Manager und ihre
Vergütungen
Von Christine Skowronowski
Franck Ribery hat mit den Chefs der 30 Dax-Unternehmen
eines
gemein: Der
französische Fußballspieler verdient
schätzungsweise
allein bei
Bayern München im Jahr in etwa so viel wie diese
Vorstandsvorsitzenden
im Schnitt: Fast fünf Millionen
Euro. Der
Sportler
bringt Spitzenleistung, was man von Topmanagern
nicht
immer
behaupten kann. Erinnert sei an Spitzenverdiener
Jürgen
Schrempp, den
Architekten der "Welt AG", die inzwischen zur
Daimler AG
geschrumpft ist. Ein Paradebeispiel für
Missmanagement, das Tausende von Arbeitnehmern den Job
gekostet
hat. Ex-Chef
Schrempp bekommt dennoch weiter von Daimler
ein
Büro in
München mit Sekretärin bezahlt -- und die ist seine
Frau, die
ihrem Jürgen kürzlich zum Dank noch einen Mini
geschenkt
haben soll, vom Konkurrenten BMW.
Die momentane
Verärgerung über die Höhe der
Managergehälter ist
nicht
unbegründet, wenn auch bisweilen etwas schräg und
populistisch.
Dazu gehört aber nicht nur das oft von großer
Unkenntnis
geprägte Gerede von Politikern, sondern auch der
Verweis auf
das Ausland, wo "die Manager doch viel, viel
mehr
kriegen".
Denn
Deutschlands Chefs rangieren nach Einschätzung der
Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz im
internationalen Vergleich im obereren Drittel.
Allerdings
werden
zum Beispiel
in den USA teilweise horrende Gehälter
gezahlt.
Mit Leistung
hat auch dies nicht immer etwas zu tun. Die
unabhängige
US-Forschungsorganisation The Corporate
Library hat
sich fünf
Jahre lang Firmen mit hohen Anreizen wie Boni und
Aktienoptionen
angeschaut und kam zu einem alarmierenden
Schluss. Bei
zwölf Großkonzernen war das Missverhältnis
zwischen
Lohn und
erbrachter Leistung am größten. Die Chefs
kassierten
zusammen 1,26
Milliarden Dollar aus Dank dafür, dass 330
Milliarden an
Aktionswerten vernichtet wurden.
In der Truppe
der glorreichen zwölf sind bekannte Namen
wie das
Pharmaunternehmen Pfizer zu finden, zu dessen
Produkten das
Potenzmittel Viagra gehört. Aber auch der Medienriese Time
Warner, Wal-Mart, Dell und Ford sowie die
Baumarktkette
Home
Depot, deren
früherer Spitzenmanager sich nun in der
Sanierung
des
US-Autobauers Chrysler versucht. Insgesamt sind die
Managergehälter in den USA 2006 um knapp zehn Prozent
gestiegen.
Aber in den
500 im S&P Index notierten Firmen betrug der
Zuwachs
23 Prozent,
wie Corporate Library ermittelt hat. Dabei
sprangen
für
Spitzenmanager im Schnitt mehr als zehn Millionen
Dollar
Gehalt raus.
Im Unterschied
zu Deutschland ist das Einkommen der
Manager in
den USA viel
stärker an langfristige Anreize wie Aktien und
Optionen
orientiert, wie eine Studie der
Unternehmenberatung
Mercer zeigt. Demnach bekommt der Chef von
Colgate-Palmolive,
Mark Reuben, zum Beispiel im Jahr 19,4 Millionen Dollar. An
langfristigen
Anreizen sind darin knapp 13 Millionen
Dollar in
Form von
Aktien enthalten, die ihm allerdings unabhängig
vom
Erfolg des
Unternehmens zugestanden werden. Der Chef von JP
Morgan, James Dimon, bekommt mit einer Million ein relativ
bescheidenes
Jahresgrundgehalt -- allerdings sprangen für
ihn
letztlich
dennoch 27,5 Millionen heraus -- davon 13
Millionen
Jahresbonus
und fast ebenso viel an langfristigen Anreizen
über
Aktien.
Franck Ribery muss sich nicht nur mit schlappen fünf
Millionen
Jahresgehalt
vom Verein aus München zufrieden geben. Hinzu
kommen noch
Werbeeinnahmen. Was er tatsächlich abkassiert,
weiß
außer ihm
wahrscheinlich nur noch das Finanzamt.
RSKOWRONOWSKI
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 288)
Datum: Dienstag, den 11. Dezember 2007
Seite: 2
Nach der Empörung
Die Suche nach
gesetzlichen Grenzen für Manager-Gehälter ist
ernüchternd:
Politiker können kaum etwas unternehmen
Von Michael
Bergius
Berlin.
