Protestanten fordern Kampf gegen Armut
Evangelische Kirche plädiert für bessere und gerechtere
Bildung / „Ohne materielle Verteilungsgerechtigkeit läuft Chancengleichheit ins
Leere“
Die Evangelische Kirche will Armut in Deutschland mit besserer
Bildung bekämpfen. Sie verlangt aber auch materielle Gerechtigkeit. Zudem müsse
das soziale Sicherungssystem durch Steuern finanziert werden.
Frankfurt a. M. · „Ohne materielle Verteilungsgerechtigkeit
läuft Chancengleichheit ins Leere“, heißt es in der Denkschrift der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die am Dienstag in Berlin
vorgestellt wurde. Damit stellen sich die Protestanten gegen die weit
verbreitete Auffassung, gerecht ginge es schon zu, wenn alle die gleichen
Chancen hätten.
Menschen müssten in materieller Hinsicht so gestellt werden,
dass ihnen „ein Leben in Würde“ möglich sei, heißt es in dem Papier mit dem
Titel „Gerechte Teilhabe“. Die Höhe der Transferleistungen müsste immer wieder
geprüft und der allgemeinen Entwicklung angepasst werden. Zugleich plädieren
die Protestanten dafür, die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme
„verstärkt und nachhaltig über Steuern sicherzustellen“.
In der Arbeitslosigkeit sieht die EKD die Hauptursache für
Armut und soziale Ausgrenzung. Deswegen helfe bezahlte Arbeit am
wirkungsvollsten, Eigenverantwortung zu stärken. Wichtigste Voraussetzungen
dafür seien Bildung und Ausbildung. Die Christen kritisieren das Bildungssystem
mit seinen selektiven Strukturen. Es trage dazu bei, dass der Schulerfolg eines
Kindes zu sehr von seiner sozialen Herkunft und zu wenig von seinen Begabungen
bestimmt werde. Die EKD dringt auf eine Bildungsreform, befürwortet
frühkindliche Förderung und kostenlosen Zugang zu Kindertagesstätten ab dem
zweiten Lebensjahr.
Es sei allerdings eine Illusion zu glauben, allein durch
bessere Qualifikationen die Arbeitslosigkeit völlig beseitigen zu können, heißt
es in der Schrift. Auch in Zukunft werde eine nennenswerte Gruppe gering
Qualifizierter bleiben, die nur in einem Niedriglohnsektor beschäftigt werden
könne. Deswegen gebe es „keine Alternative zu Beschäftigungsförderung von
gering bezahlten Arbeitsplätzen“. Dafür stünde schon eine Vielzahl von
Instrumenten bereit. Sie sollten jedoch gestrafft und „wo nötig durch
weitergehende, auch psychosoziale Hilfen ergänzt“ werden. In einem reichen Land
wie Deutschland solle es aber Ziel sein, „den Niedriglohnsektor so klein wie
möglich zu halten“.
Die EKD spricht sich auch für einen „kleinen öffentlich
geförderten Arbeitsmarkt“ aus. Auch wenn solche Tätigkeiten ökonomisch
ineffizient seien, sei es menschlich und wirtschaftlich unbefriedigend, wenn
Menschen mit Behinderung und Bildungsschwache gar keine Chance auf einen
Arbeitsplatz erhielten.
Die Protestanten begrüßen die Familienpolitik der großen
Koalition. Mit Elterngeld und Steuervergünstigungen würde aber vor allem das
Ziel verfolgt, die Zahl der Geburten zu erhöhen. Das aber helfe den zwei
Millionen armen Kindern nicht viel. Sie bedürften „institutioneller
Förderleistungen“, wie Kindergärten und Ganztagsschulen.
Angesichts der vielen Ressourcen im Land gebe es „keine
Entschuldigung“, unzureichende Teilhabe und Armut nicht überwinden zu wollen.
In diesem Zusammenhang unterstreicht die EKD die im Grundgesetz
festgeschriebene „Sozialpflichtigkeit des Eigentums“. Das Thema Armut könne vom
Thema Reichtum nicht getrennt werden.
