Prüfer halten staatlich geförderte Berufspraktika nicht für erfolgreich /
Mängel bei Erfolgskontrolle gerügt
Der Bundesrechnungshof übt
nach FR-Informationen
Kritik am Ausbildungspakt. Nach seiner Einschätzung ebnen die staatlich geförderten
Berufspraktika nur selten den Weg in eine Ausbildung. Die Bundesagentur für
Arbeit (BA) lehnt eine Kurskorrektur ab.
Berlin · Vor einer Woche hatten
Wirtschaft und BA eine positive Bilanz des Ausbildungspakts gezogen. Die
Einstiegsqualifizierungen – subventionierte Praktika für Jugendliche ohne
Lehrstelle – lobten sie als „erfolgreiche Brücke in die Berufsausbildung“. Der
Rechnungshof kommt in einem internen Bericht, der der FR vorliegt, zu einem
anderen Ergebnis. Die „Integrationserfolge in betriebliche
Ausbildungsverhältnisse“ seien „eher gering“. Nach den vorliegenden Daten
schaffe nur jeder zweite Jugendliche den Übergang in eine Ausbildung. Die
Prüfer ermittelten besonders in den neuen Ländern enttäuschende Werte. Dies
gelte „auch dann, wenn man die schwierige Lage am Ausbildungsmarkt
berücksichtigt“. Die Paktpartner beziffern ihre Erfolgsquote auf 70 Prozent.
Der Rechnungshof beanstandet jedoch die
Sorglosigkeit bei der Erfolgskontrolle. „Bedenklich“ sei zudem, dass die
Arbeitsagenturen Firmen Steuermittel zuleiteten, auch wenn diese für die
Jugendlichen keine Sozialabgaben zahlten. Die Agenturen prüften nicht einmal,
ob die Betriebe die Praktikumsvergütung von 192 Euro im Monat zahlten. Sie
verließen sich darauf, dass sich die Jugendlichen von allein beschweren. Das
hält der Rechnungshof für wirklichkeitsfremd.
Bundesanstalt verteidigt sich
Die BA sichert
in ihrem Antwortschreiben zu, die Missbrauchsfälle zu überprüfen. Zugleich
verweist sie darauf, dass ihre Praxis den Vorgaben des Ausbildungspaktes und
der Bundesregierung entspreche.
DGB-Chef Michael Sommer forderte,
sofort Schluss zu machen mit Einstiegspraktika ohne Bezahlung und
Sozialabgaben. „Die Gewinner der Einstiegspraktika sind offenbar vorwiegend
Firmen und Wirtschaft, die mit Hilfe dieser Instrumente geschönte
Ausbildungsbilanzen präsentieren und sich teilweise daran noch bereichern“,
sagte Sommer der FR. Er nannte es einen „Skandal“, dass den Jugendlichen
teilweise Sozialversicherung und Bezahlung vorenthalten werde. Dies beweise „einmal
mehr, dass der Ausbildungspakt weitgehend versagt“. Markus Sievers
Kommentar Seite 3
RSIEVERS
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 31)
Datum: Dienstag, den 06. Februar 2007
Seite: 1
„Praktika erfolgreich“
Kritik an Rechnungshof-Kritik
Berlin · Die Arbeitgeberverbände haben die Kritik des
Bundesrechnungshofes am Ausbildungspakt von Wirtschaft und Bundesregierung
zurückgewiesen. Die von den Prüfern beanstandeten Berufspraktika hätten sich
„als erfolgreicher Weg in die Ausbildung bewährt“, erklärte die
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) am Dienstag in
Berlin.
Der Bundesrechnungshof war bei einer Kontrolle der so
genannten Einstiegsqualifizierungen zu einem anderen Ergebnis gekommen. In
einem internen Bericht bezeichnete er die „Integrationserfolge in die
betrieblichen Ausbildungsverhältnisse“ als „eher gering“. Er monierte zudem,
dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) zwar aus Steuermitteln Subventionen für
die Einstiegsqualifizierungen an die Firmen verteile, die Erfolge aber kaum
kontrolliere.
Die BDA verwahrte sich auch gegen diesen Vorwurf der Bonner
Behörde. Die Erfolgskontrolle werde durch eine „vom Arbeitsministerium
veranlasste, unabhängige Begleitforschung“ sichergestellt, hielt die
Arbeitgeberlobby dagegen. Genau dies hatte der Bundesrechnungshof allerdings
als unzureichend bemängelt. Eine „Begleitforschung kann die Erfolgsbeobachtung
der Agenturen nicht ersetzen“, heißt es in der Stellungnahme des Rechnungshofs.
Die Oppositionsparteien im Bundestag werteten die Mahnungen
der amtlichen Prüfer als Beleg für ihre Skepsis. „Die Kritik des
Bundesrechnungshofes bestätigt unsere Zweifel an den Einstiegsqualifikationen“,
erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer. Hier werde viel Geld in berufliche Warteschleifen
investiert, ohne dass die Verwendung der Mittel ausreichend kontrolliert werde.
Die bildungspolitische Sprecherin der Linkspartei, Nele
Hirsch, forderte, Einstiegspraktika zu stoppen. Sie hätten mit „qualifizierten
Ausbildungsplatzangeboten nicht das Mindeste zu tun“.
Die FDP-Fraktion „erwartet von der Bundesregierung eine
sofortige Klarstellung zu den Vorwürfen des Bundesrechnungshofes“, sagte ihr
bildungspolitischer Sprecher Patrick Meinhardt.
Markus Sievers
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Datum: Mittwoch, den 07. Februar 2007
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