Realität überholt Ackermanns Renditeziel von 25 Prozent

Studie zeigt, dass im vergangenen Konjunkturzyklus das Gros der deutschen Firmen sensationell verdient hat

Von Robert von Heusinger

Über diese Studie werden sich die PR-Strategen der Deutschen Bank freuen. Seit etwa einem Jahr versuchen sie das Renditeziel von 25 Prozent gemessen am Eigenkapital zu verharmlosen, in dem sie auf Industrieunternehmen in Deutschland verweisen, die genau so viel und noch mehr verdienen. Schützenhilfe kommt nun ausgerechnet von der Staatsbank KfW. In einer Studie, die sich explizit auf das Renditeziel der Deutschen Bank bezieht, kommt sie zu dem Schluss: Das Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern sei für die Deutsche Bank und auch für viele andere Unternehmen nicht so ehrgeizig wie oft eingeschätzt.

Die Autoren untersuchen die Periode 2003 bis 2007, also genau einen Wirtschaftszyklus vom Tief bis zum Hoch und errechnen durchschnittliche Eigenkapitalrenditen. Während es die 80 größten börsennotierten Konzerne ohne Finanzinstitute auf eine durchschnittliche Rendite von 26,3 Prozent vor Steuern bringen, schafft es der nicht börsennotierte Mittelstand immerhin auf stolze 23,8 Prozent. Je kleiner die Firmen, desto höher die Rendite, aber auch umso anfälliger für konjunkturelle Schwankungen.

Allerdings zeigt die Studie auch, dass der Schuldenhebel für die Höhe der Rendite entscheidend ist. Firmen, die hoch verschuldet sind, also wenig Eigenkapital aufweisen, verdienen mehr, leiden aber auch in der Rezession dafür umso stärker. Während die Dax- und M-Dax-Werte ein durchschnittliches Eigenkapital von rund 35 Prozent aufweisen und 65 Prozent Schulden, bringt es der Mittelstand nur auf eine Eigenkapitalquote von etwas mehr als 20 Prozent.

Die Autoren der KfW-Studie widersprechen der These von Kritikern einer hohen Zielrendite, wonach diese zulasten der Arbeitsplätze gehe. Vielmehr böten erfolgreiche Wachstumsstrategien sowohl höhere Renditechancen als auch Chancen für zusätzliche Beschäftigung.

Die Eigenkapitalrendite errechnet sich aus dem in der Bilanz stehenden Eigenkapital einer Firma im Verhältnis zum aktuellen Jahresgewinn. Ackermann hatte 2003 eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent als Ziel ausgegeben und danach auch mehrfach erreicht. Aus der Politik und von Gewerkschaften war Ackermann dafür wiederholt kritisiert worden. mit dpaKommentar Seite 17

 

Kommentar

Zu kurz

Von Robert von Heusinger

Der Renditewahn, den alle Kritiker des Turbokapitalismus so gerne geißeln, ist in Wirklichkeit keiner. Das versucht uns zumindest eine frische Studie der Staatsbank KfW weiszumachen. Sie hat - und das ist verdienstvoll - mal nachgeschaut, wie viel die meist sehr verschwiegenen Mittelständler eigentlich so verdienen. Und siehe da: Im Schnitt brachte es das berühmte Rückgrat der deutschen Wirtschaft in den Jahren 2003 bis 2007 auf stolze 23 Prozent vor Steuern. Das sage noch mal einer, der Standort Deutschland sei unattraktiv.

Doch was macht die KfW mit diesen Zahlen? Sie verteidigt damit das Renditeziel von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Ja, sie nennt das Ziel sogar "weniger ambitioniert, als es oft eingeschätzt wird". Wie passt diese Aussage zum Bemühen aller Staats- und Regierungschefs, der Zentralbanker und Finanzaufseher, die den Banken mehr Eigenkapital vorschreiben wollen, damit der Renditewahn ein Ende hat? Sie passt natürlich nicht.

Auch die KfW stellt fest, dass je höher der Schuldenhebel, desto höher die Rendite, aber eben auch das Risiko. Deshalb wäre das der richtige Schluss aus der Untersuchung gewesen: Der deutsche Mittelstand weist zu wenig Eigenkapital auf und deshalb zu hohe Renditen. Das macht die deutsche Volkswirtschaft für Krisen anfälliger als nötig.

Denn Eigenkapital ist der Puffer, der den Firmen in schweren Zeiten wie diesen zu überleben hilft. Je geringer das Eigenkapital, desto eher klappen die Firmen zusammen und bürden dem Staat die Kosten für Arbeitslosigkeit und Verlust an firmenspezifischem Wissen der Mitarbeiter auf - sprich, die Volkswirtschaft als Ganzes verliert, weil die Firmen zu kleine Puffer (zu hohe Renditeziele) haben.

Doch die Studie greift auch deshalb zu kurz, da sie nur eine ganz kleine Periode untersucht hat, die Jahre ab 2003. Das waren die Jahre, in denen die Gewinnquote explodiert ist und den höchsten je gemessenen Stand seit den 50er Jahren erreicht hat. Deshalb möge niemand die Studie überbewerten. Die Debatte über das richtige Maß von Verschuldung und Rendite muss geführt werden, aber bitte nicht so. Seite19

Renditewahn bleibt Renditewahn

Fr 5.11.09