Der Abschwung ist schon da

Zahl der Firmenpleiten steigt wieder

Von Boris Schlepper

Frankfurt. Zum ersten Mal seit fünf Jahren steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wieder an. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr um 2,2 Prozent auf 29 800 Fälle zu. Für das vergangene Jahr hatte der Neusser Informationsverband noch einen Rückgang von 14,4 Prozent vermeldet.

Auch im kommenden Jahr werde sich dieser Trend wegen des globalen Konjunktureinbruchs fortsetzen, sagte Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl am Mittwoch in Frankfurt. Es müsse von „einem deutlichen Anstieg“ ausgegangen werden. Die Zahl der Firmenpleiten werde voraussichtlich um 18 Prozent auf 35 000 Fälle anwachsen.

Dabei beläuft sich der Schaden, der der Wirtschaft 2008 durch Unternehmensinsolvenzen entstanden ist, nach Recherchen der Experten auf 29 Milliarden Euro. Er liegt damit knapp unter dem Niveau des vergangenen Jahres. Derzeit müssten durch die Pleiten rund 447 000 Beschäftigte um ihre Stellen bangen.

In Westdeutschland stieg die Zahl der Unternehmenspleiten um 2,4 Prozent, im Osten um 1,7 Prozent. Dennoch gelten die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern laut einer Erhebung des Verbandes als besonders anfällig. Am geringsten sei das Risiko für Firmen, eine Insolvenz anmelden zu müssen, in Bayern und Baden-Württemberg. Hessen liege im Mittelfeld.

Unter den Auswirkungen der Konjunktur- und Finanzmarktkrise hat vor allem die Dienstleistungsbranche und der Handel zu leiden. „Im Auge des Taifuns“ sei der Kfz-Handel, sagte Rödl. Dort nahm die Zahl der Firmenpleiten um zwölf Prozent zu. 1100 Betriebe mussten 2008 die Segel streichen. Schuld seien neben der Finanzkrise auch die Überkapazitäten der Hersteller. Das verarbeitenden Gewerbe hingegen trotzte der Krise: Die Zahl der Insolvenzen ging um 16,3 Prozent zurück.

Nicht nur kleine und junge Betriebe seien insolvenzgefährdet, sondern zunehmend auch Traditionsunternehmen. Als Beispiele nannte Rödl die Warenhauskette Hertie, den Nähmaschinenhersteller Pfaff und den Uhrenhersteller Junghans.

Erstmals seit ihrer Einführung im Jahr 1999 rückläufig entwickelt hat sich die Zahl der Privatinsolvenzen, die um 6,5 Prozent auf 98 500 abnahm. Rödl führte das nicht etwa auf eine verbesserte wirtschaftlichen Situation zurück, sondern auf die Kürzung der Beratungsangebote. Noch immer seien 6,9 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet.

 

SCHLEPPER

 

 

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 284)

Datum: Donnerstag, den 04. Dezember 2008

Seite: 18

 

 

Mehr Firmenpleiten drohen 2009

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird infolge der weltweit drohenden Rezession in diesem und im kommenden Jahr steigen. Wie der Kreditversicherer Euler Hermes am Montag in Hamburg mitteilte, wird für 2008 mit einem Zuwachs der Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf rund 30 100 gerechnet. Für 2009 erwarten die Experten sogar 33 800 zahlungsunfähige Unternehmen. Fr 2.12.8

 

Jw 04.12.2008 / Inland / Seite 5Inhalt

Wieder deutlich mehr Firmenpleiten

Neuss. Erstmals seit fünf Jahren ist die Zahl der Firmenpleiten wieder gesteigen. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mußten in diesem Jahr insgesamt 29800 Unternehmen Insolvenz anmelden, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Aktuell seien durch die Pleiten rund 447000 Arbeitsplätze bedroht, berichteten die Experten am Mittwoch in Neuss. Für das kommenden Jahr rechnet die Wirtschaftsauskunftei angesichts des weltweiten Konjunktureinbruchs mit einem weiteren drastischen Anstieg der Firmenpleiten um bis zu 20 Prozent. Besonders betroffen seien die Dienstleistungsbranche und den Handel. Dagegen ging die Zahl der Verbraucherinsolvenzen erstmals seit Einführung der Insolvenzverordnung 1999 zurück: um 6,5 Prozent auf 98500. Die Abnahme beruhe allerdings auf einer Einschränkung der Beratungsangebote. Insgesamt seien knapp 6,9 Millionen Bundesbürger überschuldet und damit potentielle Kandidaten für eine Verbraucherinsolvenz. (AP/jW)