Obdachlose vor Rathaus - FDP vermutet Taktik

VON DENISA RICHTERS

 

Gestern Nachmittag rund ums Rathaus: Auf dem Burgplatz, vor dem großen Altstadtherbst-Zelt, sitzen rund zehn alkoholisierte Männer aus dem Obdachlosenmilieu auf den Bänken. Ein ähnliches Bild bietet sich auf der Südseite des Marktplatzes: Im Schatten von Jan Wellem prosten sich grölend elf Männer und Frauen zu. Und das direkt vis-à-vis vom Büro des Oberbürgermeisters.

 

Das müsse doch dem Stadtoberhaupt ein Dorn im Auge sein, wundert sich FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Der kommunale Ordnungsdienst könnte diese Szene aufmischen, tut es aber offenbar nicht.“ Die Liberale vermutet, dass dies bewusst unterlassen werde. „Ich behaupte, dass Szenarien provoziert werden, bis die Schmerzgrenze der Bürger erreicht ist und sie von der Situation nur noch genervt sind.“

 

Was der Grund dafür sein könnte, weiß Strack-Zimmermann auch: „Auf der Basis dieser Stimmung will man doch die verschärfte Straßensatzung durchsetzen.“ Die Verschärfung, die eine Art Sperrgebiet für aggressive Bettler vorsah, war vom OB, der Verwaltung und auch der CDU-Fraktion befürwortet worden, scheiterte letzten Endes jedoch am Nein einer Ratsmehrheit aus FDP, Grünen und SPD. Strack-Zimmermann vermutet, dass die FDP für ihre liberale Haltung gewissermaßen an den Pranger gestellt werden soll, indem man zulässt, dass die Situation sich zuspitzt.

 

Das weist OB Joachim Erwin weit von sich. Der Obdachlosentreffpunkt gegenüber seines Büros störe ihn sehr wohl, der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) müsse dort tatsächlich aktiver werden. Gleichzeitig betont Erwin, dass in dieser Stadt niemand auf der Straße leben müsse. Es sei ein „unitarer Fehler der Obdachlosenpolitik“, dass die Betroffenen morgens aus den Übernachtungsstellen auf die Straße geschickt würden. Besser sei es, ihnen auch tagsüber eine Bleibe anzubieten, wie dies die Diakonie an der Ratinger Straße tue.

Erwin: „In Düsseldorf muss niemand auf der Straße leben“

 

- /DENISA RICHTERS

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.213

Datum: Mittwoch, den 13. September 2006

Seite: Nr.10