Arbeitskreise werden bekanntlich gegründet, wenn
man
nicht mehr
weiß, wie's weitergeht. Und nicht selten wissen
die
Eingesetzten
schon sehr früh, dass ihr Unterfangen äußerst
schwierig ist.
Vermutlich sind jene Gedanken am Montag auch
Joachim Poß durch den Kopf gegangen. Der SPD-Finanzexperte
ist
vom Präsidium
seiner Partei zum Leiter einer
"Ad-hoc-Arbeitsgruppe" erkoren worden, die sich einer hoch
aktuellen
Frage widmen soll: der "Angemessenheit und
Transparenz
von
Manager-Vergütungen".
Aktuell ist das Thema, weil die
Spitzensaläre deutscher
Wirtschaftskapitäne (mal wieder) in aller Munde sind und es
sogar ins
Beutespektrum des politischen Spitzenpersonals
geschafft
haben. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zog vor
Wochenfrist
über Versager her, die "mit Geld überschüttet"
würden. Da
mochte Kurt Beck nicht nachstehen. Wenn
Pleitiers
"mit
Millionenabfindungen nach Hause geschickt" würden,
sei das
nicht in
Ordnung, wetterte der SPD-Chef -- und gab in
Auftrag,
was Poß und fünf Mitstreiter jetzt prüfen sollen: nämlich
"welche
gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, dies zu
unterbinden".
Im knappen
Einsetzungsbeschluss für den neuen Berliner
Arbeitskreis
taucht das Wörtchen "gesetzlich" nicht auf.
Eine
"weitere
Verbesserung der Transparenz der
Vorstandsbezahlungen"
stehe ebenso
auf der Agenda wie die "Überprüfung der
Nebenleistungen" sowie die "Verstärkung von
Selbstverpflichtungen der Wirtschaft". Zum Mandat gehört
auch zu
klären, ob die
Steuerabzugsfähigkeit von Managergehältern
und
-abfindungen
begrenzt werden könne; will heißen: ob zu
verhindern
ist, dass Unternehmen erfolglose Spitzenkräfte
mit
Millionensummen abfinden und diese dann als
Betriebsausgaben
steuermindernd einsetzen können.
Schon vor
seiner Nominierung waren Poß Grenzen aufgezeigt
worden. Sein
Parteifreund Dieter Wiefelspütz sagte der FR,
der
Prüfauftrag
werde "nicht ganz einfach" werden, sei doch
"der
Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers nicht beliebig". Der
CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs fasste sich kurz und
nannte
die
Beck-Initiative "Unfug".
Am
Montagmittag fielen die Reaktionen kaum positiver aus.
Es sei
gut, die
Salär-Debatte "in aller Intensität" zu führen,
ließ
Merkel ihren
Sprecher mitteilen. Aber nicht jede notwendige
Diskussion müsse "zwingend in einer
Gesetzesinitiative der
Regierung
münden" und eine solche sei auch nicht geplant,
schob
die Kanzlerin
ein vernehmbares Basta nach.
Von Peer Steinbrück (SPD) kam ebenfalls keine wirkliche
Ermunterung für die Parteifreunde: Es gebe im
Finanzministerium
keinerlei
Absichten, die Steuergesetzgebung zu ändern,
stellte
dessen
Sprecher Torsten Albig klar; im Übrigen lasse sich
im
deutschen Steuerrecht schwerlich trennen zwischen
"guten"
und
"schlechten" Betriebsausgaben.
Auch wenn die
legislativen Instrumente begrenzt sind --
völlig
unergiebig
müssen die Nachforschungen der SPD-Experten
nicht
bleiben. Die
Deutsche Stiftung für Wertpapierbesitz (DSW)
hat
schon vor zwei
Jahren Nachbesserungen am damals frisch
verabschiedeten "Vorstandsvergütungsoffenlegungsgesetz"
angemahnt: So
seien die Angaben, die börsennotierte
Unternehmen
über die
Entlohnung ihrer Spitzenleute zu machen hätten,
viel zu
vage gehalten.
Auch sei es ein Unding, dass es mit einem
75-Prozent-Votum einer Aktionärs-Hauptversammlung möglich
sei,
die
Transparenzregeln für Vorstände auszuhebeln, moniert
die DSW.
Muss da die
Politik ran? "In erster Linie ist hier die
Wirtschaft
selbst gefordert", sagte CDU-Generalsekretär
Ronald
Pofalla am Montag. Allenfalls bei der einen oder anderen
"Weiterentwicklung"
könne "der Gesetzgeber seinen Beitrag
leisten".
GRÖMER
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 288)
Datum: Dienstag, den 11. Dezember 2007
Seite: 2
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