Alkoholverbot: CDU macht keinen Vorstoß im Rat

 

 

 

        (dr) Die CDU-Fraktion will nach der breiten Ablehnung eines

        Alkoholverbots im Ordnungs- und Verkehrsausschuss vorerst keinen

        weiteren Vorstoß im Rat machen. Darauf habe man sich in der

        wöchentlichen Sitzung geeinigt, sagte der Fraktionsvorsitzende

        Dirk Elbers. "Das Thema ist zum jetzigen Zeitpunkt leider

        durch." Er könne sich jedoch vorstellen, dass sich eine neue

        Diskussion ergeben könnte, wenn die Probleme auf der Freitreppe

        am Rhein durch randalierende und alkoholisierte Gruppen mit

        steigenden Temperaturen wieder zunähmen.

 

 

          -

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.43

Datum: Mittwoch, den 20. Februar 2008

Seite: Nr.11

 

 

 

Streit um den Burgplatz entzweit CDU und FDP

 

 

      VON HANS ONKELBACH

 

 

 

        Die Kooperation zwischen CDU und FDP, seinerzeit nach der Wahl

        schriftlich fixiert, war noch nie eine Liebesbeziehung. Nun wird

        sie erneut stark belastet: durch den Streit um das Alkoholverbot

        am Burgplatz. Gemeinsam mit SPD und Grünen hatte die FDP ein von

        der Union beantragtes Alkohoverbot mehrheitlich abgelehnt.

        CDU-Fraktions-Chef Dirk Elbers: "Eine krasse Fehlentscheidung,

        die sich gegen die Interessen der Bürger, der Gastronomen und

        der Geschäftsleute richtet."

 

 

 

        Die FDP-Fraktionsvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte

        gestern, sie halte das Verbot für sinnlos, weil untauglich. Mit

        einem Verbot werde das Problem der alkoholisierten Jugendlichen

        am Burgplatz nicht gelöst, sondern nur in andere Bereiche der

        Rheinuferpromenade verdrängt. Natürlich sei es nicht hinnehmbar,

        dass eine Minderheit dort die Mehrheit terrorisiere, aber dem

        könne man nur mit mehr Polizei und OSD-Kräften (OSD: Ordnungs-

        und Service-Dienst des Ordnungsamtes) begegnen. Zeige man mehr

        Präsenz, vor allem von uniformierten Kräften, entstehe genug

        Druck auf die problematischen Gruppen. Das zeigten auch die

        positiven Entwicklungen durch die bloße Anwesenheit der mobilen

        Wache am Burgplatz. Notfalls müsse man zusätzliches Personal

        bereit stellen.

 

 

 

        Grünen-Sprecher Günter Karen-Jungen sieht das ähnlich, auch er

        fordert mehr Polizeipräsenz, hält ein Verbot für ungeeignet. Er

        plädiert weiter für vorbeugende Aktionen, mit denen man die

        Jugendlichen vom Alkohol fern hält. Einig sind sich alle in

        einem Punkt: Der Streit wird weiter gehen.

 

 

          - /HANS ONKELBACH

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.39

Datum: Freitag, den 15. Februar 2008

Seite: Nr.9

 

Burgplatz: Kein Alkoholverbot

Eine Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP hat das geplante Verbot von Flaschen und alkoholischen Getränken auf dem Burgplatz abgelehnt. Die Befürworter glauben, dass das Thema im Frühling wieder hochkocht.

VON GESA EVERS UND HANS ONKELBACH

Eine Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP hat gestern im Ordnungs- und Verkehrsausschuss das von der CDU geforderte Alkoholverbot abgelehnt. Auch die Polizei hatte sich für das Verbot ausgesprochen, der Leitende Polizeidirektor Dieter Höhbusch war bei der Sitzung dabei.

Für Ordnungsdezernent Werner Leonhardt, der sich für das Verbot stark gemacht hatte, läuft die Diskussion so ähnlich wie vor einigen Jahren bei der Einführung der Düsseldorfer Straßensatzung. Auch damals hätten viele das Regelwerk als übertriebenen Ordnungswahn abgelehnt, aber heute sei man sehr zufrieden damit. Leonhardt sieht in dem Alkoholverbot ein Stück Prävention. Der Dezernent: „Mit dem Verbot könnten wir eingreifen, bevor sich jemand sinnlos betrinkt und dann straffällig wird.“ Der Jurist betonte, die Regel wäre nach Opportunitätsprinzip angewendet worden - also nach dem Grundsatz: Wir können was tun, müssen aber nicht. Aber für den Ernstfall hätte man eben ein Mittel in der Hand gehabt, Exzesse rechtzeitig zu unterbinden. Höhbusch argumentierte ähnlich wie Leonhardt.