Erarbeitet hat die Denkschrift die Kammer für soziale
Verantwortung der Evangelischen Kirche. Dem Gremium gehören Politiker,
Vertreter aus Wirtschaft und Gewerkschaften sowie Juristen und Sozialethiker
an. Vorsitzender ist Gert G. Wagner vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW). Katharina Sperber
SPERBER
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 159)
Datum: Mittwoch, den 12. Juli 2006
Seite: 5
Mit leerem Bauch lernt man nicht gut
Ohne materielle Sicherheit bleiben
Chancen ungenutzt / Auszüge aus der evangelischen Denkschrift „Gerechte
Teilhabe“
Gerechte Teilhabe –
Befähigung zur
Eigenverantwortung und Solidarität.
Eine Denkschrift der
Evangelischen Kirche
Gütersloher Verlagshaus, 80 S., 4,95
Euro.
ISBN 3-579-02385-4
Das Buch
Die Herausforderung, Armut entschlossen
zu bekämpfen, stellt sich heute in Deutschland in anderer Weise als früher.
Zwar muss auch heute dafür gesorgt werden, dass Menschen in materieller
Hinsicht so gestellt werden, dass ihnen ein Leben in Würde möglich ist. Die
Höhe der entsprechenden materiellen Transferleistungen muss immer wieder
geprüft und den allgemeinen Entwicklungen angepasst werden. Der Aspekt der
Verteilungsgerechtigkeit bleibt daher von großer Bedeutung, denn wenn Menschen
in die Situation geraten, kein eigenes Einkommen erzielen zu können, ist der
Anspruch auf materielle Basissicherung die Voraussetzung dafür, weiter gehende,
nichtmaterielle Unterstützung überhaupt nutzen zu können. Aber solidarisch
gewährte materielle Unterstützung und ein staatlicher gestützter Arbeitsmarkt
reichen nicht aus, um nachhaltig vor Armut bewahrt zu bleiben. Entscheidend ist
mehr denn je, dass auch von staatlicher Seite aktivierende und unterstützende
Hilfen und insbesondere wirksame Bildungsmöglichkeiten bereitgehalten werden,
um eine breite Teilhabe der betreffenden Menschen an der Gesellschaft zu
sichern bzw. wiederherzustellen. Nur durch die Verbesserung der
Teilhabegerechtigkeit ist eine dauerhafte Sicherung vor Armut im Sinne von
Ausgrenzung möglich.
Solidarität und Freiheit sind
zwei Seiten einer Medaille
In der hoch entwickelten und reichen
Gesellschaft Deutschlands ist es auch aus ethischer Sicht notwendig, nicht nur
extreme Armut – also materielle Armut unterhalb des sozio-kulturellen
Existenzminimums –, sondern auch Armut im Sinne unzureichender Teilhabe
entschlossen und wirkungsvoll zu bekämpfen. Weit mehr als in ärmeren
Gesellschaften kann es keine Entschuldigung geben für politische Zögerlichkeit
oder eine mangelnde Bereitstellung von Ressourcen und Bildung zur Vermeidung
von Armut und zur Stärkung von Solidarität. Es entspricht dem christlichen
Verständnis und liegt im Interesse aller, dass dies wirksamer als bisher
gelingt. Diese Aufgabe kommt dabei besonders den in politischer, sozialer und
wirtschaftlicher Verantwortung Stehenden zu. Wohlstand und gesellschaftliche
Stabilität lassen sich dauerhaft nur für alle gemeinsam sichern. Wenn sich aber
ein großer Teil der Bevölkerung als ausgeschlossen erlebt und die Differenzen
zwischen Reichen und Armen immer weiter wachsen, kann es keine allseits als
gerecht erlebte gesellschaftliche Entwicklung geben.
Solidarität und Freiheit sind zwei
Seiten einer nachhaltigen und gerechten wirtschaftlichen, sozialen und nicht
zuletzt kulturellen Entwicklung. Nur Menschen, die sich ihrer Teilhabe an der
Gesellschaft sicher sind, können sie auch in einer demokratischen,
solidarischen und nachhaltigen Weise gestalten.
