Kostentreiber seit 1995

 

Laut Statistischem Bundesamt sind bundesweit seit 1995 bis heute die größten Inflations-Posten: Abwasser plus 23,3 % Straßenreinigung plus 33,7 % Öl, Gas und Strom plus 64,7 % Benzin plus 70,6 % Müllabfuhr plus 81,4 % Kfz-Steuer plus 108,0 % Lebenshaltung plus 17,1 %

 

-Die Inflation kehrt zurück: 3,2 % in NRW

VON ALEXANDER VON GERSDORFF

 

Berlin Wegen der rasanten Verteuerung von Strom, Sprit und Lebensmitteln wird die Inflation im November erstmals seit mehr als 13 Jahren auf drei Prozent steigen. Für NRW ergibt sich demnach eine Steigerung von 3,2 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit.

 

Für Heizöl mussten die Konsumenten bis zu 26 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Tanken verteuerte sich um ein Fünftel, Milch je nach Bundesland um bis zu 27 Prozent. Butter wurde sogar um fast die Hälfte teurer.

 

Düsseldorfs Handwerks-Präsident Wolfgang Schulhoff sprach von einer deutlich höheren Inflation für Niedrigverdiener. „Hier müssen wir dringend etwas unternehmen“, sagte er unserer Zeitung. Schulhoff kritisierte, beim offiziellen Inflationsindex werde nur das Durchschnittseinkommen zugrundegelegt. „Das aber liegt weit über den Einkommen breiter Schichten, auch in NRW.“

 

Schulhoff hat daher bei der Handwerkskammer die Preissteigerung all jener Güter und Dienstleistungen gesondert berechnen lassen, die das Budget der unteren Einkommensbezieher überdurchschnittlich belasten. Ergebnis: „Die Preise haben sich binnen zwölf Jahren teilweise mehr als verdoppelt“ (siehe Infokasten). Die Realeinkommen hielten damit schon lange nicht mehr Schritt.

 

Der Präsident der Handwerkskammer, der darin eine Gefahr für die langfristige politische Stabilität im Land sieht, fordert eine schnelle und deutliche Senkung der Lohnnebenkosten. „Das erhöht Kaufkraft und Beschäftigung, mindert die Schwarzarbeit und stärkt die Konjunktur.“

 

Zum selben Urteil wie Schulhoff kommt Gustav A. Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Düsseldorfer Instituts für Konjunktur und Makroökonomie (IMK). Bei den Preisen herrsche „Alarmstufe Rot“, sagte er unserer Zeitung. Die Preisstatistik entspräche zwar dem durchschnittlichen Warenkorb. „Aber den kauft eben nicht jeder.“ Von den sprunghaft steigenden Kosten für Nahrung und Energie seien Bezieher geringer Einkommen, voran Arbeitslose und Rentner, am stärksten betroffen. Die Inflationsrate werde zwar wieder auf etwa zwei Prozent zurückgehen. „Dennoch muss der Staat durch zusätzliche Investitionen notfalls die Konjunktur stützen und so die Binnenkaufkraft stabilisieren.“

- /ALEXANDER VON GERSDORFF

 

Quelle:

Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH

Publikation: Rheinische Post Düsseldorf

Ausgabe: Nr.276

Datum: Mittwoch, den 28. November 2007

Seite: Nr.1