Oberbürgermeister Joachim Erwin sieht in der Ablehnung „eine Niederlage für den Bürger“. Man habe mit dem Verbot die Aufenthaltsqualität des Platzes wieder herstellen wollen, das Verbot abzulehnen sei falsch verstandene Liberalität. Andere Städte wie Freiburg oder Hamburg hätten damit kein Problem, und spätestens im Frühjahr stehe die Frage wieder auf der Tagesordnung, weil sich dann wieder die Bürgerbeschwerden häuften.

Martin Volkenrath (SPD) war von den Argumenten für ein Verbot nicht zu überzeugen. „Wenn Sie den Burgplatz zur alkoholfreien Zone erklären, weichen die Leute in die Altstadt aus. Dann müssten Sie das Trinken generell verbieten. Ich bin gespannt, wie Sie das den Wirten im Füchschen oder Uerige erklären wollen.“ Auch FDP-Mann Manfred Neuenhaus wurde deutlich. „Ich spüre hier einen Hauch von Schäuble. Wie wollen Sie das Verbot durchsetzen? Indem Sie einen Panzer auf den Burgplatz stellen?“ Und Norbert Czerwinski von den Grünen sieht in dem Antrag für das Verbot ein Stück „Ordnungswahn und Willkür.“ Die Grünen: „Babys dürfen auf dem Burgplatz weiterhin ihr Fläschchen bekommen.“ Andreas Hartnigk (CDU) beschwerte sich über die „polemischen Äußerungen“, konnte aber letztlich nicht verhindern, dass Grüne, SPD und FDP die Vorlage ablehnten. „Das Thema wird den Rat dennoch beschäftigen“, lautete Leonhardts grimmiger Schlusskommentar.

/GESA EVERS UND HANS ONKELBACH

Was sich von selbst verbietet

Glückwunsch an SPD, Grüne und FDP: Sie haben gestern Mumm gezeigt und eine Schlacht für die Freiheit von Randgruppen gewonnen. Solchen nämlich, die es für vergnüglich halten, mit einem Kasten Billig-Bier zum Burgplatz zu pilgern, sich dort sinnlos zu besaufen und nachher nicht nur mit den dabei entstehenden Stoffwechselprodukten des Bieres dafür zu sorgen, dass dieser an sich schöne Platz in der Altstadt für die meisten Menschen nur noch unappetitlich ist und deshalb gemieden wird. Zu unterstellen, jemand wolle normalen Altstadtgästen das Bier in der Ratinger Straße oder vor dem Goldenen Ring verbieten, ist schlicht Volksverdummung. Mit dieser Regel gäbe man lediglich Polizei oder OSD-Leuten die Möglichkeit, offensichtlichen Kampftrinkern rechtzeitig die Pulle aus der Hand zu nehmen. Natürlich wäre es schöner, ohne Verbote und die daran gekoppelten Strafen auszukommen. Aber die Realität von Kaugummi spuckenden, in die Ecke pinkelnden oder ihre Kippe wegwerfenden Zeitgenossen zeigt uns leider täglich, dass es nicht geht. Weil die nicht gelernt haben, was sich eigentlich von selbst verbietet. ho-

Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Düsseldorf
Ausgabe: Nr.38
Datum: Donnerstag, den 14. Februar 2008
Seite: Nr.10

 

 

Düsseldorf- Böse Schlappe für OB

Burgplatz wird kein Alkohol-Sperrbezirk

Von MICHAEL KERST exp.

Sie haben gekämpft wie die Löwen: Ordnungsdezerent Werner Leonhardt und Polizeidirektor Dieter Höhbusch redeten im Ordnungs- und Verkehrsausschuss der Stadt am Mittwoch mit Engelszungen, um das Alkoholverbot für den Burgplatz durchzukriegen.

Am Ende nutzte alles nichts: Die Beiden brachten ihren Chefs, OB Joachim Erwin und Polizeipräsident Herbert Schenkelberg, eine herbe Schlappe mit nach Hause.

