 Prozent eine Grundrente auf Grundsicherungsniveau und
sind somit mit Fug und Recht arm zu nennen. Die Bruttorente eines derzeitigen
Durchschnittsverdieners beträgt nach 45 Beitragsjahren rund 47 Prozent des
Durchschnittseinkommens der Aktiven. Bis 2030 geht der Wert allerdings auf 42
Prozent zurück. Um ein solches Niveau zu erreichen, bedarf es nach Berechnungen
von Experten der Deutschen Bank dann einer Versicherungszeit von 47 Jahren.
Versicherte, die künftig nicht mindestens 28 Jahre Beiträge einzahlen oder 60
Prozent des Durchschnittslohnes verdienen, werden mit ihrer Rente kaum noch das
Niveau der staatlichen Grundsicherung erreichen.
In diesen wenigen Zahlen steckt das
ganze Szenario der Rentendebatte. Kurz gesagt: Den heutigen Rentnern geht es in
ihrer Mehrheit nicht schlecht. Anders als ihren Vorgängern in den 70er und 80er
Jahren, als Altersarmut ein großes Problem in Deutschland war. Grund dafür
damals: die durch Krieg und Aufbaujahre mehrfach gebrochenen Berufsbiografien
und die niedrigen Löhne in den Anfangsjahren der Bundesrepublik.
Genau dieselben Gründe können auch
künftige Rentner in die Altersarmut führen, wenn die Politik nicht
gegensteuert. Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitute machen dafür
vor allem die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich: Immer mehr
Beschäftigte müssen sich mit niedrigen Löhnen, prekären Jobs zufrieden geben
und sind immer mal wieder oder sogar längere Zeit arbeitslos. Das bedeutet,
dass sie nicht immer und vor allem keine hohen Beiträge in die
Rentenversicherung einzahlen können und am Ende auch keine hohe Rente erwarten
können. Diverse Rentenreformen, die alle auf eine Senkung des Rentenniveaus
hinausliefen, schmälern das künftige Altersruhegeld zusätzlich.
Das muss nicht zwangsläufig in die
Altersarmut führen, denn künftige Ruheständler werden noch häufiger als heute
nicht allein von ihrer gesetzlichen Rente leben müssen, sondern sorgen
zusätzlich privat vor und dürfen auf Betriebsrenten hoffen. Bei der vom Staat
geförderten Riester-Rente etwa ist die Teilnahmequote in den letzten beiden
Jahren bereits von unter 20 Prozent auf über 30 Prozent nach oben geschnellt.
Trotzdem nehmen noch immer zwei Drittel der Berechtigten nicht teil.
„In jedem Fall aber wird die gute
materielle Ausstattung der heutigen Rentner keinen Bestand in der Zukunft
haben“, sagt Heinz-Herbert Noll von der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher
Infrastruktureinrichtungen in Mannheim. Er hat die Einkommen der Alten von 1983
bis 2003 analysiert. Besonders ist ihm dabei aufgefallen, dass es den
Pensionären materiell sehr viel besser geht als den Rentnern. „Aber darüber
redet merkwürdigerweise keiner.“
SPERBER
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 94)
Datum: Dienstag, den 22. April 2008
Seite: 3