Immer mehr Arme in Deutschland
23.04.2008 / Inland / Seite 1
Frankfurt/Main. Bald jeder fünfte Mensch in Deutschland ist
von Armut bedroht. 17,4 Prozent der Einwohner in den alten und 22,6 Prozent in
den neuen Bundesländern hatten 2005 weniger als 60 Prozent des
durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung, wie der Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in seinem Jahresgutachten
2007/2008 schreibt. Nach einem Bericht der Berliner Zeitung stieg diese Quote
2006 bundesweit sogar auf 18,3 Prozent, nachdem sie im Jahr 2000 noch bei 11,8
Prozent gelegen habe. Das Blatt berief sich auf Daten des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband sprach am Dienstag von
einem »erschütternden Dokument sozialer Zerrissenheit«. Die Erhöhung der
Armutsquote um mehr als 63 Prozent innerhalb weniger Jahre sei das Resultat
einer seit mehreren Jahren verfehlten Sozial- und Steuerpolitik, hieß es in
einer Erklärung. (AP/jW)
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Armutsrisiko kleingeredet
Frankfurt/Main. Ökonomen haben Warnungen vor einer steigenden
Altersarmut in Deutschland als nicht begründet bezeichnet. »Die materielle
Lebenssituation der Älteren ist besser als die des Durchschnitts der
Gesamtbevölkerung«, sagte Markus Grabka vom Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
(Dienstagausgabe).
Der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität widersprach dieser
Darstellung. Dessen Bundesgeschäftsführer Bernd Niederland erklärte am
Dienstag, niemand bestreite, daß es der heutigen
Rentnergeneration noch relativ gut gehe. Vielen der heute 45- bis 65jährigen drohe
aber Armut im Alter aufgrund von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhnen und prekärer
Beschäftigung. Rund 55 Prozent von ihnen seien aktuellen Analysen zufolge
durchschnittlich mehr als sechs Jahre arbeitslos gewesen. (AP/jW)