Leonhardt hatte die Probleme auf Düsseldorfs prominentestem Platz in den schillernsten Farben geschildert: „Es gibt massive Beschwerden von Anwohnern und Gästen. Ältere Leute machen einen großen Bogen um den Burgplatz. Der hat sich zu einem Angstraum für die Bürger entwickelt.“

Höhbusch, der eine „Arbeitsgruppe Burgplatz“ der Stadt und der Polizei geleitet hatte, stellte fest: „Das Hauptproblem auf dem Burgplatz ist der übermäßige öffentliche Alkoholkonsum. Wir brauchen, um wirksam dagegen vorgehen zu können, neue Rechtsinstrumente.“

Zustimmung dazu gab es allerdings nur von der CDU-Fraktion – aber selbst von der nur mit Einschränkungen. „Wir werden der Verordnung zustimmen – allerdings nur probeweise für ein halbes Jahr“, so Sprecher Andreas Hartnigk.

Hingegen gab es erwartungsgemäß heftigen Gegenwind von der Opposition: „Wenn Sie eine solche Verordnung wollen, dann verhängen Sie doch gleich ein Alkoholverbot für die gesamte Altstadt“, empörte sich SPD-Ratherr Martin Volkenrath. „Wir setzen statt dessen auf Präsenz der Polizei und des Ordnungs- und Servicedienstes sowie auf weitere intelligente Lösungen.“

Für die Grünen kritisierte Christine Ewert, dass die Alkohol-Konsumenten nur an andere Stellen verdrängt würden: „Wir sehen die ganze hier aufgebaute Problematik nicht.“

Dafür, dass der Daumen für das Alkoholverbot endgültig runterging, sorgte FDP-Sprecher Manfred Neuenhaus. Der leitete seine Stellungnahme mit den Worten „Hier weht ein Hauch von Schäuble durch den Saal!“ ein und urteilte: „Wir haben ein Problem, aber so werden wir es nicht lösen!“

Leonhardt zeigte sich zwar wild entschlossen, die Verordnung auf die Tagesordnung des Rates zu setzen – aber die entschlossene Haltung Neuenhaus‘ lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch dort gekippt wird.

Alkoholverbot auf dem Burgplatz gekippt

Düsseldorf, 13.02.2008, Michael Mücke

Schwere Schlappe für Ordnungsdezernenten. SPD, Grüne und Liberale sagen zu seiner Initiative eindeutig Nein. Neuer Versuch im Rat.

Beim Streit um ein Alkoholverbot auf dem Burgplatz hat Dezernent Werner Leonhardt gestern eine schwere Schlappe erlitten. Die SPD legte sich nun doch eindeutig fest und sorgte im Ordnungs- und Verkehrsausschuss gemeinsam mit der FDP und den Grünen für die nötige Mehrheit, um den Vorstoß von Werner Leonhardt abzuschmettern. Der Burgplatz wird nicht zur alkoholfreien Zone erklärt.

Doch der Beigeordnete scheint nicht aufzugeben und wird möglicherweise einen neuen Versuch im Rat starten. Die FDP will das verhindern. „Wir lassen das gerade prüfen”, erklärte Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus.

Der Versuch der CDU-Fraktion, es wenigstens mit einem sechsmonatigen Test zu versuchen, wirkte eher halbherzig. Die stärkste Rückendeckung erhielt Leonhardt diesmal von der Polizei. Der leitende Polizeidirektor Dieter Höhbusch warb vehement für ein Alkoholverbot rund um die Freitreppe. Er sprach von Zuständen, „die mehr als kritisch anzusehen sind.” Probleme gebe es vor allem mit angetrunkennen Jugendlichen. Der Platz sei immer wieder mit Scherben zerbrochener Bierflaschen übersät. „Wir haben deshalb erhebliche Schwierigkeiten, unsere Diensthunde und Fahrzeuge dort einzusetzen.” Das Präsidium prüft gerade, für kanadische Schlittenhunde entwickelte „Schühchen” zu kaufen, damit sich die Vierbeiner nicht an Splittern verletzen.

Die SPD dagegen: Ein Verbot ist nicht praktikabel, führt nur zur Verdrängung. „Da müssen wir intelligentere Lösungen suchen”, meinte Martin Volkenrath. Die Grünen werfen dem OB und dem Ordnungsdezernenten „Willkür und Ordnungswahn” vor. Und der Liberale Manfred Neuenhaus spürt schon „einen Hauch von Schäuble im Saal”. Sein Hauptargument gegen die Initiative von Leonhardt: „Es geht nicht, vorbeugend die Freiheit größerer Personengruppen einzuschränken.”

Alkoholverbot am Burgplatz: Stadt blitzt ab

Politik stimmte dagegen, aber der Dezernent will nicht aufgeben. Heute Debatte vor Ort.

