Kinder in Armut
Die Zahl der
jungen Hartz-IV-Empfänger wächst / Nachwuchs als
Risiko
Von Roland Bunzenthal
Kinder groß zu
ziehen wird für Eltern immer mehr zum
Armutsrisiko.
Damit steigt auch die Zahl der Kinder, die hier zu
Lande in Armut
leben. Das wird deutlich an der starken Zunahme
von Kindern,
die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind.
Trotz des
zurückliegenden Aufschwungs der Konjunktur ist die
Zahl der
Empfänger von Sozialgeld seit dem Start der Hartz
IV-Reform
Anfang des Jahres 2005 um gut 25 Prozent auf 1,94
Millionen
Jungen und Mädchen gestiegen. Zu der Gruppe der
Sozialgeld-Bezieher gehören vor allem Kinder unter 15 Jahren.
Das geht aus
den Monatsberichten der Bundesagentur für Arbeit
hervor.
Der Grund für
die Zunahme ist, dass der Anteil der
Alleinerziehenden sowie der Paare mit Kindern an allen
Hartz-IV-Empfängern
wächst. Mittlerweile haben 39 Prozent der
"Bedarfsgemeinschaften" Anspruch auf Kindergeld, das
allerdings
mit den
Leistungen der Grundsicherung verrechnet wird.
Insbesondere
Alleinerziehende -- ihr Anteil liegt bei 18 Prozent
-- müssen zum
Sozialamt gehen.
Bei Familien
führt niedriges Erwerbseinkommen häufig zu einem
aufstockenden
Anspruch, insbesondere dann, wenn mehrere Töchter
und Söhne noch
im Haus leben.
So kann eine
Familie mit fünf und mehr Personen im Schnitt 1331
Euro aus der Hartz-IV-Kasse bekommen -- das sind nur 100 Euro
weniger als
ein durchschnittlicher Netto-Lohn beträgt. Ein
Single-Haushalt erhält dagegen im Schnitt nur 684 Euro -- die
Hälfte davon
Mietkostenübernahme und einmalige Leistungen.
Jeder Sechste
betroffen
Zu den 28
Prozent der Hilfebedürftigen, die ein Einkommen aus
Erwerbstätigkeit mit zusätzlichen Sozialleistungen verbinden,
gehören
besonders die Familien mit mehreren Kindern.
Mittlerweile
liegt die Armutsquote der unter 15-Jährigen bei
16,2 Prozent.
Das heißt, fast jedes sechste Kind in Deutschland
gilt offiziell
als arm -- gemessen am Hartz-IV-Standard.
Sozialforscher
gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer
der nicht in
Anspruch genommenen Leistungen bei dieser
Altersgruppe
besonders hoch ist, weil viele Erwerbstätige den
Gang zur
Behörde scheuen. Laut Bundesagentur beträgt der Anteil
der
erwerbsfähigen Hilfebedürftigen bezogen auf alle 15- bis
unter
65-Jährigen, die gesundheitlich noch mindestens drei
Stunden
täglich arbeiten können bei 9,4 Prozent.
Insgesamt
liegt die Zahl der Hilfebedürftigen in der
Bundesrepublik
gegenwärtig bei 7,1 Millionen, das sind rund 300
000 weniger
als vor einem Jahr, aber ebenfalls etwa 300 000 mehr
als noch vor
drei Jahren.
Nähere
Informationen über Struktur und Gründe für die wachsende
Armut vor
allem bei den Jüngeren bei gleichzeitig steigendem
Reichtum,
enthält der 3. Armutsbericht der Bundesregierung, der
allerdings von
Berlin noch unter Verschluss gehalten wird.
RBUNZENTHAL
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 103)
Datum: Samstag, den 03. Mai 2008
Seite: 21