Kinder-Betteln verboten
Frankfurter Polizei-Verordnung
VON TANJA KOKOSKA
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Der Hamburger Vorstoß für eine
"bettlerfreie Innenstadt" dient dem Ordnungsamt in Frankfurt am Main
offenbar nicht als Vorbild. Joachim Seidl (Bereich Sicherheits- und
Ordnungsdienst, Verkehrsüberwachung) sagt: "Die geltende Rechtslage ließe
das hier gar nicht zu." Betteln sei schließlich "grundsätzlich nicht
verboten, daran ändert auch eine Fußballweltmeisterschaft nichts, und wir sind
zum Glück keine Gesinnungspolizei". Das Ordnungsamt werde "nur bei
Regelverstößen tätig", die als Ordnungswidrigkeit geahndet werden oder
einen "Platzverweis" nach sich ziehen können. Statistiken hierzu
würden nicht geführt.
Die entsprechende Polizeiverordnung wurde im Mai 2004 um einen Passus ergänzt:
"Das aggressive Betteln, insbesondere durch nachdrückliches oder
hartnäckiges Ansprechen von Personen zum Zwecke der Bettelei, sowie das
Betteln von oder mit Kindern oder mittels Kindern, ist verboten." Dies
geschah auch, um in Frankfurt der so genannten organisierten Bettelei, die
"Kinder für sich arbeiten lässt", mit Rechtsmitteln entgegentreten zu
können. Seither seien bettelnde Kinder "so gut wie gar nicht mehr"
auf Frankfurts Straßen zu sehen, sagt Seidl.
Dass die Verordnung nur eine Verdrängung des Problems in andere Stadtteile oder
andere Städte des Rhein-Main-Gebiets nach sich ziehe, kann Seidl "nicht
ausschließen". Grundsätzlich sei organisiertes Betteln jedoch nur
"schwer nachzuweisen". Es sei zwar richtig, dass die Frankfurter
"Bettler-Szene" in letzter Zeit "offenbar gezielt Zuwachs aus
Osteuropa" verzeichnete, "ob aber System dahinter steckt, liegt
leider im Bereich der Spekulation".
Maria Goetzens, Ärztin bei der Elisabeth-Straßenambulanz des Frankfurter
Caritasverbands, hat noch eine andere Beobachtung gemacht: "Seit
Einführung von Hartz IV" gebe es in Frankfurt
"vermehrt Menschen", die nicht (mehr) "betteln, sondern Leergut
sammeln, um auf diese Weise etwas Geld zu verdienen. Das ist ein völlig neues
Phänomen, das gab es hier vor zwei Jahren noch gar nicht."
Die Pressesprecherin der Caritas, Christine Hartmann-Vogel, hat mit der
Fußballweltmeisterschaft ohnehin ein ganz anderes Problem: "Wenn englische
Hooligans in Frankfurt einlaufen, stellt sich hier wohl viel mehr die Frage,
wer auf der Straße vor wem beschützt werden muss."
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Copyright © Frankfurter Rundschau online 2006
Dokument erstellt am 03.02.2006 um 16:32:05 Uhr
Erscheinungsdatum 04.02.2006
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