Düsseldorf. Das von Stadt und Polizei geforderte Alkoholverbot rund um den Burgplatz ist vorerst vom Tisch. Im Ordnungsausschuss stimmten am Mittwoch SPD, Grüne und FDP gegen ein nächtliches Verbot in den Sommermonaten, nur die CDU war dafür.

 

Eine Überraschung: Eigentlich wollten die Sozialdemokraten das Thema vertagen, doch nach Vorträgen von Ordnungsdezernent Werner Leonhardt und dem Leitenden Polizeidirektor Dieter Höhbusch kam es doch zur Abstimmung.

Wegen der Scherben: Polizei testet kanadische Hundeschuhe

Dezernent Leonhardt war sichtlich enttäuscht. Zuvor hatte er den Politikern ein düsteres Bild vom Burgplatz entworfen: Dort würden immer mehr Straftaten begangen. Besser könne es nur werden, wenn Polizei und OSD präventiv eingreifen könnten.

Höhbusch schilderte die Not der Polizei: Durch die vielen Scherben rund um den Platz – die Stadt will sie mittels eines Glasverbotes eindämmen – sei „die Aktionsfähigkeit der Sicherheitsbehörden erheblich eingeschränkt“. Grund: Fahrzeuge und Hunde könnten kaum unbeschadet zum Burgplatz gelangen. 

 

Die Polizei teste deshalb sogar „Hundeschühchen“, wie sie kanadische Schlittenhunde tragen – gegen Verletzungen an den Pfoten. Auch der rechtzeitige Einsatz von Sanitätern sei im Notfall nicht immer gewährleistet: „Das ist mehr als kritisch.“

 

Der Polizist räumte ein, dass die größere Präsenz von Ordnungshütern im Herbst Erfolg hatte, „wir haben die Situation in den Griff bekommen“, aber: „Unser Personal ist endlich.“

 

Um das Alkoholverbot zu überwachen, ist freilich ebenfalls Personal nötig. Auch deshalb ließen sich die Politiker nicht überzeugen. „Ich setze auf Polizei-Präsenz und weitere, intelligente Lösungsansätze“, sagte Martin Volkenrath (SPD).

 

Die Grünen warfen Leonhardt vor, die Situation zu dramatisieren. „Ich kann nicht vorbeugend die Freiheit einer großen Personengruppe einschränken“, meinte Manfred Neuenhaus (FDP). Andreas Hartnigk (CDU) brachte noch einen Kompromiss ins Spiel, ein auf sechs Monate befristetes Verbot, aber auch das vergeblich.

Leonhardt indes will nicht aufgeben. Er werde die Vorlage wahrscheinlich im Stadtrat (nächster Termin: 6. März) nochmal einbringen. Das ist unüblich – aber möglich.

Heute wollen wir Ihre Meinung wissen: WZ mobil steht von 13.30 bis 14.30 Uhr auf dem Burgplatz. Dort wollen wir Situation und Lösungsvorschläge diskutieren. Sie können uns auch schreiben: per Mail an redaktion.duesseldorf@westdeutsche-zeitung.de

 

14.02.2008
Von René Schleucher

 

 

SPD: „Alkoholverbot bleibt ohne Konzept ein zahnloser Tiger“

 

(dr) Die SPD-Fraktion spricht sich gegen ein Alkoholverbot auf dem Burgplatz aus und auch gegen die Forderung, ein solches Verbot auf umliegende Plätze auszuweiten. Ausreichende Präsenz von OSD und Polizei genügten, um exzessiven Alkoholkonsum in diesem Bereich zu unterbinden, betont SPD-Ordnungsexperte Rolf-Jürgen Bräer. „Ein Alkoholverbot löst die Probleme nicht, sondern verschiebt sie“, so Bürgermeisterin Gudrun Hock. Die Verwaltung habe bisher noch kein Konzept für die Durchsetzung eines solchen Verbots vorgelegt. „So bleibt es nur ein zahnloser Tiger.“

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.37

Datum: Mittwoch, den 13. Februar 2008

Seite: Nr.10

 

 

THEMA ALKOHOLVERBOT

„Burgplatz zurückerobern“

Im Herzen der Altstadt alles trocken legen? So wollen weder der Oberbürgermeister noch der Polizei-Chef das verlangte Verbot von alkoholischen Getränken verstanden wissen. Eine Mehrheit für die Regel ist unwahrscheinlich.