Das christliche Verständnis von
Teilhabe gründet in der den Menschen geschenkten Teilhabe an der Wirklichkeit
Gottes. Die Bibel hebt die unverlierbare Würde des Menschen hervor und
illustriert die Überzeugung von der jedem Menschen gegebenen Fähigkeit zur
aktiven Teilhabe unter anderem in der Symbolik des Leibes Christi (1. Korinther
12 u. a.). Gott gewährt den Menschen in der Kraft des Heiligen Geistes Anteil
an seiner Fülle: Unterschiedliche Begabungen (die jedem einzelnen durch den
Geist verliehenen „Charismen“) befähigen Menschen, die ihnen in ihrer
Lebenssituation gestellten Aufgaben zu erfüllen. Dieser Gedanke hat sich in
unserer Rede von „Begabung“ erhalten. Wird den Menschen Teilhabe an Gottes
Kraft geschenkt, ohne dass sie selbst etwas dafür tun müssten, so ist es ihre
Aufgabe, diese Begabungen in ihrem Leben fruchtbar werden zu lassen – für sich
selbst und für andere, also auch für das Gemeinwohl. In der Realisierung dieser
aktiven Teilhabe an den gesellschaftlichen Aufgaben liegt ihre Verantwortung
vor Gott und ihren Mitmenschen. Die von Gott gewährte Teilhabe an ihm selber
bewährt sich so in der aktiven Weltgestaltung. Aus diesen theologischen
Überlegungen folgen individualethische Konsequenzen für die von Einzelnen und
Gemeinden im konkreten Umfeld auszuübende persönliche Barmherzigkeit ebenso wie
sozialethische Konsequenzen für die Gestaltung einer gerechten Gesellschaft im
Ganzen.
Bildung ist der Schlüssel
für den Arbeitsmarkt
Eine gerechte Gesellschaft muss so
gestaltet sein, dass möglichst viele Menschen tatsächlich in der Lage sind,
ihre jeweiligen Begabungen sowohl zu erkennen, als auch sie auszubilden und
schließlich produktiv für sich selbst und andere einsetzen zu können. Eine
solche Gesellschaft investiert folglich, wo immer es geht, in die Entwicklung
der Fähigkeiten der Menschen zur Gestaltung ihres eigenen Lebens sowie der
gesamten Gesellschaft in ihren sozialen und wirtschaftlichen Dimensionen. Eine
solche Gesellschaft ist so verfasst, dass sich diese aus den individuellen
Begabungen erwachsenen Gaben und Fähigkeiten, biblisch »Charismen« genannt, zur
möglichst eigenverantwortlichen Sicherung des Lebensunterhalts und im Interesse
aller solidarisch einsetzen lassen. Das heißt mit Blick auf das gegenwärtige
Wirtschaftssystem, dass ein größtmöglicher Teil der Bevölkerung über bezahlte
Arbeit verfügen soll, so weit er dies anstrebt, und dass gleichzeitig die
wichtige, vielfältig geleistete familiale, soziale
und gesellschaftliche Arbeit in angemessener Weise anerkannt und integriert
wird. Der Begriff der „gerechten Teilhabe“ meint genau dies: umfassende
Beteiligung Aller an Bildung und Ausbildung sowie an den wirtschaftlichen,
sozialen und solidarischen Prozessen der Gesellschaft. Eine Verengung auf eine
oder wenige Zieldimensionen der Teilhabe verbietet sich aus der Sache heraus.
Insofern bedarf es immer wieder einer sorgfältigen Diskussion dieses Begriffs
und der Klärung der detaillierten Konsequenzen für die aktuelle Praxis.
Im Mittelpunkt aktivierender und
unterstützender Hilfen steht die auf allen Ebenen, insbesondere aber durch das
Bildungssystem zu leistende Vermittlung von Kompetenzen. Diese Kompetenzen
zielen vor allem auf die Entwicklung von Eigenverantwortung und Solidarität.
