*Mit Pillen schneller arbeiten*
Immer mehr Deutsche machen sich mit Drogen fit
*Von Jörg Zittlau *
*D*er Trend zum Hirndoping, Brain-Boosting oder Neuro-Enhancement
stammt
aus den USA. Dort ergab im Jahr 2005 eine Umfrage, dass etwa
sieben
Prozent der College-Studenten
mindestens einmal Methylphenidat
eingenommen hatten, um sich für eine Prüfung fit zu machen.
Der als Ritalin bekannte Wirkstoff
wird eigentlich zur Behandlung von
Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern eingesetzt. Ob er auch
bei gesunden
Menschen die kognitiven Leistungen bessere, sei, wie
Psychiater
Professor Mathias Berger vom Universitätsklinikum Freiburg
betont,
"keinesfalls sicher". Besser dokumentiert ist da
schon der stimulierende
Effekt von Modafinil, das gegen
die Schlafkrankheit Narkolepsie
verschrieben wird. "Doch ein jährlicher Umsatz von mehr
als 200
Millionen Dollar weist auf einen erheblichen Gebrauch
außerhalb der
zugelassenen Indikation hin", betont Berger.
So gab der international bekannte Poker-Spieler Paul
Phillips kürzlich
zu, sich mit Modafinil und einem
anderen Psychostimulans für seine
Turniere präpariert und mit dieser Hilfe mehr als 2,3
Millionen Dollar
eingespielt zu haben. Die Sportverbände setzten den
pharmazeutischen
Muntermacher vor einigen Jahren auf die Liste der verbotenen
Doping-Mittel.
In Deutschland wird neben Ritalin
vor allem Piracetam zum Hirndoping
eingesetzt, fand die Deutsche Angestellten Krankenkasse
(DAK) in einer
Umfrage bei 3000 Arbeitnehmern heraus. Eigentlich ist Piracetam ein
verschreibungspflichtiges Mittel für Demenzkranke, doch nur
auf 2,7
Prozent der Rezepte war Demenz auch als Diagnose aufgeführt.
In mehr als
vier Fünfteln der Fälle wurde es, so die DAK, bei
"zulassungsüberschreitenden Diagnosen"
eingesetzt, wie etwa Stress,
Konzentrationsmangel oder Erschöpfungszustände.
Fünf Prozent der Arbeitnehmer greifen immer wieder zu
Hirndoping, um
schlechte Laune zu vertreiben, Lampenfieber und
Versagensängste zu
dämpfen sowie Konzentrationsschwächen zu beheben. Etwa ein
Fünftel von
ihnen glaubt, dass die Risiken vertretbar seien. Dabei
sollten ihnen
schon die Nebenwirkungen von Ritalin
zu denken geben: Dies führt oft zu
Herzrasen, Aggressivität, Schlaflosigkeit und depressiven
Verstimmungen
und darf daher Kindern nur vorsichtig und zeitlich begrenzt
verabreicht
werden.
Berger warnt außerdem, dass sich unter dem Einfluss der Neuro-Enhancer
die Infoverarbeitung im Gehirn verändere. Und: "Die
Auswirkungen auf die
Persönlichkeit eines Menschen, der sich für seine Erfolge
nicht mehr
anstrengen muss, sind nicht absehbar."
Fr 23.12.09