VON HANS ONKELBACH

 

Noch in dieser Woche soll sich der Ordnungsausschuss des Rates mit einem denkbaren Alkoholverbot auf dem Burgplatz auseinandersetzen. Dass diese Regel eine Mehrheit findet, ist unwahrscheinlich: Zu groß ist die Skepsis, dass man die Probleme dieses Platzes im Herzen der Altstadt damit in den Griff bekommt, in dem man ihn trocken zu legen versucht.

 

Joachim Erwin, der das Verbot fordert, fühlt sich jedoch missverstanden. Vor allem die angebliche „Höchststrafe“, die für illegales Trinken auf dem Platz drohen würde - nämlich 1000 Euro - haben der Diskussion eine Tendenz gegeben, die er keinesfalls will. Diese 1000Euro seien der absolute Extremfall, anzuwenden bei unbelehrbaren Mehrfachtätern, denen anders nicht beizukommen sei. Sollte es zu einem klar geregelten Verbot kommen, werde man natürlich zuerst mit Ermahnungen und Verwarnungen arbeiten und erst bei hartnäckigen Verstößen eine Geldstrafe verhängen, die aber nicht bei 1000 Euro liege.

 

Auf jeden Fall sieht der Chef im Rathaus, darin mit Polizeipräsident Herbert Schenkelberg einig, Handlungsbedarf. Erwin: „Die Freitreppe hinunter zum Rhein ist doch für die Bürgerschaft verloren.“ Was er meint: Dort treffen sich allerlei Gruppen zu meist feucht- und nicht immer fröhlichen Partys, die vor allem die benachbarten Gastronomien stören und viele Menschen abhalten, dort die Aussicht zu genießen. Der Platz müsse daher regelrecht „zurückerobert“ werden.

 

Erwin will vor allem nicht den Eindruck erwecken, er wolle generell den Besuchern des Burgplatzes und Umgebung das Glas Bier verbieten. Normalerweise sei es schließlich weder auf der Ratinger Straße oder auf anderen Straßen der Altstadt und auch nicht vor den Hausbrauereien ein Problem, dass dort getrunken werde. Das alles geschehe ja „unter sozialer Kontrolle“. Aber die Gelage mit in Kästen angeschlepptem Bier auf der Burgplatztreppe seien nicht akzeptabel.

 

- /HANS ONKELBACH

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.36

Datum: Dienstag, den 12. Februar 2008

Seite: Nr.12

 

 

08.02.2008

      Am Burgplatz soll Alkohol verboten werden

    1000 Euro Strafe fürs Trinken

 

VON JÖRN TÜFFERS UND WOLFGANG BERNEY

 

<http://www.rp-online.de/public/zoompicture/regional/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/bild/280284>

 

/Düsseldorf (RPO)/RP *Wer mit Alkohol am Burgplatz erwischt wird, soll

tief in die Tasche greifen. So wollen es OB Erwin, der Polizeipräsident

und die CDU. Zum Vergleich: Wer eine Kippe auf den Bürgersteig wirft,

muss zehn Euro zahlen.*

 

OB Joachim Erwin macht ernst: Bis zu 1000 Euro will die Stadt künftig

kassieren, wenn sie jemanden mit Alkohol auf dem Burgplatz erwischt. Das

sieht ein Konzept aus dem Rathaus vor, das am nächsten Mittwoch den

Politikern im Ordnungs- und Verkehrsausschuss vorliegt. Schon im April

könnte das Alkoholverbot in Kraft treten. Es würde sich bis Ende Oktober

erstrecken und täglich von 18 bis 6Uhr gelten. Die Begründung: "Durch

Alkohol enthemmt grölende, pöbelnde und teilweise auch gewalttätige

Personen in der regelmäßig anzutreffenden Massierung machen Angst, und

zwar insbesondere älteren Personen." Ebenfalls verboten: Glasflaschen

auf dem Abschnitt zwischen Burg- und Marktplatz.

 

Ob diese Vorlage so beschlossen wird, ist fraglich. Bisher signalisiert

nur Erwins CDU Zustimmung. SPD, Grüne und die FDP lehnen das

Alkoholverbot ab. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Fraktionschefin der

Liberalen, wirft dem OB "bloßen Aktionismus" vor. Die SPD spricht von

Doppelmoral: Es sei schwer zu vermitteln, dass bei m Ski-Weltcup auf dem

Burgplatz ungeniert getrunken werden darf; jemand, der sein

Feierabendbier auf der Freitreppe trinkt, aber kriminalisiert werde.

