Reiche zahlen weniger Steuern

Spitzensätze sinken in vielen Ländern / KPMG rechnet mit Wende

Von Christine Skowronowski

Trotz Wirtschaftskrise müssen Spitzenverdiener weniger Geld an den Fiskus abführen. Der weltweit durchschnittliche Spitzensteuersatz fiel von 2003 bis zu diesem Jahr von 31,2 auf 28,9 Prozent, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervorgeht. 37 von 86 Ländern haben die Obergrenzen gesenkt. Allein seit 2008 fiel die Belastung um 0,3 Punkte.

Noch aussagekräftiger ist allerdings die Steuerbelastung bei bestimmten Einkommenshöhen. Bei 100

000 Dollar im Jahr liegt Deutschland mit einem Satz von 20,1 Prozent im europäischen Mittelfeld und damit hinter Italien (33,5) und Großbritannien (25,4) .

Deutlich höher als andere Staaten ist die Bundesrepublik mit 35,6 Prozent bei einem Einkommen von 300

000 Dollar angesiedelt. Niedrigere Sätze haben Frankreich (23) und die Schweiz (25,6). Werden die Sozialabgaben mit berücksichtigt, kommen deutsche Topverdiener auf 40,9 Prozent Belastung, in Frankreich sind es 43 Prozent. Viele Topverdiener in Deutschland kommen unter dem Strich auch deshalb besser weg als jene in anderen europäischen Ländern, weil sie wegen der Beitragsbemessungsgrenzen nur für einen geringen Teil ihres hohen Einkommens auch Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen. Wer in Deutschland 300

000 Dollar pro Jahr verdient, führt demnach dafür nur 5,3 Prozent Sozialabgaben ab.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG geht allerdings davon aus, dass die Spitzensteuersätze in Zukunft aufgrund der wirtschaftlichen Krisen und hoher Staatsverschuldungen wieder steigen werden. Erste Anzeichen für eine Trendwende gebe es. So habe zum Beispiel Irland angekündigt, seinen Spitzensatz in diesem Jahr um fünf Punkte auf 46 Prozent anzuheben. Großbritannien habe bereits beschlossen, im nächsten Jahr das Limit für Großverdiener um zehn Punkte heraufzusetzen. Er würde dann etwa 50 Prozent betragen. Auch in den Vereinigten Staaten gibt es nach dem Regierungswechsel inzwischen Überlegungen, die Spitzensätze anzuheben. In Deutschland liegt der reguläre Spitzensteuersatz bei 42 Prozent. Für den Einkommensteil über 250

000 Euro gibt es einen Extra-Spitzensteuersatz von 45 Prozent.

KMPG sieht eine mögliche Anhebung von Spitzensteuersätzen in einigen Ländern allerdings kritisch. Denn solche Einkommensschichten hätten weitaus größere Möglichkeiten, ihren Wohn- und Arbeitsort zu "verlegen". Daher setze auch immer wieder ein Wettbewerb um solche Steuerbürger ein, was eigentlich gegen eine Erhöhung der Sätze spreche.

Aufstrebende Staaten wie zum Beispiel Litauen haben nicht zuletzt aus diesem Grund ihre Spitzensteuersätze von 33 Prozent im Jahre 2003 auf nunmehr 15 Prozent gesenkt.

Fr 25.8.09