Hier liegt der Schlüssel für eine wirksame Armutsbekämpfung – und hier gibt es
in Deutschland einen hohen Nachholbedarf. Das deutsche System der Elementar-
und Schulbildung schützt im Ergebnis nicht nur zu wenig vor Armut, sondern
weist erhebliche selektive Strukturen auf, die materielle, kulturelle und
soziale Trennungen reproduzieren. Es trägt so dazu bei, dass der Schulerfolg
eines Kindes vergleichsweise zu sehr von seiner sozialen Herkunft und zu wenig
von seinen Begabungen bestimmt wird. Notwendig ist
Entschlossenheit auf allen Ebenen, endlich Chancengerechtigkeit praktisch zu
realisieren und die vorhandenen Fähigkeiten zur Entwicklung von
Eigenverantwortung und Solidarität in Erziehung, Bildung und Ausbildung zu
fördern. Ein neuer Geist der Wertschätzung und der Beteiligung muss die in der
Bildung vorhandenen Tendenzen zur Ausgrenzung und Entsolidarisierung
überwinden. Dabei wird davon auszugehen sein, dass es immer Menschen geben
wird, denen es nicht gelingt, das Bildungssystem erfolgreich zu durchlaufen.
Gerade diesen Menschen muss in einem funktionierenden Sozialstaat mit
gesetzlich geregelten Leistungen gezielt und nachhaltig geholfen werden.
Die Vermittlung von Kompetenzen im
Bildungssystem ist die entscheidende Voraussetzung zur Teilhabe an der
Gesellschaft. In hoch entwickelten komplexen Gesellschaften und zumal unter den
Bedingungen der Globalisierung bietet vor allem Bildung und Qualifizierung die
Chance, einen Arbeitsplatz zu erhalten und so dauerhaft vor Armut gesichert zu
sein. Allerdings ist es illusorisch anzunehmen, dass allein durch gesteigerte Qualifizierung
Arbeitslosigkeit auf absehbare Zeit gänzlich beseitigt werden könnte. Es wird
eine nennenswerte Gruppe von weniger Qualifizierten bleiben, die nur in einem
Niedriglohnbereich eine Chance auf Arbeit haben werden. Insofern gibt es im
Interesse der Teilhabe Aller an und durch bezahlte Arbeit keine Alternative zur
Beschäftigungsförderung von geringer bezahlten Arbeitsplätzen. Hierfür stehen bereits eine große Zahl von Förderinstrumenten bereit
– sie sollten gestrafft und wo nötig durch weiter gehende, auch psychosoziale
Hilfen ergänzt werden. Dabei besteht die besondere Notwendigkeit, die
Entwicklungen im Niedriglohnsektor dauernd zu beobachten. Das Phänomen der „working poor“, also von
Erwerbstätigen, deren Entlohnung nicht aus der Armut herauszuführen mag,
verdient angesichts zunehmenden Drucks auf die Löhne auch in kirchlichen
Institutionen verstärkte Aufmerksamkeit. Ein Niedriglohnsektor darf kein
Bereich werden, in dem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch eine sich stets
nach unten bewegende Lohnspirale ausgebeutet werden.
In einem reichen Land wie Deutschland sollte es Ziel sein, den
Niedriglohnsektor so klein wie möglich zu halten. Insofern er notwendig ist,
ist es entscheidend, dass es in diesem Bereich überhaupt genügend Nachfrage
nach Arbeitskräften gibt. Wo dies am regulären Arbeitsmarkt nicht der Fall ist,
muss schon um der Menschen willen auf öffentlich geförderte und wo nötig auch
auf direkt öffentlich bereitgestellte Arbeitsplätze zurückgegriffen werden.
Staatlich geschaffene Tätigkeiten mögen ökonomisch ineffizient sein, aber die
heutige Situation ist nicht nur menschlich, sondern auch ökonomisch
unbefriedigend.