 

Die Grünen halten Erwins Vorgehen schlichtweg für unverhältnismäßig.

Schließlich komme ja auch niemand auf die Idee, in den Altstadt-Kneipen

ein Alkoholverbot zu verhängen. Das sieht CDU-Mann Andreas Hartnigk

anders: "Es nimmt überhand, dass Leute mit Alkohol durch die Gegend

laufen. Das dürfen wir nicht tolerieren."

 

Für den italienischen Gastronomen Giuseppe Fusco kommt das geplante

Alkoholverbot am Burgplatz zu spät. Vor wenigen Tagen erst hat er sein

Restaurant direkt gegenüber dem Schlossturm aufgegeben. Weiterhin

Gastronomie betreibt er aber im Schlossturm selbst. Fusco: "Ich habe vor

knapp zehn Monaten mit großem Optimismus mein Restaurant eröffnet. Dann

kamen die Probleme: Alkoholisierte Jugendliche und junge Erwachsene, die

meine Gäste anpöbelten und anspuckten, mein Terrassenmobiliar

zerstörten, Fensterscheiben einschlugen. Mein Personal hat mich deswegen

oft spät am Abend aus dem Bett geholt." Er habe mit dem Umbau des

Restaurants rund 100 000 Euro in den Sand gesetzt.

 

Tobias Ludowig, Mit-Chef im Weinhaus "Tante Anna" und seit einem Monat

neuer Sprecher der Altstadtwirte, sieht ein Alkoholverbot am Burgplatz

eher kritisch. "Mit Verboten kommt man oft nicht weiter. Wo will man da

die räumliche Grenze ziehen?" Das Problem verlagere sich dann

möglicherweise an eine andere Stelle. "Mit unserer Petition eines

generellen Alkoholverbots in der Altstadt auf nicht konzessionierten

Flächen, das den Verkauf an den Kiosken betroffen hätte, sind wir ja

leider nicht durchgedrungen. Ich bin allerdings der Meinung, dass eine

verstärkte Präsenz von Ordnungskräften am Burgplatz doch zu einem

Rückgang der Auswüchse führen kann."

 

 

 

Wer trinkt, soll 1000 € zahlen

Der Entwurf für ein Alkoholverbot liegt vor. Gelten soll es von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. CDU und Polizei unterstützen den Plan.

Vor allem junge Leute nutzen die Freitreppe am Burgplatz im Sommer als Treffpunkt. Die Stadt spricht von einem Angst-Raum.

 

Düsseldorf. Kommt jetzt doch ein Alkoholverbot auf dem Burgplatz? Die Verwaltung hat ein detailliertes Konzept vorgelegt, wann und wo das Trinken von Bier und Co. bei Androhung einer Geldbuße bis zu 1000 Euro verboten sein soll. Von CDU und Polizei kommt Zustimmung; SPD, Grüne und FDP halten dagegen.

 

Die Details: Der Vorschlag der Verwaltung sieht ein zeitlich befristetes Verbot von April bis Oktober auf dem Burgplatz und in der näheren Umgebung vor, Schilder sollen den Bereich abgrenzen. Gelten soll es von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Dann wäre nicht nur der Konsum von Alkohol verboten, sondern auch alle anderen Getränke in Gläsern oder Glasflaschen.

Ausnahmen soll es für Wirte und bei Veranstaltungen geben

Der Ordnungs- und Verkehrsausschuss soll das Alkoholverbot in der Sitzung am nächsten Mittwoch beschließen. Begründung der Verwaltung: „Durch Alkohol enthemmt grölende, pöbelnde und teilweise auch gewalttätige Personen in der regelmäßig anzutreffenden Massierung machen Angst, und zwar insbesondere älteren Personen.“

 

Zwar hätten Polizei und OSD ihre Präsenz in den vorigen Monaten verstärkt, jedoch: „Eine nachhaltige Verbesserung der Situation konnte nicht erreicht werden.“ Ausnahmen soll es nur geben für Gastro-Terrassen und bei genehmigten Veranstaltungen.

 

Unterstützung für den Vorschlag kommt von der Polizei: „Wir brauchen eine Bekämpfung der Ursachen – und das ist der übermäßige Konsum von Alkohol“, sagt Sprecher Wolfgang Rodax. In einer Stellungnahme der Behörde an Ordnungsdezernent Werner Leonhardt vom vergangenen Freitag wird zudem begrüßt, dass das Verbot schon vor 22 Uhr gelten soll.

