Kluft zwischen Arm und Reich wächst in Europa
Expertenbericht warnt vor Gefahren für Lebensqualität /
Folgen seien
Stress, Fettleibigkeit und Drogenkonsum
Maßgebliche EU-Experten warnen vor wachsenden Gefahren für
die
Lebensqualität in Europa durch die zunehmende Armut.
Brüssel . In einem Bericht, den die EU-Kommission an diesem
Montag in
Brüssel vorlegen will, weisen die Fachleute auf
schwerwiegende Folgen
von Arbeitslosigkeit und "ungelösten Problemen
verbreiteter Armut" hin.
Die Kluft zwischen Arm und Reich sei in vielen EU-Staaten
gewachsen. Das
steigere bei vielen Bürgern auch Stress, Fettleibigkeit und
Drogenkonsum. Die Entwicklung verstärke zudem das Risiko
psychischer
Erkrankungen und von Verbrechen.
Die EU-Kommission will mit dem Papier ihrer Politikberater
eine breite
Debatte über die soziale Wirklichkeit in Europa anregen.
Diese gibt den
Experten zufolge Anlass zur Sorge. Neben Problemen der
Umweltverschmutzung und wachsenden Verstädterung nehmen sie
vor allem
die Armut in den Blick: "Die Statistiken zeigen, dass
Europa ein
ernsthaftes Armutsproblem hat." 72 Millionen Bürger --
das sind 15
Prozent der EU-Bevölkerung -- lebten mit einem Armutsrisiko,
weitere 36
Millionen seien gefährdet. Dabei wachse die Gefahr, das
Armut von einer
Generation zur nächsten vererbt werde.
12 der 72 Millionen Europäer mit Armutsrisiko seien Ältere.
Aber auch
viele Alleinstehende unter 30 Jahren kommen kaum über die
Runden: In
Großbritannien seien es 37 Prozent dieser Gruppe, in
Deutschland 42
Prozent und in den Niederlanden 49 Prozent. Hinzu komme,
dass fast jeder
fünfte Jugendliche unter 18 Jahren mit einem Armutsrisiko
aufwachse: Das
sind 18 Millionen in einer Gruppe von 94 Millionen jungen
EU-Bürgern.
"In den Gesellschaften mit der größten Ungleichheit ist
das Armutsrisiko
am höchsten", führen die EU-Fachleute aus.
Keine tägliche warme Mahlzeit
"In vielen EU-Ländern glaubt Umfragen zufolge eine
deutliche Mehrheit
der Bürger, dass die Kluft zwischen Arm und Reich zu groß
ist", stellt
der Bericht weiter fest. In mehreren Ländern, darunter
Deutschland und
Großbritannien, habe sich diese Schere weiter geöffnet. Ein
britischer
Unternehmer, der vor 20 Jahren rund 30 Mal so viel verdient
habe wie
einer seiner Verkäufer, kassiere heute das 100fache seines
Angestellten.
Aber 1999 habe eines von zwölf allein erziehenden
Elternteilen ihren
Kindern dort keine tägliche warme Mahlzeit und keine
regenfeste Kleidung
kaufen können.
Der Bericht gibt auch Umfragezahlen von 2006 wieder, wonach
81 Prozent
der EU-Bürger mit ihrem Leben zufrieden sind.
Am zufriedensten seien die
Dänen, die bei der allgemein wachsenden
Pro-Kopf-Verschuldung einen
Spitzenplatz einnahmen. Zugleich
wüchsen aber Stress und psychische
Probleme bei jenen, die in der Konsumgesellschaft nicht
mithalten
könnten. Die Folge seien häufig Alkoholmissbrauch,
Drogenkonsum und
unsoziales Verhalten. Zudem führe die Ungleichheit dazu,
dass die
Gesellschaft vorhandene Talente nicht genügend nutze. dpa
AG
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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 48)
Datum: Montag, den 26. Februar 2007
Seite: 5