München bleibt erfolgreichste Großstadt 07.09.2007 rpo

Wohlstandsranking: Düsseldorf auf Platz sieben

 (RPO) München weist unter den 50 größten Städten Deutschlands den höchsten Wohlstand auf, Dresden die beste Wirtschaftsdymanik. Dies geht aus dem "Großstadt-Ranking 2007" hervor, das die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" am Freitag in Berlin und Köln vorstellten. Düsseldorf landet in dem Ranking auf Platz sieben.

Dafür wurden die 50 wichtigsten deutschen Großstädte zum vierten Mal nach über 100 Kriterien wie Arbeitslosigkeit, Einkommen, Produktivität und Schulden untersucht. Dabei zeigte sich "Licht und Schatten im Osten und Dominanz des Südens und Südwestens", wie der stellvertretende Chefredakteur der "Wirtschaftswoche", Klaus Methfessel, sagte. "Sorgenkinder" sind das Schlusslicht Berlin sowie Rostock im Osten und der Ruhrpott im Westen.

Hohe Kaufkraft, wenig Schulden

Düsseldorf belegt mit 116,7 Punkten Platz 7 der untersuchten Großstädte. Die Studie berücksichtigt ökonomische und strukturelle Indikatoren wie Arbeitseinkommen, Bruttoinlandsprodukt und Investitionsquote. Düsseldorf punktet mit einer hohen Pendlerquote, seiner Kaufkraft, niedrigen Schulden und einen großen Anteil Hochqualifizierter unter den Beschäftigten.

Beim derzeitigen Niveau liegt München als wohlhabendste und ökonomisch attraktivste Stadt wieder vorn. Dresden ist Spitzenreiter bei der Entwicklung über die letzten fünf Jahre. In dem aus beiden Listen gebildeten Gesamt-Ranking liegt München dank seines hohen Niveaus ebenfalls vorn vor Stuttgart und Karlsruhe, obwohl es in punkto Dynamik nur Mittelklasse ist.

Dresden hat sich als beste ostdeutsche Stadt auf Platz acht verbessert, und auch Leipzig schaffte einen großen Sprung um sieben Plätze auf Rang 34. Damit brächten die sächsischen Boom-Städte "ein wenig Licht in den düsteren Osten", sagte Methfessel.

Während im Westen vor allem die Städte des Ruhrgebiets im Ranking abgefallen sind, hob INSM-Geschäftsführer Dieter Rath Berlin und Rostock als östliche "Sorgenkinder" hervor. Sie liegen auf dem letzten und vorletzten Rang, wobei die Hauptstadt sogar um zwei Plätze zurückfiel und die rote Laterne von der Hansestadt übernahm. Beide leiden noch unter den Nachwirkungen der Wende: Rostock hat nach Einschätzung der Ökonomen das Werftensterben noch nicht durch Neuansiedlungen ausgleichen können, und Berlin hat den Zusammenbruch des produzierenden Gewerbes nicht verkraftet.

Trotz der geringeren Neuverschuldung habe Berlin seine massiven Finanzprobleme noch nicht in den Griff bekommen, sagte Methfessel. Er kritisierte auch das ungünstige Investitionsklima: "Berlin ist keine wirtschaftsfreundliche Stadt." Negativ schlugen auch die hohe Arbeitslosigkeit, rückläufige Beschäftigung, Nullwachstum und ein nur sehr geringer Produktivitätsanstieg zu Buche. Die Finanzpolitik habe noch keinen grundlegenden Wandel bewirkt, eine Aufwärtsdynamik sei nicht zu erkennen.

Düsseldorf - in aller Munde

 

WIRTSCHAFT. Loblieder aus Köln und New York und hohes Niveau in einer Städtehitparade.

Es ist einem als Düsseldorfer ja peinlich, dieses Lob vom Dom. Dem Rathaus dürften die Rahmen ausgehen, in denen man die Hymnen des großen Nachbarn gern präsentieren würde. Diesmal schwärmt Kölns Kämmerer Peter Michael Soe?nius im "Kölner Stadtanzeiger": "Joachim Erwin macht eine richtige und erfolgreiche Politik. Sie fände meine volle Unterstützung, wenn ich sein Kämmerer wäre." Und der Kommentierer der liberalen Zeitung lobt "Willen und Führungskraft der Stadtspitze". Sowas muss Fritz Schramma zum Frühstück lesen . . .

Internationale Firmen angelockt

Auch die International Herald Tribune, eine internationale Tageszeitung, die wirtschaftlich und redaktionell zur New York Times gehört, druckt Löbliches über die Landeshauptstadt. Das renommierte Blatt befasst sich angesichts der Kapriolen von IKB und WestLB zwar mit dem Niedergang Düsseldorfs als Bankenstandort im Vergleich zu Frankfurt, beschreibt aber um das Foto eines lächelnden Oberbürgermeisters herum, wie es der Stadt gelungen sei, internationale, vor allem asiatische Unternehmen anzulocken. "Die Sushi Szene ist vergleichbar mit der in Tokyo", schwärmt ein Sushi-Restaurantchef aus Estland gar. Und Joachim Erwin bewertet das Bankentheater in der ihm eigenen Tonlage: Die IKB sei "eine alte und langweilige Bank" und die WestLB habe "gehandelt wie ein Glücksspieler".

Wer oben ist, kann nicht mehr steil klettern

Da mutet ein siebter Platz in einer gestern veröffentlichten Städtehitparade der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der WirtschaftsWoche ja fast wie eine Niederlage an. Aber nur auf den ersten Blick. Die 50 größten Städte wurden nach 104 wirtschaftlichen und strukturellen Indikatoren untersucht. Der Gesamtindex, der von Wissenschaftlern errechnet wurde, besteht aus Niveau und Dynamik. In das Niveau-Ranking fließen Werte wie Arbeitseinkommen, Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote, auch die Zahl der Hochqualifizierten und Schulden ein. Das Dynamik-Ranking zeigt die Veränderungen dieser Werte von 2001 bis 2006. Das erlaubt eine Aussage über die Anstrengung schwacher Städte sowie deren Perspektiven.

Beim Niveau ist Düsseldorf auf 4, als schuldenfreie Stadt dürfte das nächstes Jahr noch besser aussehen. Bei der Dynamik ist´s Rang 23, was nicht verwundert, wenn man auch sieht, dass Gesamtsieger München und Frankfurt auf benachbarten Plätzen liegen: Wo schon viel ist, kann´s nicht mehr so steil nach oben gehen.


07.09.2007    FRANK PREUSS nrz