Auch die CDU könnte noch auf diese Linie von Oberbürgermeister Joachim Erwin einschwenken. Zwar hatte Ordnungsexperte Andreas Hartnigk noch vor einem Monat gesagt, die verstärkte Polizeipräsenz müsse vorerst reichen.

 

Am Mittwoch aber klang das schon etwas anders: „Karneval hat gezeigt, dass das Problem mit der Präsenz von Ordnungshütern allein nicht zu lösen ist.“ Freilich sieht Hartnigk noch Probleme in der Umsetzung. „Wir müssen das alles noch in der Fraktion diskutieren.“

„Ausnahmen machen die Sache schizophren“

Starke Ablehnung kommt von den anderen Fraktionen. „Die Ausnahmen machen die Sache schizophren“, meint SPD-Fraktionschef Günter Wurm: „Wenn das Tiroler Dorf beim Ski-Weltcup DJ Ötzi feiert, ist das Besaufen erlaubt. Stellt man sich mit seinem Feierabendbier in den Sonnenuntergang, wird man verknackt. Das ist nicht verhältnismäßig.“

 

Günter Karen-Jungen (Grüne) bezweifelt die Wirksamkeit des Verbots, „solange man sich im Rest der Altstadt weiterhin betrinken darf“. Auch die FDP lehnt den Vorschlag strikt ab. Marie-Agnes Strack-Zimmermann wirft OB Erwin „bloßen Aktionismus“ vor. „Er weiß genau, dass es keine Lösung ist, wenn wir kleine Karos auf den Boden malen. Denn diejenigen, die man vom Burgplatz weg haben will, werden weiterhin am Rhein sitzen – ob 100 Meter links oder rechts davon.“

In der Reihe der Verbotsgegner sind freilich auch moderatere Töne zu hören. Demnach scheint auch ein Kompromiss denkbar – etwa ein Alkoholverbot, das erst ab Mitternacht gilt.

 

Alkoholverbot

 

Düsseldorf wäre nicht die erste Stadt mit Alkoholverbot. Ähnliche Regelungen gibt’s u.a. in Freiburg und Magdeburg, diskutiert wird darüber in Krefeld und einigen Berliner Stadtbezirken.

 

07.02.2008

Von René Schleucher wz

 

12.02.2008 / Inland / Seite 4

Zum Inhalt dieser Ausgabe |

 

Prohibition in Magdeburg

Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt verhängt zeitlich und örtlich begrenztes Alkoholverbot auf öffentlichem Platz

Anja Hotopp

Mit »Die günstige ›Tankstelle‹« am Hasselbachplatz bewirbt der Magdeburger Kioskbesitzer Walerie Lehmann seinen Laden. Doch seit ein paar Tagen schrumpfen seine Umsätze merklich, d...

Artikel-Länge: 4523 Zeichen

 

 

OB Erwin hält an Alkoholverbot fest

 

 

    Erste Details sind durchgesickert: Aus dem Abschnitt zwischen

    Burgplatz und Rathausplatz sollen auch Glasflaschen verbannt werden.

    Kneipen sind davon allerdings ausgenommen. In großen Teilen der

    Politik zeichnet sich eine Ablehnung ab - die Kontrolle solcher

    Verbote sei nicht praktikabel.

 

 

      VON JÖRN TÜFFERS

 

 

 

        Oberbürgermeister Joachim Erwin lässt sich nicht davon

        abbringen: Er will ein Alkoholverbot auf dem Burgplatz

        durchdrücken. Nicht nur das: Jetzt wurde bekannt, dass der

        CDU-Mann außerdem ein Verbot von Glasflaschen in diesem Teil der

        Altstadt durchsetzen will. Die Gastronomie soll davon

        ausgenommen sein. Sonderregelungen würde es auch für

        Veranstalter von Festen auf dem Burgplatz geben. Sie erhalten

        Konzessionen zum Ausschank von Alkohol. Das bedeutet: Beim

        Ski-Weltcup würde auch künftig Glühwein ausgeschenkt, und auch

        beim Frankreichfest gibt es Schampus.

