Kritik an Jugendhilfe
Kinderschützer beklagen nach Kevins Tod Geldnot
Nach dem Tod des kleinen Kevin aus Bremen fordern Experten
mehr Geld für
die Jugendhilfe und eine besser verzahnte, aufeinander
aufbauende
Zusammenarbeit.
Bremen/Berlin . Bundesfamilienministerin Ursula von der
Leyen (CDU)
kritisierte, im Bremer Fall habe das Zusammenspiel der
staatlichen
Hilfen versagt. Vernetzung und Kommunikation der Behörden
müssten viel
besser werden. Der Bund wolle zehn Millionen Euro in ein
Frühwarnsystem
für vernachlässigte und misshandelte Kinder investieren, sagte von der
Leyen.
Der Vorsitzende des Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers,
kritisierte in der
ARD, im Bremer Fall seien Gesetze nicht so angewandt worden,
wie es
nötig sei. Generell gebe es aber auch gesetzgeberischen
Handlungsbedarf.
Viele Jugendbehörden seien personell nicht ausreichend
ausgestattet. Es
dürfe nicht sein, dass Jugendämter aus finanziellen Gründen
entschieden,
ein Kind in einer unzuverlässigen Familie zu lassen,
"aber ich fürchte,
dass es vorkommt", sagte Hilgers.
Die Zahl der Fälle brutalster Kindesmisshandlung steige
"jedes Jahr",
sagte die Vorsitzende des Kinderschutzbundes
Schleswig-Holstein, Irene
Johns, im FR-Interview. Unter den
Fünf- bis Sechsjährigen weise bereits
jedes siebte Kind Entwicklungsstörungen auf. Oft seien diese
eine Folge
von "mehr oder weniger schweren Formen von
Vernachlässigung und Gewalt".
Johns nennt die Gründe: "Die Lebensbedingungen von
Familien werden immer
schlechter. Es gibt größere Erziehungsschwierigkeiten, mehr
Vereinzelung, zunehmende Armut."
Laut einer aktuellen Unicef-Studie
zur Gewalt gegen Minderjährige
sterben in Deutschland jede Woche im Schnitt zwei Kinder an
den Folgen
von Misshandlungen oder Vernachlässigung. ind/sgey/dpa/ap
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 238)
Datum: Freitag, den 13. Oktober 2006
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