Einen zusätzlichen kleinen öffentlich
geförderten Arbeitsmarkt wird es darüber hinaus auch auf Dauer für nicht
ausreichend Bildungsfähige und Menschen mit Behinderungen geben müssen.
Ein weiteres wichtiges Feld zur
Bekämpfung von Armut ist die Familienpolitik. So begrüßenswert alle Maßnahmen
zur Verbesserung der Situation von Familien im Interesse einer Steigerung der
Kinderzahlen als solche auch sind: Der Schwerpunkt dieser Aktivitäten liegt in
der Erleichterung der Situation relativ besser Verdienender. Die große Zahl von
Kindern in Armut werden durch diese Maßnahmen nicht
erreicht und nicht besser gefördert. Ihnen hilft nach aller Erfahrung auch
nicht die Erhöhung von materiellen Leistungen als solches, sondern vor allem
die Bereitstellung institutioneller Förderleistungen. In dieser Hinsicht ist
der kostenlose Zugang zu Kindertagesstätten vom zweiten Lebensjahr an der richtige Weg. Besonderer Aufmerksamkeit bedarf die
Situation Alleinerziehender.
Dringend notwendig ist auf der Linie
der hier vertretenen Grundsätze eine enge Verzahnung von Sozial-, Bildungs- und
Arbeitsmarktpolitik. Nur ein solcher integrativer Ansatz kann die Komplexität
der Gerechtigkeitsdefizite mit dem Ziel der vollen Beteiligung aller an der
Gesellschaft überhaupt zielorientiert in den Blick nehmen. Die Idee des
Forderns und Förderns entspricht den hier vertretenen Grundsätzen. Allerdings
muss im Einzelnen genau geprüft werden, ob die nun vorhandenen, besseren
Möglichkeiten der Aktivierung und Qualifizierung auch von zum Teil bereits
jahrelang arbeitslosen Menschen wirklich genutzt werden können und greifen.
Es führt kein Weg daran vorbei, stärker
Sozial- und Wirtschaftspolitik unter Gerechtigkeitsaspekten zusammen zu denken.
So deutet der internationale Vergleich darauf hin, dass es vorteilhaft ist,
Arbeitsverhältnisse stärker von der Belastung durch Sozialabgaben zu befreien
und die Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme verstärkt und nachhaltig
über Steuern sicherzustellen. Den wirtschaftlichen Aktivitäten verschafft dies
eine größere Flexibilität, was unter den Bedingungen gesteigerten weltweiten
Wettbewerbs vorteilhaft ist. Zusätzlich zu der steuerfinanzierten
Basissicherung, einem steuerfinanzierten sozialen Ausgleich und den nach wie
vor beitragsfinanzierten Sozialversicherungssystemen wird sich der Einzelne für
den Erhalt seines jeweiligen Wohlstandsniveaus gegen zusätzliche Risiken
stärker selbst sichern müssen. (…)
Eine Kirche ohne Barmherzigkeit
ist nicht die Kirche Jesu Christi
Christinnen und Christen sowie Kirche
und Diakonie als Institutionen stehen bei der Armutsbekämpfung in besonderer
Weise in der Pflicht. Die Hinnahme von unfreiwilliger Armut in der Gesellschaft
stellt ein gesellschaftliches wie individuelles Versagen vor Gottes Anspruch
und seinen Geboten dar. Unsere Gesellschaft verfügt über ein in der Geschichte
der Menschheit noch nie da gewesenes Ausmaß an Ressourcen: deswegen gibt es
keine Entschuldigung, unzureichende Teilhabe und Armut nicht entschieden
überwinden zu wollen. Eine Kirche, die auf das Einfordern von Gerechtigkeit
verzichtet, deren Mitglieder keine Barmherzigkeit üben und die sich nicht mehr
den Armen öffnet oder ihnen gar Teilhabemöglichkeiten verwehrt, ist – bei allem
möglichen äußeren Erfolg und der Anerkennung in der Gesellschaft – nicht die
Kirche Jesu Christi. (…)
SPERBER
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 160)
Datum: Donnerstag, den 13. Juli 2006
Seite: 7