 

 

 

        Die schriftliche Version, die um die Straßensatzung erweitert

        werden soll, wird ab Anfang der Woche auf den Tischen der

        Politiker liegen. Aber schon jetzt zeichnet sich breite

        Ablehnung ab. SPD, FDP und Grüne haben Zweifel daran, ob ein

        solches Verbot durchführbar ist. Die konnte auch Dezernent

        Werner Leonhardt in einer Runde mit den ordnungspolitischen

        Sprechern der Fraktionen in dieser Woche nicht ausräumen. "Wenn

        man die Konsequenzen eines Flaschen-Verbots zu Ende denkt,

        dürfte eine Mutter ihr Kleinkind auf dem Burgplatz nicht mit

        einem Alete-Fläschchen füttern", sagt Rolf-Jürgen Bräer (SPD).

        Auch das Alkoholverbot gehe "nach hinten los": Wer sich in einem

        Biergarten am Burgplatz betrinkt und randaliert, muss keinen

        Ärger befürchten. Der Wirt hat das Hausrecht, der Ordnungs- und

        Servicedienst (OSD) kann nichts machen. Demjenigen aber, der auf

        der Freitreppe eine Flasche Bier trinkt und niemanden belästigt,

        droht Ungemach durch die Ordnungshüter. Auch die

        Ausnahmesituationen für Feste hält Bräer für fraglich: "Wenn mit

        dem Alkoholausschank Reibach gemacht wird, ist es auf einmal okay?"

 

 

 

        Weiter unklar ist laut Bräer, wie ein solches Verbot überwacht

        und sanktioniert werden soll. Michael Zimmermann,

        stellvertretender Leiter des Ordnungsamts, mauert. Die

        Verwaltung hüte sich, Details zu nennen, bevor den Politikern

        die schriftliche Vorlage für den Ordnungs- und

        Verkehrsausschusses in der übernächsten Woche vorliegt.

 

 

 

        Andreas Hartnigk (CDU) begrüßt den Vorstoß aus dem Rathaus, auch

        wenn er noch Schwierigkeiten bei der Umsetzung sieht. Gleichwohl

        wolle er vermeiden, dass das Papier zerredet werde. Denn das

        Thema sei wichtig. An Altweiber habe es sich erneut gezeigt,

        dass selbst eine Vielzahl Ordnungskräfte Alkoholexzesse von

        Jugendlichen nicht verhindern könne.

 

 

 

        Die Grünen lehnen das Alkoholverbot ab. Durch die geänderte

        Straßensatzung würden zwei unterschiedliche Sorten von Recht

        geschaffen, sagt Norbert Czerwinski. Es sei niemanden zu

        vermitteln, wann auf dem Burgplatz getrunken werden darf und

        wann nicht. "Das dürfte auch rechtlich wackelig sein." Auch die

        FDP hatte schon Bedenken geäußert.

 

 

 

        Kritik hatte dagegen der Initiativkreis Armut geäußert: Dies

        träfe wieder mal die Ärmsten und führe zu Vertreibung,

        Kriminalisierung und Verelendung von Menschen, die ihren

        Lebensmittelpunkt auf der Straße hätten.

 

 

 

        KOMMENTAR

 

 

          - /JÖRN TÜFFERS

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.28

Datum: Samstag, den 02. Februar 2008

Seite: Nr.15

 

 

    Düsseldorf ist nicht Magdeburg

 

 

 

        In Magdeburg gilt auf einem Platz ein nächtliches Alkoholverbot.

        Die Stadt will Vandalismus, Gewalt, Lärm und Schmutz eindämmen.

        Im vergangenen Jahr gab es 70Fälle von Körperverletzung,

        79Sachbeschädigungen wurden angezeigt. Auslöser für das

        Alkoholverbot war ein Zwischenfall in der Silvestnacht:

        Jugendliche hatten Polizisten mit Flaschen beworfen und

        Feuerwerkskörper abgefeuert.

 

 

 

        Vergleichbare Szenen hat es in der Altstadt nicht gegeben.

        Polizeipräsident Herbert Schenkelberg hat im vorigen Jahr nach

        mehrwöchiger intensiver Beobachtung eingeräumt: Der Burgplatz

        ist kein Kriminalitätsschwerpunkt. So wurde nichts aus der

        Videoüberwachung, die sich OB Erwin gewünscht hatte. Doch auch

        ein Alkohol- und Flaschenverbot wird nicht funktionieren an

        einem Ort, der Teil der längsten Theke der Welt ist. Torkelnde,

        den Junggesellen-Abschied Feiernde sind in der Bolkerstraße

        ebenso abstoßend wie am Burgplatz. Verhindern können wird man es

        nicht.

 

 

      JÖRN TÜFFERS

 

 

          - /JÖRN TÜFFERS

 

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.28

Datum: Samstag, den 02. Februar 2008

Seite: Nr.15