Komasaufen
Immer jünger in
den Suff
VON MICHAEL BERGIUS
Immer jünger in den Suff (Bild: ddp)
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Berlin. Neue Zahlen über eine Zunahme des Komasaufens bei
Jugendlichen
alarmieren Politiker und Krankenkassen. "Wir beobachten
mit Sorge dass
die Alkohol-Patienten immer jünger werden und bereits Kinder
unter 15
Jahren mit einem Vollrausch ins Krankenhaus kommen",
sagte der
Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, der
Frankfurter Rundschau.
Am Karfreitag wurde beispielsweise bekannt, dass in
Paderborn drei
Kinder im Alter zwischen elf und 13 Jahren so lange Wodka
getrunken
haben, bis sie besinnungslos ins Krankenhaus eingeliefert
wurden.
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Die TK, größte deutsche Krankenkasse, hat gerade ihre
internen
Statistiken aktualisiert. Den der FR vorliegenden Daten
zufolge stieg
zwischen 2007 und 2008 die Zahl der durch Alkoholmissbrauch
verursachten
Klinikaufenthalte von Kindern unter 15 Jahren von 177 auf
214. Wenn man
diese repräsentativen Angaben hochrechnet, kommt man
bundesweit
insgesamt auf knapp 2400 Fälle von akutem Alkoholrausch in
dieser
Altersgruppe.
Es ist auch die Gruppe, in der der hemmungslose
Alkoholkonsum noch
stärker steigt als bei den Jugendlichen insgesamt. Bereits
zwischen 2006
und 2007 hatte es einen ähnlich starken Anstieg gegeben.
Und: Bei den
ganz jungen Opfern liegen seit zwei Jahren die Mädchen vor
den Jungen.
Bei den unter 18-Jährigen weisen die TK-Zahlen
einen Anstieg der
Klinikeinweisungen um 174 auf 1765 aus; das entspricht einer
Gesamtzahl
von fast 20 000 minderjährigen Komasäufern, die 2008 im
Krankenhaus
landeten.
Klusen sieht im Schutz der
Jugendlichen eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe. Es sei ein Problem, "wenn die Bierflasche, das
Glas Wein und
die Zigarette beim Fernsehen in der Familie immer
präsent" seien.
Supermärkte, Tankstellen und Gastronomen müssten in die
Pflicht
genommen, Alterskontrollen verstärkt werden.
Noch weiter geht der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
Je früher
Kinder Alkohol konsumierten, desto größer sei das Risiko
bleibender
Gefäß-Schäden, sagte er der FR. Die gesetzlichen
Bestimmungen zur
Alkoholabgabe an Jugendliche müssten klar verschärft werden,
sagte
Lauterbach und rügte "zu laxe Kontrollen durch die
Ordnungsämter".
Es müsse eine grundsätzliche Ausweispflicht für junge
Alkoholkäufer
geben, forderte Lauterbach. Er regte zudem höhere Strafen
für
Gastronomen oder Einzelhändler an, die Minderjährigen
illegal Alkohol
verkauften: "Hier geht es nicht um Kavaliersdelikte.
Und wer um seine
Lizenz bangen muss, wird sich
dreimal überlegen, was er wem verkauft.
Bußgelder reichen nicht aus."
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FR-online.de 2009
Dokument erstellt am 10.04.2009 um 17:32:02 Uhr
Letzte Änderung am 10.04.2009 um 22:46:19 Uhr
Erscheinungsdatum 11.04.2009