Die Zahl junger Obdachloser steigt stetig an

 

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Region, 23.12.2009, Volker Dörken

 

*Münster/ Hagen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe schlägt Alarm:

Die Zahl der obdachlosen jungen Menschen nimmt in Südwestfalen immer

weiter zu. Die Ursache liege häufig in der fehlende Schul- und

Berufsbildung. Langzeitarbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch oder

Kriminalität drohen.*

 

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist in Alarmbereitschaft,

weil die Zahl der obdachlosen jungen Menschen immer weiter zu nimmt.

Eine erschreckende Entwicklung in Südwestfalen, die die

Wohlfahrtsverbände bestätigen. Die Wohnungshilfen von Diakonie und

Caritas befürchten, dass in Zukunft noch mehr junge Menschen obdachlos

werden.

 

 

        Beratung

 

In der Sitzungsvorlage des LWL-Sozialausschusses heißt es: "Die Beratung

und Begleitung junger Erwachsener (20 bis 27 Jahre) in schwierigen

Lebenssituationen nimmt einen immer größeren Raum ein." Der Alltag

dieser jungen Frauen und Männer sei durch Wohnungs- und Mittellosigkeit

geprägt. Die Ursache liege häufig in der fehlende Schul- und Berufsbildung.

 

 

        Arbeitslosigkeit

 

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Weihnachtsfeier am Heiligen Abend für Obdachlose und Bedürftige in der

Karl Adam SporthalleFoto: Marco Siekmann Foto: WP

 

Daraus resultiere nicht selten Langzeitarbeitslosigkeit, der Missbrauch

von Drogen oder Alkhohol, Kriminalität. Thomas Becker von der Caritas in

Lüdenscheid kennt diesen "Absturz ins Nichts" aus seiner täglichen

Arbeit: "Wir müssen viel Geld und Zeit in die Hand nehmen, um diesen

jungen Menschen zu helfen." Mit einer guten Vernetzung vor Ort und einer

gut durchdachten Betreuungsarbeit könne und müsse den Obdachlosen

geholfen werden.

 

 

        Ausbildung

 

Vor Jahren hätten Menschen mit schlechter Ausbildung noch

Hilfsarbeiterjobs bekommen. Dieses Angebot gebe der Arbeitsmarkt nicht

mehr her: "Wer heute keine gute Ausbildung hat, steht sehr schnell auf

der Straße."

 

 

        Deutlicher Anstieg

 

Der LWL-Sozialausschuss stellt fest: "Besonders auffällig ist der

deutliche Anstieg in der Gruppe der jungen Erwachsenen von 20 bis 27

Jahren." Sie kletterte in den Jahren 2007 auf 2008 allein in

Südwestfalen von 2487 obdachlosen jungen Männern auf 2774. Bei den

Frauen schnellte die Zahl von 687 auf 777 in die Höhe. Bei den Menschen

bis zum 30. Lebensjahr gab es 2008 in Westfalen 5756 Wohnungslose.

Insgesamt liegt die Zahl der Obdachlosen nach einer Schätzung des

NRW-Generationen-Ministeriums bei über 18 000. Rund 80 Prozent davon

sind Männer.

 

 

        Alleinerziehende Frauen

 

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Junge Obdachose suchen im Volkspark Zuflucht. Der Alkohol ist ihr

Begleiter. Foto: Andy Spyra Foto: WP

 

Anders bei den jungen Frauen bis 30 Jahre: 39,1 Prozent ist ihr Anteil

in der Stadt Hamm. Der LWL-Sozialausschuss: "Es sind allein erziehende

oder ganz junge Frauen, die von Wohnungsverlust bedroht sind oder ihre

Wohnung bereits verlassen mussten."

 

 

        Anmietung

 

Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Hilfeeinrichtungen vor Ort

nur in der Lage sind, den Obdachlosen zu helfen, wenn es für sie eine

erleichterte Anmietung von Wohnungen gibt. Denn nur wer ein Dach über

dem Kopf habe, könne zur Schule gehen oder eine Ausbildungsstelle

antreten. Wer unter der Brücke lebe, greife lieber zur Flasche. Trotz

dieser Entwicklung hat die Landesregierung die Zuschüsse für die

Projekte "Wohnungsraum sichern - Wohnungslosigkeit vermeiden" im Jahre

2008 um 1,2 Millionen Euro gekürzt.