Jeder Fünfte ist psyschisch krank

 

 

 

GESUNDHEIT. 118 000 leiden unter Depressionen. Zu wenig Praxen in den

ärmeren Vierteln.

Fast jeder fünfte Düsseldorfer leidet an psychischen Störungen. 118 000

Menschen sind krank vor Angst, haben Panikattacken oder Depressionen und

oft auch die daraus resultierenden körperlichen Symptome. Das ergab

jetzt eine Untersuchung des Gesundheitsamtes, das 1318 Düsseldorfer im

Alter zwischen 18 und 65 Jahren telefonisch befragen ließ. Auffallend:

71 000 dieser Kranken sind Frauen.

Die Gesamtzahl der Erkrankten hat das Amt anhand bundesstatistischer

Erkentnisse auf die Kommune heruntergebrochen. Wohlwissend, dass die

Dunkelziffer "wesentlich höher liegen dürfte". Klar wurde: Je geringer

der soziale Status, desto häufiger die psychischen Störungen.

Klar und deutlich schälten die Experten heraus: Die ambulante Versorgung

der Kranken ist in Düsseldorf sehr hoch - allerdings nur in sozial und

ökonomisch besser gestellten Stadtteilen. In Rath, Wersten oder Eller

gibt es weitaus weniger niedergelassene Therapeuten. Weshalb laut

Gesundheitsamt die Stadt bei Praxisneugründungen auf die Verteilung in

allen Vierteln achten sollte.

Insgesamt sind in der Landeshauptstadt 120 Fachärzte, 142 Psychologen

und 28 Spezialisten für Kinder und Jugendliche tätig. Die Daten der

Kassenärztlichen Vereinigung zeigen, dass 2004 pro Quartal 7000

Patienten psychotherapeutisch betreut wurden, in nervenärztlicher

Behandlung waren es 30 000. In den Institutsambulanzen und beim

Sozialpsychiatrischen Dienst waren es nochmal 9500.

Bei der Befragung hatten die Düsseldorfer auch ein besonderes Augenmerk

auf die größte ausländische Gruppe hier: die Türken, die in ihrer

Heimatsprache befragt wurden. Fast jeder zweite Angerufene gab an, unter

Interessensverlust zu leiden, jeder dritte beklagte andauernde

Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit.

Da die Daten aber unzureichend blieben, schlägt das Amt ein eigenes

Forschungprojekt vor. (aly)

 

  26.11.2006   nrz